EU de Toilette Die D-Mark bleibt - als Duft

Eine Wiener Aktionskünstlergruppe will die deutsche Mark konservieren - in einem Parfum-Flakon. "Sabotage"-Gründer Robert Jelinek klärt im SPIEGEL-ONLINE-Gespräch auf über den Sinn von Modenschauen in Tiefkühlhäusern und die Duftmoleküle der D-Mark.


Sagt man Sabotage, meint man erst mal Robert Jelinek. Der Wiener Aktionskünstler gründete das Label im Rahmen der Documenta 1992. Seitdem tummelt sich die Kreativgruppe im Techno-, genauso wie im Mode- und Parfum-Bereich und formiert sich projektbezogen immer wieder aufs Neue. "Wir treiben ein Irritationsspiel, durch das wir ständig andere kulturelle Nischen besetzen und neues Publikum erreichen", sagt Jelinek im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. In die Praxis übersetzt bedeutete das für die letzte Sommerkollektion der Sabotage-Designer Johannes Schweiger und Wally Salner, die Modenschau in einem Tiefkühlhaus stattfinden zu lassen. Bei minus 35 Grad schlotterten nicht nur die Models, auch dem Publikum wurde eiskalt. "Die ganze Bude stank auch noch nach Fleisch und Tiefkühlkost. Das werden die nicht so schnell vergessen", lacht Robert Jelinek. Sabotage verfährt nach dem Prinzip, ungewöhnliche Ideen auch ungewöhnlich umzusetzen und zu präsentieren.

Der Dollar-Duft "Cash"
SABOTAGE

Der Dollar-Duft "Cash"

So erregten die Wiener im letzten Jahr mit einer duftenden Banknote Aufsehen: Aus den olfaktorischen Stoffen eines Hundert-Dollar-Scheines - Metall, Druckerschwärze, Papier und Mahagoni - kreierten sie das Parfum "Cash" mit dem plötzlich jeder nach Geld stinken konnte. Präsentiert wurde das edle Wässerchen auf Pressekonferenzen, die in Geldtransportern abgehalten wurden. Als Sabotage mit ihrer elektronischen Tanzmusik durch die Clubs zogen, füllten sie ein paar Tropfen "Cash" in die Nebelmaschinen, um so die Flüchtigkeit des Geldes zu demonstrieren. "Nur mit solchen Kniffen kann man auf einem kleinen Markt im Kunstkontext überleben", sagt Jelinek.

Das Überleben im neuen Jahrtausend will sich Sabotage jetzt durch einen neuen duftenden Kunstgriff sichern. Das Parfum zum Start des Euro, "EU de Toilette", lässt Jelinek gerade brauen. Das besondere Schmankerl dabei: Die deutsche Mark, der österreichische Schilling, das englische Pfund und die französischen Franc sollen riechbar erhalten bleiben. Die Euro-Scheine werden mit dem jeweils präferierten Währungsgeruch eingesprüht. Erwerben kann der nationale Nostalgiker das "E de

"E de Toilette" im Duftbaum-Dschungel
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"E de Toilette" im Duftbaum-Dschungel

Toilette" dann als vakuumverpackten Geldschein, der als eine Art Duftbäumchen eingesetzt wird. "Mit dem Euro verschwinden alte Traditionen, die es den Leuten schwer machen, sich umzustellen. Unser Parfum soll diesen Prozess erleichtern", verdeutlicht Jelinek. Erscheinen soll der "EU de Toilette" zum offiziellen Start des Euro am 1. Januar 2002. Derzeit lässt Sabotage die nationalen Düfte entwickeln. Dafür wird vor allem auf die sensibilisierte Nasen von Geldtransporter-Fahrern zurückgegriffen. "Auf die Auskünfte dieser Leute bauen wir besonders, weil sie den ganzen Tag nichts anderes als Geld riechen. Einer erzählte uns, dass der Schilling wohl eher süßlich duftet. Ein frisch gedruckter Hundert-Mark-Schein soll einfach nur fürchterlich stinken", sagt Jelinek ohne Bedauern.



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