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"FAZ"-Herausgeber: Schirrmacher wehrt sich gegen Scientology-Vorwürfe

Seit seiner Laudatio auf den Schauspieler und prominenten Scientologen Tom Cruise steht "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher in der Kritik. Gegenüber dem SPIEGEL distanziert er sich jetzt deutlich von der umstrittenen Sekte.

Hamburg/Frankfurt a. M. -"FAZ"-Mitherausgeber Frank Schirrmacher hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, er werde vom US-Schauspieler und Scientologen Tom Cruise instrumentalisiert. Wenn Cruise Stauffenberg spiele, sei das ein Ereignis. "Doch er macht in Verbindung mit dem Film 'Walküre' keine Sektenpropaganda. Daher ist es unangemessen, seine schauspielerische Leistung nach religiösen Vorlieben zu beurteilen", sagte Schirrmacher gegenüber dem SPIEGEL.

Frank Schirrmacher: Will mit Scientology nichts zu tun haben
MARCO-URBAN.DE

Frank Schirrmacher: Will mit Scientology nichts zu tun haben

Schirrmacher kritisierte zugleich Cruise-Biograf Andrew Morton. "Die Vorstellung, dass dieser Film das Auftragswerk einer Sekte ist, ist abenteuerlich. Es gibt dafür keinen einzigen Beleg. Genau wie die Behauptung, dass die Cruise-Frau Katie Holmes ein Kind hat, das mit dem eingefrorenen Sperma Ron Hubbards gezeugt wurde. Die eigentliche Leistung des Buches hätte darin bestanden, solche Vorwürfe zu belegen. Es ist schade, dass dies nicht geschehen ist. Wir warten doch alle auf Beweise in dieser Sache."

Über Scientology sagte Schirrmacher, die Sekte sei "erkennbar purer Obskurantismus. Vielleicht ist es eine Hollywood-Religion, jedenfalls mag ich diese Organisation nicht".

Schirrmacher war massiv in die Kritik geraten, als er bei der Verleihung der von Burda gestifteten Bambi-Medienpreise Ende November die Laudatio für Tom Cruise hielt, der für "Tapferkeit" ausgezeichnet wurde. In seiner Rede hatte Schirrmacher Cruise attestiert: "Durch seine Entscheidung, Graf Stauffenberg sein Gesicht zu leihen, wird Tom Cruise das Bild, das die Welt sich von uns Deutschen macht, verändern." Tom Cruise hatte sich nach der Übergabe der Trophäe mit dem Stauffenberg-Zitat "Es lebe das heilige Deutschland" bedankt.

Das Thema Cruise und Scientology schlägt derzeit wieder Wellen, weil zum einen eine umstrittene Biographie über den Schauspieler erschienen ist, zum anderen diese Woche im Web ein bizarres Scientology-Werbevideo auftauchte, das Cruise als "irren Heils-Prediger" ("Stern") zeigt. Beide Anlässe lassen auch die Diskussion um Schirrmachers Laudatio für Cruise wieder aufleben.

Am Freitag hatte Christian Schlüter in der "Frankfurter Rundschau" implizit - und etwas gewagt - noch einmal Schirrmachers Motive für die Laudatio in Frage gestellt: "Bleibt also die überaus dringliche Frage, wie erfolgreich Scientology in Deutschland bereits missionieren konnte."

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