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17. Dezember 2016, 16:54 Uhr

Mädchen und Gleichberechtigung

Nichts gegen pinke Einhörner, aber...

Eine Kolumne von

Männer entwickeln Zukunftstechnik fast ohne Frauen. Warum? Weil die Konsumwelt von Mädchen derzeit so dämlich rosa ist wie selten zuvor - und weil Sie, liebe Eltern, den ganzen Lillifee-Mist auch noch mitmachen.

Maren Ade hat für "Toni Erdmann" nach gefühlten 2829 Jahren (und realen 29) als erste Frau den Europäischen Haupt-Filmpreis bekommen. Susan Wojcicki ist die CEO von YouTube, Youyou Tu und May-Britt Moser bekamen den Wissenschaftsnobelpreis. Na geht doch, sollte man meinen, dafür, dass Frauen erst seit Kurzem etwas mehr Verstand als einem Haustier zugebilligt wird.

Jetzt geht die Sache in die richtige Richtung, nicht gegen Männer, aber eben auch nicht gegen Frauen. Sie werden gleichberechtigt die Welt retten und im Anschluss Hand in Hand über Wiesen springen. Hätte gehabt haben - denn leider macht die Entwicklung auf der Welt immer, wenn eine große Veränderung ansteht, eine Pause.

Die Welt kleiner Mädchen ist pink und dämlich geworden wie selten. Als wäre Lillifee nicht genug, gibt es jetzt pinke Schokobären und Mädchensenf und Mädchenscheiß, klarer Fall von Gewinnzuwachs idiotischer Firmen mit idiotischen Marketingheinis.

Aber was wäre das bescheuertste Produkt ohne die Eltern, die das Zeug kaufen? Hallo, Eltern. Was tut Ihr da? Ihr fallt auf diese Manipulation rein? Was macht Ihr aus Euren Mädchen? Barbiepuppen, die später in eine Model-Castingshow wollen. Um danach - was zu tun?

Man kann Kinder beeinflussen. Im Guten und im Schlechten. Schlecht ist, pinken Mist zu kaufen. Gut ist, angesichts der wahrscheinlichen Entwicklung der Welt (also ohne Untergangszenario) zu bedenken, dass die gut bezahlten und eher sicheren Arbeitsplätze im IT-Bereich zu finden sind. Solange, bis Roboter sich selber programmieren können, aber das ist ein anderes Thema.

Nichts ärgert Frauenhasser so sehr wie weiblicher Erfolg

Schaut man sich im Studiengang Informatik um, ist das Geschlechterverhältnis rund 83 Prozent zu 17 Prozent. Die 17 Prozent sind weiblich, war schon klar. Statt Programme zu schreiben, schreiben Mädchen in pinke Tagebücher und kleben pinke Einhörner daneben.

Nichts gegen Einhörner, aber da passiert die Zukunft, wenn wir denn alle eine haben, wieder ohne Frauen. Und warum? Wegen Lillifee. Und - wegen Ihnen, verehrte Eltern. Gehen Sie mit Ihrer Tochter zum nächstgelegenen CCC, es macht Spaß da. Die Menschen sind nett und die Geräte blinken. Spielen Sie mit Ihren Töchtern Coding Games, statt sie mit Ponys zu beschenken. Erziehen Sie Ihre Mädchen zu Start-up-erinnen und nicht zu Frauen, die irgendwann mal einen Start-up-Gründer anhimmeln.

Auch wenn die Welt gerade irre geworden zu sein scheint, liegt es immer noch an den Einzelnen, das enge Umfeld zu beeinflussen. Und zwar zum Guten. Am Ende sind Menschen doch lernfähig, eine neue Generation aufgeklärter, gleichberechtigter kleiner Menschen wächst jetzt heran. Versauen wir es nicht.

Mit großer Verspätung werden irgendwann die Medien nachziehen, und statt Heidi Klum Mädchen mit dem Willen zur Verblödung suchen zu lassen, wird Meg Whitman das Super-Nerdgirl auswählen.

Nichts ärgert Frauenhasser so sehr wie weiblicher Erfolg. Ein prima Schlusssatz.

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