Europa in der Krise Zahlmeister Deutschland

Griechenland ist pleite, Deutschland debattiert: Sollen wir Milliarden für das marode Land an der Ägäis bezahlen, dieses Fass ohne Boden? Soll die Europäische Union etwa endgültig zur Transferunion mutieren? Es ist endlich Zeit für klare Worte, meint Stefan Kuzmany.

Europa-Flagge auf dem Reichstag: Unser sauer verdientes Geld für die Euro-Misere?
AP

Europa-Flagge auf dem Reichstag: Unser sauer verdientes Geld für die Euro-Misere?


Es muss sich doch endlich mal jemand trauen, die Wahrheit zu sagen. Lange genug sind wir beschummelt worden, an der Nase herumgeführt und eingelullt, aber jetzt ist es an der Zeit, Tacheles zu reden - bevor es zu spät ist. Bevor die Europäische Union, der Euro, die gesamte europäische Idee unwiderruflich zerstört ist.

Also gut: Griechenland ist pleite. Griechenland braucht Geld, um weiterhin seine Beamten zu bezahlen und seine Schulden zu bedienen. Und woher soll das Geld kommen? Von uns, den deutschen Steuerzahlern.

Wie bitte? Wir sollen Milliarden in dieses griechische Fass ohne Boden werfen? Wir sollen dafür aufkommen, dass die Griechen keine oder kaum Steuern bezahlt haben? Wir sollen "das Weiter-Existieren der ägäischen Schlamassel-Republik" ("Bild") mit unserem sauer erarbeiteten Geld finanzieren? Sollen wir denn etwa direkt in die Transferunion marschieren?

Die griechische Filiale des Europa-Konzerns rentiert sich nicht

Ja, das sollen wir. Denn nichts anderes ist die europäische Idee: Solidarität unter eng befreundeten und wirtschaftlich verflochtenen Staaten. Die einen haben Geld, die anderen haben keines - also helfen die Reichen den weniger bemittelten.

Wer die aufgeregten Kommentare angesichts der fortschreitenden Griechenland-Krise liest, wer den FDP-Chef Philipp Rösler reden hört, kann den Eindruck bekommen, die Europäische Union sei im Grunde nichts anderes als ein Konzern, entstanden aus der Fusion einer Anzahl größerer und kleinerer Firmen. Und nun, da sich ein Firmenzweig nicht rentiert, soll er abgestoßen werden, beziehungsweise freigestellt, wie es auf neudeutsch so schön verlogen heißt, wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Wer sich jetzt darüber echauffiert, dass deutsches Geld für griechische Versäumnisse ausgegeben werden soll, hat den Grundgedanken Europas nie begriffen. Europa ist in erster Linie eine ideelle Gemeinschaft, die auf gemeinsamen kulturellen Werten basiert, wenn man so will: eine Familie. Wenn ein Familienmitglied in Schwierigkeiten gerät, und seien es auch selbstverschuldete, dann wirft man es nicht aus dem Haus. Man muss es ermahnen und auch Druck ausüben, den unguten Lebenswandel zu ändern. Vor allem jedoch muss man ihm helfen. Aber nicht etwa aus sentimentalen Erwägungen, sondern aus der Einsicht heraus, dass nur ein vereintes Europa den Frieden und den Wohlstand sichern kann.

Ein Rückfall in die Kleinstaaterei wäre ein zivilisatorischer Rückschritt. Kurzfristig würde die Illusion nationaler ökonomischer Stärke befördert, langfristig bliebe davon nichts übrig.

Die unsichtbare Hand schaufelt weiter Geld

Denn anders als vielfach angenommen funktioniert der Kapitalismus nach wie vor hervorragend: Die unsichtbare Hand schaufelt weiter und immer schneller das Geld in die Taschen der Wettbewerbsfähigsten, nur sind es eben nicht mehr die Taschen der westlichen Industrienationen. Wir erleben gerade eine gigantische Umverteilung nach China, und das ist erst der Anfang. Indien wird folgen, Lateinamerika, und irgendwann auch Afrika.

Um in dieser neuen, sich gerade bildenden Weltordnung bestehen zu können, muss Europa einig sein. Und wenn diese Einigkeit nur erreicht werden kann, indem Deutschland dafür bezahlt, dann ist das erstens gut angelegtes Geld. Und zweitens nicht zu ändern.

Soll Deutschland der Zahlmeister Europas sein? Ja, bitte. Aus Überzeugung.

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Seite 1
marcaurel1957 15.09.2011
1. Deutschland zahlt einen fairen Teil - wir sind sicher keine Zahlmeister
Da wir bislang noch keinen müden Cent gezahlt haben, ist die Frage falsch gestellt. Sie muß lauten, ob wir in Zukunft unter bestimmten Umständen bereit sind unsere Partner zu unterstützen, um ein vereintes Europa zu schaffen? Von mir kommt dazu ein klares ja! Über die Bedingungen können wir uns gern unterhalten, natürlich bin ich nicht dafür Geld ohnen Gegenleistung zu verschenken. Wenn es allerdings um die Zumkuft der europäischen Länder und der Menschen geht, sind einige Milliarden Euro gut angelegtes Geld
Trouby 15.09.2011
2. .
Danke für diesen guten Kommentar! Natürlich müssen Griechenland, Italien und eigentlich alle EURO-Staaten sparen und Strukturen verbessern. Gar keine Frage! Aber natürlich ist Geld genug vorhanden, und das muss eben sinnvoll kanalisiert werden. Wenn Deutschland ein bisschen mehr dazu gibt, um den Euro, die EU zu retten, na dann muss es eben sein. Wenn es richtig gemacht wird, kommt das auch schon wieder zurück und den deutschen Steuerzahlern zugute.
wwwwebman 15.09.2011
3.
""""Wie bitte? Wir sollen Milliarden in dieses griechische Fass ohne Boden werfen? Wir sollen dafür aufkommen, dass die Griechen keine oder kaum Steuern bezahlt haben? Wir sollen "das Weiter-Existieren der ägäischen Schlamassel-Republik" ("Bild") mit unserem sauer erarbeiteten Geld finanzieren? Sollen wir denn etwa direkt in die Transferunion marschieren? ... Ja, das sollen wir. Denn nichts anderes ist die europäische Idee: Solidarität unter eng befreundeten und wirtschaftlich verflochtenen Staaten. Die einen haben Geld, die anderen haben keines - also helfen die Reichen den weniger bemittelten.""""
sirleon 15.09.2011
4. .
Nette Sichtweise. Dafür muss man aber sehr Langfristig und Global denken und es ist nicht leicht zu vermitteln.
K.-H.Schubert, 15.09.2011
5. Mal....
Zitat von sysopGriechenland ist pleite, Deutschland debattiert: Sollen wir Milliarden für das marode Land an der Ägäis bezahlen, dieses Fass ohne Boden? Soll die Europäische Union etwa endgültig zur Transferunion mutieren? Es ist endlich Zeit für klare Worte, meint Stefan Kuzmany http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,786532,00.html
... ganz klare Worte, werter Schei*eschönredner: Mich hat man nie zu EU und Euro befragt. Sie? BEIDE können mich kreuzweise..... Man hat mir eine faschistische Verfassung auf's Auge gedrückt; ganz DEMOKRATISCH! Man zockt mich ab, bis ich nichts mehr habe! Und deswegen dürfen die Rotwein- und Guinnessländer zur Hölle fahren. Klar genug?
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