Theoretiker des Populismus Politikwissenschaftler Ernesto Laclau tot

Er war der Ideengeber für die Regierung Kirchner: Der argentinische Politologe Ernesto Laclau forschte über kulturelle Hegemonie und linke Theorie nach dem klassischen Marxismus. Nun ist der Theoretiker im Alter von 78 Jahren gestorben.


Wer "Populismus" sagt, meint meistens etwas Negatives, besonders im politischen Zusammenhang. Doch der argentinische Theoretiker Ernesto Laclau versuchte, einen positiv besetzten Populismus zu denken, den der Post-Marxist natürlich auf der politischen Linken verortete.

Theoretisch fußte sein Denken auf der Hegemonie-Theorie von Antonio Gramsci sowie auf der poststrukturalistischen Diskurstheorie, deren wichtigste Vertreter Foucault oder Derrida waren. Weil danach keine ehernen Gewissheiten im politischen Denken Bestand haben, suchte er nach Möglichkeiten, dennoch politisches Handeln zu ermöglichen.

Zusammen mit seiner Ehefrau, der belgischen Theoretikerin Chantal Mouffe, verfasste er das Buch "Hegemonie und radikale Demokratie", das 1985 erschien und "die politische Wirksamkeit der neuen sozialen Bewegungen begrifflich erfasst", wie die "taz" lobte. Die "radikale Demokratie" grenzte das Autorenpaar dabei sowohl vom Liberalismus als auch vom klassischen Marxismus ab.

In jüngerer Zeit wurden seine theoretischen Ansätze in Lateinamerika stark rezipiert, insbesondere in Argentinien, wo die nacheinander regierenden Eheleute Kirchner sich von Laclaus Ansatz beeinflussen ließen, mit Populismus "bisher ungehörte Stimmen aus einer 'diffusen Masse' im politischen Raum wieder zu Gehör zu bringen" ("Neue Gesellschaft").

Ernesto Laclau wurde 1935 in Buenos Aires geboren, kam aber bereits 1969 auf Einladung des Historikers Eric Hobsbawm nach Oxford. Er lehrte in der Folge vor allem an der University of Essex. Nach Angaben mehrerer argentinischer Medien ist Ernesto Laclau am Sonntag im spanischen Sevilla gestorben, wo er an einer Forschungskonferenz teilnehmen wollte. Er wurde 78 Jahre alt.

feb



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windekind 15.04.2014
1.
Solche Berater wünscht man seinen Feinden. In Argentinien werden die armen immer ärmer und die politischen Eliten füllen sich die Taschen.
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