Enthüllungsautor Ex-Mitarbeiter wirft Wallraff Sozialbetrug vor

Günter Wallraff droht Ärger mit der Zollfahndung. Ein ehemaliger Mitarbeiter beschuldigt den Enthüllungsjournalisten, ihn über Jahre schwarz beschäftigt zu haben. So habe der Privatsekretär zusätzlich Hartz IV kassiert. Wallraffs Anwalt weist die Vorwürfe zurück.

Wallraff: "Gelegentliche Hilfen"
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Wallraff: "Gelegentliche Hilfen"


Hamburg - Der Kölner Journalist und Buchautor Günter Wallraff muss sich gegen den Vorwurf des Sozialbetrugs und womöglich auch der Steuerhinterziehung wehren. Ein ehemaliger Mitarbeiter Wallraffs, der zeitweise als eine Art Privatsekretär tätig war, wirft ihm vor, der Schriftsteller habe ihn über Jahre hinweg illegal beschäftigt, ohne die Tätigkeit dem Finanzamt oder der Arbeitsagentur anzuzeigen. Sein monatliches Gehalt, anfangs 1000 Euro, sei von Wallraff bar und ohne Beleg ausbezahlt worden. Er habe längere Zeit zusätzlich von Hartz IV gelebt.

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Der Mann, den Wallraff über Recherchen in Callcentern kennengelernt hatte, lebte zudem jahrelang in einer von Wallraffs Wohnungen. Am 10. Juli erstattete er Selbstanzeige beim Finanzamt Köln-Nord. Wallraff muss nun mit Ermittlungen der Zollfahndung rechnen, sein ehemaliger Mitarbeiter wird wohl mehrere zehntausend Euro zurückzahlen müssen.

Wallraffs Anwalt Winfried Seibert sagte, die Zahlungen seien ausschließlich auf Verlangen des Mitarbeiters bar und ohne Quittung erfolgt. Der Mann habe Wallraff lediglich durch "gelegentliche Hilfen" unterstützt. Wallraff habe ihm angeboten, das Arbeitsverhältnis bei den Ämtern in eine feste Beschäftigung zu überführen.

In einer Stellungnahme teilte Wallraff am Sonntag mit, der Mitarbeiter habe das Geld bar haben wollen, da es ihm sonst gepfändet worden wäre. Er habe dem Mitarbeiter unter Zeugen mehrmals angeboten, eine Lebensversicherung für seine Altersvorsorge abzuschließen, ihm eine zusätzliche Ausbildung zu finanzieren und ihn auch testamentarisch zu berücksichtigen, so wie dies bereits bei früheren Mitarbeitern geschehen sei. Dies habe der Mann jedoch abgelehnt, "da er möglicherweise damals schon vorhatte, mich in der Öffentlichkeit zu diskreditieren".

Mehr Informationen zu Wallraffs Streit mit seinem früheren Mitarbeiter finden Sie im neuen SPIEGEL ab Montag am Kiosk und in der digitalen Ausgabe.

cte/dpa



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