"Barbapapa"-Erfinder Talus Taylor ist tot

Ihn kannten nur wenige, seine Figuren jedes Kind. Wie jetzt bekannt wurde, starb Talus Taylor, der gemeinsam mit seiner Frau die Barbapapa-Figuren erfand, im Alter von 82 Jahren in Paris.

Kinderbuch-Figur Barbapapa: Morphen für den Naturschutz
Talus Taylor/ Annette Tison/ Orell Füssli

Kinderbuch-Figur Barbapapa: Morphen für den Naturschutz


Paris/Hamburg - Den Pädagogen merkte man Talus Taylor immer ein wenig an: Die bunte Barbapapa-Familie, die sich der Biologielehrer mit seiner Frau Annette Tison erdacht hatte, rettete Tiere vor Umweltkatastrophen, gärtnerte gemeinsam und sie stritt sich fast nie. "Wir wollen die Kinder vor allem unterhalten und ihnen eher nebenbei ein paar Informationen mitgeben", sagte Taylor in einem Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau".

In den Sechzigerjahren traf der Amerikaner Taylor die junge Architektin Annette Tison in Paris; sie wurde später seine Arbeitspartnerin und Ehefrau. 1970 veröffentlichte das Paar eine erste Barbapapa-Geschichte über einen kaugummifarbenen Helden, der seinen Körper nach Belieben verformen konnte und hieß wie eine Kindersüßigkeit: "Barbe à papa" ist das französische Wort für Zuckerwatte.

In der ersten Geschichte war Barbapapa noch alleine als Lebensretter in einem brennenden Haus unterwegs. Später dichteten Taylor und Tison ihm eine Frau ("Barbamama") an sowie sieben Kinder (Seien Sie jetzt stark und versuchen Sie laut vorzulesen: Barbabella, Barbaletta, Barbarix, Barbawum, Barbabo, Barbakus, Barbalala).

"Einen alternativen Superhelden" nannte die "Frankfurter Rundschau" den Formwandler, der passend zu einer Zeit veröffentlicht wurde, in der sich in der westlichen Welt ein moralisches Bewusstsein für Umweltschutz formte: In den Barbapapa-Geschichten ging es halt auch um erneuerbare Energien, um Bio-Diversität und Artenschutz. Wollten die Barbakinder einen Weihnachtsbaum, musste keine Tanne dran glauben, um ja den Lebensraum der Waldtiere zu erhalten - stattdessen formte Barbapapa selbst einen Baum. Ein grünes Familienleben zwischen Moral und Morphen, das Erwachsene manchmal gar ein wenig langweilte, während die simplen Zeichnungen und liebevollen Geschichten Kinder weltweit begeisterten.

Mehr als ein Dutzend Barbapapa-Bücher und mehr als hundert Filme entstanden. In Deutschland gab es bis vor wenigen Jahren eine Ruhepause für die Kinderbuch-Großfamilie: Die Rechte waren für den deutschen Markt 25 Jahre gesperrt, nachdem ein Verlag, der sie besaß, in Konkurs gehen musste. Seit einigen Jahren veröffentlicht ein Schweizer Verlag wieder Barbapapa-Bücher auf deutsch.

Nach Angaben französischer Medien starb der öffentlichkeitsscheue Taylor bereits am 19. Februar im Alter von 82 Jahren in Paris.

eth



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.