Fragwürdige Berichterstattung Helmut Markwort schrieb über seinen FC Bayern

Helmut Markwort stand unter Verdacht, als Moritz Rodach Berichte über den FC Bayern geschrieben zu haben - obwohl er dort im Aufsichtsrat sitzt. Nun gab der "Focus"-Herausgeber sogar zu, noch viel mehr unter falschem Namen zu schreiben.

Spaß an der gespaltenen Identität: "Focus"-Herausgeber Markwort
DPA

Spaß an der gespaltenen Identität: "Focus"-Herausgeber Markwort


Bisher war es nur ein begründeter Verdacht, jetzt gibt es ein süffisantes Geständnis: Helmut Markwort hat unter Pseudonym bei focus.de über den FC Bayern berichtet - obwohl er dem Verein als Mitglied des Aufsichtsrats kaum objektiv begegnen können dürfte.

In einem Interview mit der Journalisten-Verbandszeitschrift "BJV report", das am 22. Oktober erscheinen soll und SPIEGEL ONLINE vorliegt, macht der "Focus"-Herausgeber keinen Hehl daraus, unter dem Namen Moritz Rodach mehrere Berichte über den Münchener Bundesligisten abgesetzt zu haben. Zuerst hattezeit.de über Markworts Undercover-Bayerntexte kritisch berichtet. Auf den Interessenkonflikt zwischen seinen Aufgaben als unabhängiger Berichterstatter und Mitglied des Aufsichtsrats des Vereins geht Markwort in dem Interview nur am Rande ein - diese Angelegenheit sei seine "subjektive Schwachstelle". Einen Grund zur Reue sieht er nicht: "In meinem langen Journalistenleben sind das wirklich nur Peanuts."

Dennoch erfährt man aus dem Gespräch mehr über Markworts Arbeitsweise, als bisher bekannt war. So habe er, gesteht der Medienmann freimütig zu, nicht nur diesen einen, sondern "fünf oder sechs" Zweitnamen, unter denen er auch heute noch publiziere - vor allem in der kostenlosen Wochenzeitung "Darmstädter Tagblatt". Auch hier ist Markwort einer der Herausgeber.

Texte nicht mit dem Eigennamen belasten

Vor allem leichte Stücke schreibe er nicht unter seinem wahren Namen, berichtet Markwort: Denn der habe "ein politisches Gewicht, dieser Markwort. Wenn ich eine lokale Glosse schreibe oder ein leichtes Operettenstück, dann will ich das nicht mit meinem Eigennamen belasten."

Helmut Markworts Drang, sich unter vielen Namen zu verbreiten, besteht nach seinen Worten schon sehr lange. Anfang der Sechzigerjahre, als Leiter des Düsseldorfer "Stern"-Büros, dem er vertragsgemäß exklusiv verpflichtet war, brachte er nicht alles im Blatt unter, was ihm so aus der Feder floss - also schrieb er unter anderen Namen auch für den "Kölner Stadtanzeiger" und die "Welt am Sonntag". Später, als Chefredakteur der TV-Zeitschrift "Gong" (und von Radio Gong, einem Münchner Privatsender) erfand er Moritz Rodach, um unter dieser Identität ein Spiel des FC Bayern im Radio zu kommentieren und so der Gefahr zu entgehen, seinen Ruf zu beschmutzen - Markwort hatte keinerlei Erfahrung als Fußballkommentator.

Was sich Markwort selbst erlaubt, gesteht er anderen allerdings nicht zu: Pseudonyme im Internet lehnt er ab. Wer unter falschem oder Spitznamen Texte kommentiere, habe "mit Journalismus überhaupt nichts zu tun".

kuz

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
someoneunreal 08.10.2014
1. Bild und Text
danke, SPON - für die passende Bildauswahl. es soll keine Häme sein oder beleidigend wirken, aber bei diesem Bild könnt man gut schon mal ausholen um reinzutreten. liest man dann auch noch über diesen wohlgenährten bayerischen Herren, dann fügt sich dies zu einem ganzen zusammen und es kann einem nur schlecht werden. eine frage der zeit bis sein Käseblatt mit gesundheitsprofil den nach runter geht. laut ivw kann's ja nicht ner lang dauern :-)
rolli 08.10.2014
2. dieser Mann
steht in einer langen Reihe von Zerstärern der Glaubwürdigkeit der Eliten. Nich tnur in seiner billigen Grosskotzigkeit, sondern in der Glaubwürdigkeitslücke, die den Menschen im Land immer mehr Unbehagen bringt. Er zündelt mit seiner süffisant schnoddtigen Aert an den Grundvereinbarungen unserer Demokratie. rolli
robert.c.jesse 08.10.2014
3. Ein echter Sympathienträger ... Oder?
Der FOCUS ist wie sein Herausgeber. Überschriften und Bilder aber der Artikel darunter ist "leere Flasche". Habe dieses Blatt nur zweimal in der Hand gehabt. Bei seinem Erscheinen und dann nochmals um sicher zu gehen, mein erster Eindruck war richtig. Das er das "Peanuts" Wort für sein falsches Spiel verwendet, stempelt sich selbst zu Großkopf mit eben "leerer Flasche" als Hirn. Selbsgefälliger Wichtelmann mit tiefen Minderwertigkeitskomplexen. Wahrscheinlich in der Hose...
Katzebextra 08.10.2014
4. Da betreibt der
Schmierfink unter verschiedenen Pseudonymen und mit seinem unbestrittenen Einfluss und seinen Beziehungen nebenbei Meinungsmache. Die Begründung: "Wenn ich eine lokale Glosse schreibe oder ein leichtes Operettenstück, dann will ich das nicht mit meinem Eigennamen belasten." ist lächerlich. Was er damit tatsächlich vermeiden will ist, dass man seine Ergüsse nicht sofort in die richtige Ecke verortet. Wie er sich gesellschaftlich und sozial positioniert, kann man am besten in seiner Stammtischsendung im BR erleben. Alles was der CSU schaden könnte wird abwürgt, CSU-Regierungsmitglieder hofiert. Seinem Stammgast, dem politischen Karikaturist Dieter Hanitzsch gibt er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu verstehen: "Du stehst leider auf der falschen Seite, dein Gerechtigkeitssinn ist Gefühlsduselei, wir bestimmen den Lauf der Welt, du und Deinesgleichen können uns gar nichts, wir bestimmen den Lauf der Welt." Ich hätte ihm in der Sendung bestimmt schon mal eine kräftige Watschen verpasst. Ein selbstgefälliges Ar..... das unsere Gesellschaft nicht verdient hat.
xvxxx 08.10.2014
5.
Zitat von rollisteht in einer langen Reihe von Zerstärern der Glaubwürdigkeit der Eliten. Nich tnur in seiner billigen Grosskotzigkeit, sondern in der Glaubwürdigkeitslücke, die den Menschen im Land immer mehr Unbehagen bringt. Er zündelt mit seiner süffisant schnoddtigen Aert an den Grundvereinbarungen unserer Demokratie. rolli
Besser kann man es nicht sagen. Ich denk dass genau dieses immer weiter verbreitete Verhalten "Ich kanns, ich wills, ich machs , und BEI MIR ist da auch nix dabei" genau das Ende unserer Demokratie bedeuten, nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber im Endeffekt bestimmt. Selbsternannte Eliten machen was sie wollen und der Plebs dient als "Stimmvieh" das beliebig manipuliert werden darf. Wenn man die Geschichte studiert, und ich meine nicht den üblichen Bezug zur neueren Geschichte, dann sind die Parallelen zu vergangenen Ereignissen in den letzten 2000 Jahren nicht zu übersehen und die Konsequenzen liegen klar auf der Hand.
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