F. Holland Day Ein Dandy in Arkadien

"Mystische Fotografie von poetischer Schönheit: Erstmals ist in Deutschland eine Retrospektive des Symbolisten Fred Holland Day zu sehen, der um 1900 zu den bekanntesten Fotografen Amerikas gehörte.

Von Sven Siedenberg


Die mystische Welt des F. Holland Day: "Youth In Winged Hat" (1907)

Die mystische Welt des F. Holland Day: "Youth In Winged Hat" (1907)

Es gibt auch nackte Frauen im Oeuvre von Fred Holland Day. Zum Beispiel jene Mutter, die auf grüner Wiese mit neckisch entblößter Brust ihr Kind stillt. Zumeist aber bevorzugt der Fotograf, der sich selbst gerne als Dandy stilisierte, nackte Jünglinge. Mal recken sie den gestählten Körper auf einem Leopardenfell wie eine fleischgewordene Trophäe, dann wieder posieren sie in zerklüfteter Felsenlandschaft mit feurig-exotischen Blicken. Ein bukolisches Glück beschwören all diese Aktaufnahmen, einen Zustand des Rausches und der Träume - jenseits vom Lärm und Schmutz einer zunehmend industrialisierten Welt.

"Nude Youth With Lyre" (1907)

"Nude Youth With Lyre" (1907)

Fred Holland Day (1864-1933), dem die Villa Stuck in München bis Ende September die erste Retrospektive in Deutschland widmet, war eine der schillerndsten Erscheinungen der amerikanischen Fotografie im Fin de Siècle. Er gilt als Vertreter des Piktorialismus: Plötzlich wollte die Fotografie nicht mehr Fotografie sein, sondern ahmte die Malerei nach. Schärfe wurde in Unschärfe verwandelt, und die Komposition war meist wichtiger als das Thema.

"Hypnos" (1896/97)

"Hypnos" (1896/97)

Zudem schwelgten die Kunstfotografen in aufwendigen Druckverfahren und grobkörnigen Papieren. Auch Holland Day versuchte über Edeldruckverfahren, Tönungen oder Handkolorierungen eine malerische und mystische Fotografie von poetischer Schönheit herzustellen. Weshalb er im Stile der lebenden Bilder für seine Fotos auch Gemälde von Künstlern wie Hans Holbein dem Jüngeren oder Dante Gabriel Rossetti nachstellte.

"Ebony" (1897)

"Ebony" (1897)

Immer wieder machte er Porträts. Er fotografierte zahlreiche Künstler-Freunde, steckte Halbwüchsige in Matrosenanzüge oder ließ Schwarze an Mohnblumen schnüffeln. Besonders faszinierte ihn auch das Sterben Christi. 1898, nach einem Besuch der Passionsspiele in Oberammergau, entwickelte er eine Reihe von mehr als 200 Aufnahmen zum Kreuzigungs-Thema, für einige Aufnahmen warf er sich sogar selbst in eine verklärte Leidenspose. Diese so genannten "Sacred Studies" riefen bei seinen Zeitgenossen freilich gemischte Gefühle hervor: Die einen feierten die Fotos als Ausdruck künstlerischen Fortschritts, andere fanden Hollands Werk einfach nur blasphemisch.

"F. Holland Day - Fotografie des Symbolismus": Villa Stuck, München, bis 30. September 2001



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