Exorzismus bei Kerner Der mit dem Teufel spricht

Beelzebub-Alarm bei Johannes B. Kerner: Der ZDF-Moderator hatte teuflischen Besuch. Don Gabriele Nanni, der oberste Exorzist des Vatikans, gab sich die Ehre.

Von Cornelis Hähnel


Eine etwas fragwürdige Überleitung hatte Johannes B. Kerner da für die Vorstellungsrunde seiner Gäste gefunden: Er begrüßte den Papst-Experten Andreas Englisch und den Exorzisten Don Gabriele Nanni, ging dann über zu der "für ihre Rolle in Nonnenkluft bekannte" Schauspielerin Jutta Speidel, um dann den assoziativen Schlenker beim "Teufelskreis Magersucht" von Laura Janson enden zu lassen. Diese war auch gleich die erste Gesprächspartnerin.

Oberexorzist und Kerner-Gast Nanni: Klare Indizien für Bessessenheit
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Oberexorzist und Kerner-Gast Nanni: Klare Indizien für Bessessenheit

Laura Janson, Tochter von Schauspieler Horst Janson, war zusammen mit ihrer Mutter gekommen um offensiv über ihre Essstörung zu sprechen. Die 20-Jährige konnte, nachdem ihre Familie durch Fehlinvestitionen auf dem Immobilienmarkt in finanzielle Probleme geraten war, keine Nahrung mehr zu sich nehmen und hungerte sich so auf 44 Kilo runter. Die Angst vor Schulden hatte bei ihr diese psychische Störung ausgelöst. Zwar hat sie mittlerweile zehn Kilo zugenommen, aber dennoch sieht sich Janson selbst noch nicht als komplett geheilt an. Ein aufmunternder Applaus für das dünne Mädchen, das gern dicker wäre, folgte.

Attacke gegen das Böse

Dann lud Kerner zur Audienz beim klerikalen Dreigestirn Englisch-Nanni-Speidel. Englisch, der seit 20 Jahren in Rom lebt und über zehn Jahre den (jeweiligen) Papst auf seinen Reisen begleitete, eröffnete die Runde und berichtete von seiner Faszination für die Exorzisten: Diese 150 bis 200 Personen seien die "offensive Abteilung der Kirche. Sie greifen an, sie attackieren das Böse!" Er selbst habe 2001 einen Exorzismus selbst miterlebt, den Papst Johannes Paul II an einer Frau in einer kleinen Kapelle am Petersplatz durchgeführt habe. "Die Frau war danach geheilt."

Während er aufgeregt und im enormen Tempo die üblichen Vorbehalte vor Mittelalterriten, Hokus Pokus bis zu "alles großer Fake" aufzählte, blickte Nanni nachdenklich drein, und Frau Speidel kicherte irritiert. Sie kenne zwar Fälle, in denen sich Menschen innerhalb von Sekunden komplett verändern, aber soweit, es Besessenheit zu nennen, würde sie nicht gehen. Es war der Talk der belächelnden Skepsis, der spätestens zu diesem Zeitpunkt einsetzte.

Don Gabriele Nanni erklärte, wie er Exorzist wurde. Wie er, nachdem er einer Dämonenaustreibung bei einer Dame aus seiner Gemeinde beigewohnt hatte, sich selbst damit befasst hatte. Ansehen könne man Besessenheit niemanden, aber es gebe ganz klare Indizien, wie das Sprechen in seltsamen Sprachen und das Zurückschrecken vor heiligen Symbolen. Also all das, was der Zuschauer schon als Klischee vermutet hatte. Einzig Nanni mit seiner unbeweglichen Miene mochte nicht in das gängige Bild eines hysterischen, generalverdächtigenden Exorzisten passen. Dabei hatte man sich ihn schon dabei vorgestellt, wie er mit seiner eher edukativ orientierten RTL-Namensvetterin, der Super-Nanny, Groß und Klein die Flausen aus dem Kopf treiben würde.

Lebendige Tiere erbrechen

Routiniert wiederholte Nanni seine gut überlegten Aussagen, man merkte ihm ab, wie sehr er an skeptische Reaktionen gewöhnt ist. Gebetsmühlenhaft verwies er auf den vor einem Exorzismus absolut notwendigen Ausschluss einer psychischen Störung, die gründliche Prüfung der Indizien, die langen Gespräche und die Berücksichtigung der Lebensumstände.

Englisch hingegen versuchte, mit effektvollem Hintergrundwissen zu beeindrucken: von Menschen, die lebendige Tiere erbrechen, die der Dämon im Magen des Besessenen materialisiert habe und von Gegenständen, die durch den Raum flögen. Letzteres habe er sogar gesehen. Wieder konnte Speidel sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Insgesamt hielt man sich neugierig-distanziert zurück, was den Effekt hatte, dass dem Exorzismus eine Beinahe-Legitimation ob des tiefen Glaubens erteilt wurde. "Sonst würde die katholische Kirche so etwas ja nicht machen", sagte Kerner.



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