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Food-Truck-Boom: Lecker, da ist mein Laster!

Von Jessica Jungbauer, Washington DC

Essen auf Rädern? Da denkt man an Hausmannskost, die zu Rentnern kutschiert wird oder an den Pizza-Lieferanten. In den USA erobern dagegen rollende Restaurants die Straßen. Die Flotte der sogenannten Food Trucks wächst rasant - auch weil Social Networks wie Facebook beim Kundenfang helfen.

Food Trucks: Die rollenden Restaurants Fotos
Jessica Jungbauer

Ein gelblackierter Kleinlaster steht in einer grauen Masse aus Häuserblocks. Und als fiele seine Farbe nicht schon genug auf, hat der Fahrer auch noch die Warnblinkanlage an. Sehr lange wird der fahrbare Farbkasten aber nicht mehr allein sein. Es ist morgens, knapp 9:30 Uhr in Washington D.C. Die anderen Food Trucks machen sich ebenfalls langsam auf die Suche nach dem ersten Parkplatz für den Tag. Dort sollen sie Passanten beglücken.

Food Trucks sind mobile Restaurants, die bald genauso zum Straßenbild amerikanischer Großstädte gehören könnten wie Fast-Food-Ketten. Direkt aus ihren Blechbäuchen versorgen die Laster ihre Kunden mit Leckereien - zum Beispiel Cupcakes, Empanadas, Tacos, Crêpes und Kebabs. Das moderne Essen auf Rädern erobert Metropolen wie Los Angeles und Boston, Seattle und Chicago. Doch Washington D.C. heißt die Food-Truck-Flotte besonders begeistert willkommen. In die US-Kapitale kommen unzählige Diplomaten, Journalisten oder Wissenschaftler aus aller Welt; eine kulinarische Internationale, die stets nach einer Lunch-Alternative zum amerikanischen Sandwich-Standard sucht.

Mit Facebook zum Futter

So sehr der Trend zum mobilen Mittagessen viele Kunden erfreut, so sehr verärgert er allerdings viele immobile Gastwirte. Der Grund? Oft parken die Food Trucks fast direkt vor der Eingangstür der Restaurants und vermiesen damit selbst höherklassigen Gastro-Betrieben das Geschäft. Denn die Speisen von der Straße haben oft wenig mit klassischem Fast Food gemein. Zwischen acht und zwölf Dollar kostet eine warme Mahlzeit im Schnitt. Dafür werden Sandwiches mit sautiertem Rindfleisch, karamellisierten Zwiebeln und Blauschimmelkäse über die Truck-Theke gereicht oder Fettuccine mit Kürbis in Tomaten-Basilikum-Sauce serviert.

Doch woher rührt der plötzliche Erfolg der fahrbaren Futterstätten? Zum einen ist es sehr viel günstiger, mit einem Food Truck auf Kundenkaperfahrt zu gehen, als ein Restaurant zu eröffnen und darauf zu hoffen, dass sich doch zumindest zu den Stoßzeiten die Tische füllen mögen. Schon rund 60.000 Euro Startkapital sollen ausreichen, um einen Speisewagen startklar zu machen. Ein überschaubares Risiko, das viele Neulinge in die Gastro-Branche lockt. Manche Quereinsteiger wollen einfach mal etwas anderes machen, andere sind unzufrieden im alten Job, haben Appetit auf ein kleines Abenteuer zwischendurch oder erfüllen sich den Traum, der eigene Chef zu sein. Und auch der schwächelnde US-Arbeitsmarkt sorgt dafür, dass der mobile Mampfsektor an Gewicht gewinnt; zumal die Investitionsschwelle so niedrig liegt.

All diese Faktoren reichen jedoch nicht, um die Triumphfahrt der Food Trucks zu erklären, deren Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Als mindestens ebenso wichtig gilt Beobachtern des Booms der Siegeszug von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und auch von Smartphones und Apps. Denn die Anzahl der angebotenen Speisen in den Trucks ist begrenzt, vor allem Höherwertiges lässt sich nicht einfach so im Imbisswagen herstellen. Früher hätten also zum Beispiel Angebot und Nachfrage sehr oft nicht übereingestimmt.

Jetzt stehen den Trucks jedoch die verschiedenen neuen Tools zur Verfügung. So können sich die Kunden bereits am Morgen die Menüpläne anschauen, sie werden darüber informiert, wenn ihr Lieblingsgericht ausverkauft ist - oder wieder zu bekommen ist - und sie sehen, wo sich die einzelnen Speisewagen gerade in der Stadt befinden. Denn von einem deutschen Imbisswagen, der auf einem Volksfest oder Wochenmarkt zum Einsatz kommt, unterscheiden sich die meisten Food Trucks auch dadurch, dass sie mehrfach am Tag ihren Standort wechseln (dürfen), um möglichst viele Kunden bedienen zu können.

Mittlerweile gibt es Wettbewerbe um den besten Wagen der Stadt, ein "Trucktoberfest" und sogar eine landesweite Fernsehshow. Beim "Great Food Truck Race" bekommt der Gewinner am Ende die Schlüssel für einen eigenen Laster in die Hand gedrückt. Wer soviel Begeisterung als typisch amerikanisch empfindet, dem sei übrigens gesagt: Auch in europäischen Hauptstädten fahren bereits Food Trucks. Unter anderem in Paris, der Stadt der Haute Cuisine.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. .............
janne2109 13.10.2012
super, ich bewundere jeden der sich mit -was auch immer- selbstständig macht. Bei uns würde erst einmal die Diskussion über den Pappteller beginnen. Der Deutsche ist auch leider zu unentspannt dort eine Kleinigkeit zum Lunch zu kaufen. Und die Vorschriften wären so allumfassend, dass inzwischen das Essen kalt wird, sprich niemand mehr Lust hat so etwas aufzuziehen.
2. ...und in Deutschland?
koem 13.10.2012
Zitat von sysopJessica JungbauerEssen auf Rädern? Da denkt man an Hausmannskost, die zu Rentnern kutschiert wird oder an den Pizza-Lieferanten. In den USA erobern dagegen rollende Restaurants die Straßen. Die Flotte der sogenannten Food Trucks wächst rasant - auch weil Social Networks wie Facebook beim Kundenfang helfen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/essen-auf-raedern-food-trucks-erobern-dank-social-networks-die-usa-a-860175.html
in Deutschland schiebt hier wieder die Bürokratie einen Riegel vor? Wer kann mir mal sagen, ob das in Deutschland auch so möglich ist, bitte!
3. Nicht nur in Washington D.C.
szitnick 13.10.2012
Das ist doch ein alter Hut! Das gibt`s nämlich nicht nur in Washington D.C. sondern auch bei uns in Bielefeld: http://www.facebook.com/fvbelgier?filter=3 . Belgische Fritierkunst vom Feinsten :-) Lecker!
4. good bye
hermes69 13.10.2012
Zitat von sysopJessica JungbauerEssen auf Rädern? Da denkt man an Hausmannskost, die zu Rentnern kutschiert wird oder an den Pizza-Lieferanten. In den USA erobern dagegen rollende Restaurants die Straßen. Die Flotte der sogenannten Food Trucks wächst rasant - auch weil Social Networks wie Facebook beim Kundenfang helfen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/essen-auf-raedern-food-trucks-erobern-dank-social-networks-die-usa-a-860175.html
esskultur. in den usa nat. schon viel fortgeschrittener als bei uns, aber auch hier ist das "schnell, schnell" ja sehr im kommen. kein wunder das die menschen keinen sinn mehr dafür haben wo das zeug herkommt das sie in sich reinschaufeln. traurig
5. In Deutschland zur Zeit unmoeglich
mpschmidt 13.10.2012
Wechselnde Standorte passen nicht ins Schema F der Verwaltung. In Deutschland kriegt man sowas nicht genehmigt.
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