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Ermordete Journalisten: 81 Reporter im Einsatz getötet

Der Deutsche Journalistenverband spricht von einer "grauenvollen" Bilanz: Seit 1994 kamen nicht mehr so viele Reporter im Einsatz ums Leben wie 2006, meldet die Organisation Reporter ohne Grenzen. Erstmals wurde auch die Zahl der Journalisten-Entführungen ermittelt.

Berlin - 81 Journalisten haben ihren Beruf im vergangenen Jahr mit dem Leben bezahlt. Dies ist der höchste Stand seit 1994, als 103 Journalisten bei der Ausübung oder wegen ihres Berufs getötet wurden, wie die Organisation Reporter ohne Grenzen mitteilte. Das Internationale Institut für Nachrichtensicherheit (INSI) meldete sogar 137 getötete Reporter.

Trauerfeier für ermordete Journalistin Politkowskaja: Zahl der Angriffe und Bedrohungen auf einem traurigen Hoch
DPA

Trauerfeier für ermordete Journalistin Politkowskaja: Zahl der Angriffe und Bedrohungen auf einem traurigen Hoch

Als gefährlichstes Land für Medienvertreter erwies sich im vierten Jahr in Folge der Irak. Dort kamen 39 Journalisten und 25 Medienmitarbeiter gewaltsam ums Leben. Unter den Getöteten war auch die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja, die im Oktober im Moskau erschossen wurde.

Die Zahl der Angriffe und Bedrohungen erreichte nach Angaben von Reporter ohne Grenzen mit 1400 ein trauriges Hoch. Dies sei auf die zahlreichen Wahlkämpfe 2006, etwa im Kongo und in Weißrussland, zurückzuführen, hieß es. Mindestens 871 Journalisten wurden festgenommen. Die Organisation hatte erstmals die Zahl der Entführungen ermittelt und kam auf 56 Journalisten, davon allein 17 im Irak sowie 6 im Gaza-Streifen.

Eine positive Entwicklung stellte die Organisation bei der Medienzensur fest. Hier sei die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr leicht von 1006 auf 912 zurück gegangen. Das Internet werde jedoch weiterhin in zahlreichen Ländern stark überwacht. Dazu zählen den Angaben zufolge China, Nordkorea, Saudi-Arabien, Weißrussland und Iran.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) reagierte "mit Entsetzen" auf die Zahlen. Dies sei eine "grauenvolle" Bilanz, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Die "Chronisten" der Ereignisse in Krisenregionen würden ungewollt immer häufiger zu Zielscheiben der Kriegsparteien. Die Ächtung von Journalistenmorden durch den Weltsicherheitsrat am 23. Dezember 2006 sei daher ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Konken.

Den Unterschied in der Gesamtzahl führte der Deutsche Journalisten-Verband darauf zurück, dass das INSI-Institut mehr Möglichkeiten zur Datenerhebung habe als Reporter ohne Grenzen.

bor/ddp/AP

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