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Steuerhinterziehung: Journalist Theo Sommer zu Bewährungsstrafe verurteilt

Theo Sommer vor der Gerichtsverhandlung: "Dunkler Schatten fällt auf ein unbescholtenes Leben" Zur Großansicht
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Theo Sommer vor der Gerichtsverhandlung: "Dunkler Schatten fällt auf ein unbescholtenes Leben"

"Ich weiß, was ich getan habe": Der frühere Chefredakteur und heutige "Editor-at-Large" der Wochenzeitung "Die Zeit" hat Steuern im sechsstelligen Euro-Bereich nicht bezahlt. Dafür hat ein Hamburger Gericht Theo Sommer nun zur Verantwortung gezogen.

Hamburg - Der frühere "Zeit"-Herausgeber Theo Sommer ist wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss er eine Geldbuße von 20.000 Euro zahlen. Das entschied das Hamburger Amtsgericht am Mittwoch.

Laut Anklage hat der 83-Jährige zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649.000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit fällig geworden wären. Der Publizist bezeichnete die Strafe als "schmerzlich, aber angemessen". Der Richter hielt Sommer zugute, den Schaden bereits wieder gutgemacht zu haben.

Deshalb blieb das Gericht im Strafmaß knapp unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Sommers Verteidiger hatte sich am Mittwoch vor dem Hamburger Amtsgericht mit diesem Strafrahmen einverstanden erklärt und räumte ein, dass es um vorsätzliche Steuerhinterziehung gehe. Sommer sagte: "Ich weiß, was ich getan habe."

Theo Sommer war als Chefredakteur (von 1973 bis 1992) der Wochenzeitung "Die Zeit" einer der renommiertesten Journalisten des Landes. Bis 2000 war er gemeinsam mit Helmut Schmidt und Marion Gräfin Dönhoff auch Herausgeber des Blattes. Bis heute steht er als Autor und "Editor-at-Large" im Impressum der "Zeit".

Gegenüber dem "Hamburger Abendblatt hatte Sommer zugegeben, "aus Schusseligkeit oder Schlamperei" über mehrere Jahre versäumt zu haben, die Einnahmen anzugeben. "Ich habe mich immer in erster Linie um meine Arbeit gekümmert, nicht um meine Finanzen", so Sommer. In den betreffenden Jahren habe er fünf Bücher geschrieben: "Deren Abfassung hat mich bis spät in die Nacht beschäftigt." Er bereue seine Torheit, sagte er dem "Abendblatt"; er habe inzwischen die gesamte Steuerschuld abgetragen, "und zwar unter Inkaufnahme großer Opfer für meine Altersversorgung und die meiner Frau".

Auch vor dem Amtsgericht prägten Worte wie "bedauern", "bereuen" und "töricht" seine Erklärungen. "Ein dunkler Schatten fällt auf fast acht Jahrzehnte eines unbescholtenen Lebens", ergänzte der Angeklagte. Nach Einschätzung des Richters hat die Verhandlung keine hundertprozentige Aufklärung darunter gebracht, warum Sommer den Schlendrian walten ließ.

feb/dpa

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Theo Sommer - Steuerhinterziehung
oldgatti 22.01.2014
Wie kann denn Herr Sommer behaupten, dass er "unter Inkaufnahme großer Opfer..." seine Steuerschuld zwischenzeitlich bezahlt habe? Diese gezahlte Summe stand ihm doch gar nicht zu, so dass eine Herausgabe unberechtigtem Besitzes doch kein Opfer sein kann. Eine eigenartige Beurteilung eines ehemaligen Herausgebers einer bedeutenden Zeitschrift.
2. tja, ähm...Schlamperei
jetzt:hördochauf 22.01.2014
Man hat schon seine Mühe die Zettelwirtschaft im Griff zu haben... ist das schon bezahlt ? Gott wo ist der Beleg... So denke ich kann man ggf. 50 bis meinetwegen 1000 Euro daneben liegen (Was nicht bedeutet das das gleich 1000€ Steuern sind) ... aber jedes Jahr >100.000,- vertrödeln? Das kann ggf. Bill Gates erklären - den meisten anderen fällt doch sowas auf!?
3. Schlendrian?
derlabbecker 22.01.2014
Zitat von sysopDPA"Ich weiß, was ich getan habe": Der frühere Chefredakteur und heutige "Editor-at-large" der Wochenzeitung "Die Zeit" hat Steuern im sechsstelligen Euro-Bereich nicht bezahlt. Dafür hat ein Hamburger Gericht Theo Sommer nun zur Verantwortung gezogen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ex-zeit-chef-theo-sommer-wegen-steuerhinterziehung-verurteilt-a-944935.html
Der hat es einfach drauf ankommen lassen. Wäre es gut gegangen hätte er 700000 mehr in der Kasse, so hat er die nicht und noch einiges draufgelegt (Zinsen auf die Steuerschuld + Strafe). Ganz einfach. Wenn ich Einnahmen habe weis ich, dass ich die in D versteuern muss. Er hätte, wenn er sich selbst nicht kümmern konnte oder wollte, einfach einen Steuerberater beauftragen können, der das alles für ihn tut. Ich finde er redet sich etwas billig heraus...
4. Der arme Kerl...
mim 22.01.2014
Hat doch glatt "unter Inkaufnahme großer Opfer" für seine Altersversorgung und die seiner Frau" seine Steuerschuld beglichen. Ich begleiche übrigens auch unter Inkaufnahme großer Opfer für meinen Lebensstil meine Steuerschuld.
5. Noch mal Glück gehabt
JaguarCat 22.01.2014
dass weniger als 1 Mio. Euro an Steuern hinterzogen worden waren, denn dann wäre wohl "Kaffee Viereck" angesagt gewesen. Und erstaunlich, wie viel Geld allein aus der "Nebentätigkeit" eines der Großen der Medienbranche zustande kommt ;-) Jag
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