Eva Hermans Weiblichkeit Heimelig Kerzen platzieren und Apfelkuchen backen

Kurz vor Erscheinen ihres Buches erklärt Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman in einem Interview ihre Sicht der Welt: Frauen kommt ein Platz im Haus zu, Männer haben zu arbeiten. Frauen haben jung Kinder zu kriegen, dann erst kommt die Karriere. Und noch was: Sie sollten öfter mal den Mund halten.


Hamburg - Wenige Tage vor Erscheinen ihres Buches "Das Eva Prinzip" hat Eva Herman, 47, Weiblichkeit als "Kinder, Familie und ein harmonisches Heim" definiert. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" breitet sie ihre Ansichten über die "zugedachten Rollen" für Männer und Frauen aus.

Herman fordert ihre Geschlechtsgenossinnen auf, darüber nachzudenken, ob sie wirklich ein "erfülltes und glückliches Leben" führten. Wie eine Bußpredigerin verkündet sie: "Notfalls ist mit einem Umdenken auch Verzicht verbunden. Verzicht auf materielle Erleichterungen, die jedoch durch persönliches Glück mehr als aufgewogen werden können."

Auf den Vorwurf, sie selbst habe nicht nach dem Rollenmuster gelebt, das sie von anderen Frauen einfordere, kontert sie: "Wer hätte das Buch schreiben können, wenn nicht eine Karrierefrau, die ihre Erfahrungen selbst gesammelt hat." Sie selbst habe das Privileg gehabt, "lange ein zuverlässiges Kindermädchen" gehabt zu haben, "auf das ich mich hundertprozentig verlassen konnte".

Herman geriert sich als kompetente Ratgeberin. Der ideale Zeitpunkt für eine Frau, um Mutter zu werden sei zwischen 20 und 30 Jahren - "also viel früher, als es heute meist passiert", sagt die 47-Jährige, die einen achtjährigen Sohn hat. Zeit für Karriere sei dann immer noch, "wenn die Kinder aus dem Haus sind". Sie selbst "wäre bestimmt früher Mutter geworden und hätte mich erst danach um den Job gekümmert, wenn ich mich früher mit der Lebensplanung bewusst beschäftigt hätte".

Damit ihre Vorstellung von Karriereplanung - Frauen erst nach 40 in den Beruf - praktisch funktioniert, räumt Herman ein, müsse sich natürlich alles ändern. "Es muss umgedacht werden, an allen Stellen, in der Politik, Wirtschaft, Industrie und jeder für sich." Sie spricht wie eine Politikerin: "Es kann nicht sein, dass Menschen heute mit 50 Jahren zum alten Eisen gehören und ausgemustert werden." Müntefering und Co. lassen grüßen.

Dann bricht Herman eine Lanze für Männer. Beispiel: "Der Mann lädt die Frau in ein Restaurant ein. Die sagt: Ist ja ganz schön, aber warum gehen wir nicht in einer anderes Restaurant? Klar, dass der Mann da enttäuscht ist." Es folgt ein Ausbund von Selbstdisziplinierung: "Ich finde, wir Frauen sollten öfter einfach mal den Mund halten. Warum müssen wir immer alles mitbestimmen?"

Die Begründung folgt auf dem Fuß: Der Feminismus sei schuld. Alice Schwarzer habe den Frauen "eingetrichtert": "Ihr könnt alles, ihr dürft alles, ihr könnt genau das Gleiche wie die Männer, es gibt gar keine unterschiedlichen Geschlechter." Schwarzers Thesen erklärt Herman für "gescheitert".

Der Leser erfährt weiter, dass Männer keine Lust für Hausarbeit hätten und auch keine "besondere Veranlagung". Sollten Frauen von Männern trotzdem Hausarbeit einfordern, verunsichere man sie, was zu psychischen Problemen führen könne. Herman hat die passende Statistik parat: "Es gibt in Deutschland übrigens nur fünf bis sieben Prozent Hausmänner. Und in 98 Prozent dieser Fälle gehen die Ehen kaputt." Sie selbst lebt in vierter Ehe in Hamburg.

Für Frauen dagegen sei der einzig wahre Platz zu Hause. "Denn eine Frau ist viel eher in der Lage, das Haus heimelig zu machen, schöne Kerzen zu platzieren, Blumen aufzustellen und Apfelkuchen zu backen." Ihr Plan, wenn sie noch einmal jung wäre: "Ich würde mir einen Mann suchen, ihn arbeiten lassen und mich um unsere fünf Kinder kümmern."

asc



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