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Eva Herman: Kultfigur für Katholiken

Die gefeuerte NDR-Moderatorin Eva Herman hat eine neue Rolle: Sie wird zur Kultfigur des katholischen Konservatismus. Bei einer Rede in Fulda sprach sie deutliche Worte zum Thema Familie und Erziehung. Bricht ein neuer Kulturkampf aus?

Hamburg - Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge wurde Herman für eine Gastrede auf dem Katholiken-Kongress in Fulda gefeiert. Rund 700 Besucher "Forums Deutscher Katholiken" hätten die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin mit tosendem Applaus bedacht, nachdem diese rund 40 Minuten lang betont hatte, wie wichtig heute Werte wie Liebe, Familie und Kinder seien.

Autorin Herman: Das Kreuz mit der Familie
AP

Autorin Herman: Das Kreuz mit der Familie

"Wir haben Eva Herman eingeladen, weil sie aus unserer Sicht zum Thema Erziehung der Familie das Richtige sagt", erläuterte Hubert Gindert, der Initiator und Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, SPIEGEL ONLINE. Kinder müssten mindestens in den ersten drei Jahren von einem Elternteil betreut werden, "und es ist nur natürlich, dass dies die Mutter ist."

Das Forum Deutscher Katholiken gilt als äußerst konservativ. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 versteht es sich als als Plattform "papst- und kirchentreuer Katholiken". Der Hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel gilt seit langem als Befürworter der Organisation.

Forum-Chef Gindert ist der Ansicht, das im Sommer 2006 verabschiedete Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz bedrohe das Grundrecht der Meinungs- und Redefreiheit, da es dazu führen könnte, dass Priester und Laien künftig die Lehre der Kirche nicht mehr vertreten dürfen.

Auf der Webseite des Forums Deutscher Katholiken kann man nachlesen, was Gindert unter dieser Lehre versteht: "Abtreibung ist ein verabscheuungswürdiges Verbrechen", steht dort, homosexuelles Tun "eine schlimme Abirrung und ein schwerer Verstoß gegen Gottes Gebote". Diese Tatsachen dürfe man nun nicht mehr aussprechen, ohne sich strafbar zu machen.

Wettern gegen die Kritiker

Während ihrer Rede beklagte sich Herman laut "Bild" erneut über die öffentliche Schelte, die sie für ihre Thesen einstecken musste. "Letztes Jahr hatte ich bereits ordentlich öffentlichen Gegenwind bekommen für diese Thesen, persönliche Beleidigungen waren keine Seltenheit.

Alles, was nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern und mit Kindern, nach dem Weiblichen, dem Männlichen und dem Muttersein klingt, wird in unserem Land leider auffallend schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang gebracht."

Gindert teilt diese Ansicht: "Frau Herman hat sich ganz klar vom Nationalsozialismus distanziert. Wir würden sie deswegen zum Thema Familie und Erziehung jederzeit wieder einladen."

Gindert unterstellt Rhiel "Einknicken"

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es Ärger über den Auftritt Hermans gegeben: Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) trat als Schirmherr des Forums zurück, um gegen die Rede der Moderatorin zu protestieren. Über die genauen Gründe seiner Absage wollte sich das Hessische Wirtschaftsministerium auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht äußern.

Gindert hatte mit Rhiel nach eigenen Angaben keinen Kontakt. Die Anfrage, Eva Herman auszuladen, sei am Vormittag vor der Konferenz in Fulda gekommen. Als sich das Forum weigerte, dieser Aufforderung folge zu leisten, sei eine Stunde später die Absage des Ministers gekommen.

"Ich finde es traurig, dass Politiker auf Mediendruck so schnell in die Knie gehen", sagte Gindert. "Ich frage mich: Wie können wir uns auf solche Politiker verlassen, wenn Deutschland einmal wirklich in eine Krise gerät." Ein Sprecher Rhiels wollte die Vorwürfe nicht kommentieren.

Einen Monat ist es her, da hatte der NDR entschieden: Eva Herman, 48, ist für uns nicht länger tragbar. Der Sender beendete die Zusammenarbeit mit der Moderatorin, weil diese sich bei der Vorstellung ihres neuen Buches im Ton vergriffen haben soll. Sie soll sich lobend über familiäre Werte und die Familienpolitik im Nationalsozialismus geäußert haben, wurde berichtet. Herman bestreitet dies, sie fühlt sich falsch zitiert und missverstanden.

ssu/phw/tdo

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Auf dem Teppich bleiben
Der Horst, 09.10.2007
Wegen der paar erzkatholischer Hanseln wird es keinen Kulturkampf geben. Diese Typen gabs schon immer, sie haben jetzt nur eine Galionsfigur. Und Eva Herman demontiert sich gerade selbst.
2. Weshalb die Aufregung?
nauta, 09.10.2007
Ich verstehe die Aufregung nicht. Ist es für die Journaille so schlimm, dass es Andersdenkende gibt? Übrigens sind gewisse Gruppen, für die immer alle Verständnis haben sollen, hundertmal so "radikal", aber die dürfen das ja auch. Nur bei Deutschen ist so was unerträglich.
3. Welche Aufregung?
Der Horst, 09.10.2007
Zitat von nautaIch verstehe die Aufregung nicht. Ist es für die Journaille so schlimm, dass es Andersdenkende gibt? Übrigens sind gewisse Gruppen, für die immer alle Verständnis haben sollen, hundertmal so "radikal", aber die dürfen das ja auch. Nur bei Deutschen ist so was unerträglich.
Regt sich doch keiner auf. Eva Herman ist da gelandet, wo sie sich offenbar wohlfühlt: bei einem Grüppchen engstirniger Fanatiker. Diese Leute können - wie wir alle - denken was sie wollen. Sie dürfen es auch laut sagen. Und wenn jemand seine Meinung öffentlich macht, riskiert er/sie eben auch, daß diese Meinung nicht von allen mit Beifall bedacht wird. "gewisse Gruppen"... klingt nach ein wenig Paranoia...
4. katholisch = böse?
hoppersen 09.10.2007
...engstirnige Fanatiker klingt auch nach Paranoia ;o) Ich begrüße es, wenn polarisierende Persönlichkeiten Diskussionen anstossen, die ein bißchen neben dem Mainstream liegen. Warum sich nicht ganz offen mal die Frage stellen (lassen), ob etwas weniger Spaßgesellschaft und etwas mehr Wertegesellschaft (uns) ganz gut täte?
5. Frau H. zu Gast bei Radio Marija?
chrome_koran 09.10.2007
Da fällt mir ein nicht ganz ernst gemeintes, doch nicht unmögliches Dillemma: Frau Herman wäre doch ein idealer Gast für den Mastermind des ultrakonservativen Radio Marija, Pater Rydzyk. Derweil gilt der polnische Star-Katholik aber als extremer Nationalist und hierbei besonders deutschfeindlich. Preisfrage: Wird Herr Rydzyk Frau Herman einladen?
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