Erotikstar Dolly Buster Pinsel statt Porno

Vor der Ex-Pornoqueen Dolly Buster ist nichts mehr sicher. Nach Versuchen als Dschungelkönigin, Politikerin und Sängerin, hat das blonde Busenwunder nun die hohe Kunst im Visier - und besucht dafür sogar eine Kunstakademie.

Von Friederike Hofmann


Das Ergebnis ihrer Umschulung ist wenig überraschend: Dolly Buster bleibt auch in Kohle und Acryl ihrer Linie treu und malt Brüste, Hinterteile, rasierte Vaginas und sich selbst. "Sensitiv", "Shaved", "Latex Rain" oder "Slave" heißen die Bilder; Titel, die für sich sprechen.

Die ehemalige Pornoqueen hat für die Malerei sogar die Schulbank gedrückt. Seit Anfang 2006 besucht sie die renommierte Kunstakademie Düsseldorf. Einen Abschluss machen will sie aber nicht. "Ich bin Gasthörerin", sagt sie im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Bis zu dreimal wöchentlich reist sie in den Aktzeichenkurs von Arnim Tölke. "Wir malen live vor Ort", berichtet Dolly begeistert. Die 15 Minuten, die im Kurs für ein Bild zur Verfügung stehen, seien ihr aber deutlich zu kurz. "Ich brauche zum Malen einfach etwas länger". Im nächsten Semester ist sie trotzdem wieder dabei.

Inspirationsquelle Pornodreh

"Ich hätte meine Bilder anfangs nicht einfach so kaputt gemacht", sagt sie. An die Herangehensweise Tölkes musste sich Dolly erst gewöhnen. "Kunst war für mich immer Perfektion". Ihr Professor brachte sie dennoch dazu, Farbe über die Bilder zu schütten. Nun "schmiert, schmeißt und schleudert" Frau Buster, was die Leinwand hält. Ihr Gästezimmer, in dem sie aus Mangel eines Ateliers malt, habe sie schon komplett "versaut". Seitdem lebt sie ihre kreative Ader vorzugsweise im Garten aus.

Das Malen ist Buster so wichtig, dass sie für das Bild einer Brust Leib und Leben riskiert. "Ich habe mir selbst beigebracht, Gänsehaut zu malen", erzählt sie. Diese neue Maltechnik ist nicht ganz ungefährlich: Durch das ständige Fixieren der Kohle blieb ihr die Luft weg.

"Ich bin eigentlich ein Kunstbanause", stellt Dolly fest. Ein großes Malervorbild habe sie auch nicht. Ihre Inspiration holt sie sich ausschließlich in ihrem Hauptberuf als Pornoproduzentin: "Ich habe täglich mit den Filmen und Drehs zu tun." Motive gebe es wie Sand am Meer. Männer male sie jedoch nicht, die seien einfach "nicht so schön". "Frauen sind weicher, wenn man sich vermalt, kann man immer größer darüber malen", erzählt sie.

"Ich wurde mit Andy Warhol verglichen"

Ihr Leben habe sich durch ihr neues Hobby völlig verändert. "Früher habe ich nur Blödsinn gemacht", sagt sie. Nun male sie statt Fernsehen zu schauen. Schon vor ihrem 13. Geburtstag sei ihr Talent entdeckt worden, erzählt Dolly, die damals noch Katja-Nora Bochnickova hieß. An einer Karriere als Malerin sei sie nur knapp vorbei geschlittert: "Ich hätte morgens quer durch ganz Prag in die Kunstschule fahren müssen". Stattdessen wählte sie den weiteren Weg und zog mit der Familie nach Deutschland. 1989 drehte sie im Alter von 19 Jahren ihren ersten Pornofilm.

"Ich wurde mehrfach mit Andy Warhol verglichen", erzählt Buster sichtlich stolz. Die positive Resonanz habe sie zur Präsentation der Bilder bewegt. Ab Ende November werden die Gemälde erstmals im "Café Keese" in Hamburg ausgestellt, dann wandert die Ausstellung in andere deutsche Städte und nach Moskau. Ein Schnäppchen sind Dollys Bilder nicht: Ab 10.000 Euro ist ein Exemplar zu haben. Der Erlös werde zum Teil für einen guten Zweck gespendet.

Kunst und Sex gehören für Dolly Buster irgendwie zusammen. Dennoch wäre es ihr größter Wunsch, auch echte Kunstkenner dazu zu bewegen, sich ihre Schau anzusehen. Dass der Rummel jedoch eher ihrer Person gilt, als ihren farbtriefenden Hintern- und Busen-Gemälden, ist ihr bewusst: "Viele Ausstellungsbesucher würden genauso in einen Sex-Shop kommen, um sich ein Autogramm von mir zu holen."



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