"Zenith"-Fotopreis 2013: Die Kunst, ein Kopftuch zu tragen

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Feriel Bendjama: Sinnsuche zwischen Offenbach und Algier Fotos
Feriel Bendjama

Muslime in Deutschland: Wie sehen ihre Lebenswelten aus - und wie lassen sie sich im Foto festhalten? Feriel Bendjama hat es vorgemacht. Sie gehört zu den Gewinnerinnen des "Zenith"-Fotopreises. Jetzt geht der Wettbewerb in die nächste Runde.

Unangenehm ist das. Fremde Menschen zu fotografieren. Feriel Bendjama fühlt sich dabei immer etwas unwohl, gehemmt. Deshalb setzt sie sich selbst in Szene, arbeitet mit Make-up, mit Kostümen, Gesichtsausdrücken, nimmt ihren Sohn mit vor die Kamera. Bendjama ist 33 Jahre alt, Fotografin, Künstlerin und wohnt in Berlin. Bis sie die Hauptstadt als Heimatstadt gefunden hat, ist viel Zeit vergangen.

Bendjama wuchs in einem kleinen Dorf in Algerien bei ihrer Großmutter auf. Aber auch in Offenbach in Deutschland. Hin und her wechselte sie. Zwischen Abenteuer und Ordnung. Algerien, das Land ihres Vaters, ihrer Großmutter. Algerien, das Land der Gerüche, Gewürze, der interessanten Geräusche. Und Deutschland, das Land ihrer Mutter, der schönen Sprache, der Verlässlichkeit und der vielen verschiedenen Brotsorten.

Viele Jahre reiste sie nach der Schulzeit umher. Zeiten des Nomadentums. Nach Ägypten, Tunesien und immer wieder zurück in ihre Kindheit - nach Algerien. "Ich wollte aus Offenbach fliehen", sagt sie. Bendjama suchte ihren Platz im Leben, ihr Glück, einen Sinn, eine Aufgabe. Vor allem aber suchte sie nach ihrer Identität als Algerierin.

Ein Handtuch als Kopftuch

Wie muslimische Frauen gesehen werden - das hat sie in ihrer Fotoserie "We, they and I" verarbeitet. Drei verschiedene Sichtweisen auf die islamische Kopfbedeckung beschreibt sie damit. Einmal, wie Muslime das Tuch am liebsten auf den Köpfen sehen würden, einmal den Klischeeblick von Nicht-Muslimen und einmal eine Perspektive, die von gängigen Kopftuch-Klischees abweicht. "Ich wünsche mir, dass die Medien Kopftuch tragende Frauen bunter und vielfältiger darstellen", sagt sie. Ich wünsche mir mehr Toleranz, mehr Vielfalt. Mit ihrer Serie belegte sie 2012 den dritten Platz des Fotopreises der Zeitschrift "Zenith". Nun können sich Fotografen wieder dafür bewerben und sechs bis zwölf Bilder zum Thema "Muslime in Deutschland" einreichen.

Mit zwölf Jahren begann Bendjama, zu fotografieren. Ihre Geschwister hat sie damals geschminkt und verkleidet und Bettlaken an Zimmerwände genagelt, damit sich die Hintergründe abwechselten. Als Kind setzte sie sich zusammen gewickelte Handtücher auf und stellte sich vor, wie es ist eine muslimische Frau zu sein, die ein Kopftuch trägt.

Reflektieren über Deutschland

Feriel Bendjama spielt mit ihrer Herkunft, einem Leben zwischen zwei Welten. Sie ist islamisch verheiratet und steht dem Islam näher als dem Christentum.

Religion, das ist für sie eine Öffnung zum Spirituellen, zum Frieden, zur Liebe und zum Optimismus. Wer ausgezeichnet wird, bekäme mehr Anerkennung, sagt Bendjama. Aufträge hat sie durch ihn bekommen. Aber ernüchtert, hat er sie auch. "Irgendwann war es nicht mehr meine Fotoserie, sondern sie gehörte anderen Menschen", sagt sie. Auf einen Schlag wurde von ihr erwartet, sich zum Kopftuch zu positionieren. Ob sie dafür oder dagegen sei, wurde sie gefragt. Doch Bendjama wollte lediglich reflektieren, was sie jeden Tag in Deutschland sah und erlebte.

Sie beobachtet, nimmt Kleinigkeiten wahr, erkennt Missstände, macht darauf aufmerksam. Darin hat sie ihren Sinn im Leben, ihr Glück gefunden.


"Zenith"-Fotopreis 2013: Bis zum 30. September können Fotografen und Fotografiebegeisterte sechs bis zwölf Bilder zum Thema "Muslime in Deutschland" einreichen.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Warum?
parsimony 19.06.2013
Und beim Durchklicken der Fotos kann man dann ganz am Ende noch die Fotos sehen, die mit dem ersten Platz des Zenith-Wettbewerbs ausgezeichnet wurden. Warum lesen wir also keinen Artikel über Kai Löffelbein und seine Fotoserie "Fremde Heimat"? Nimmt er einen zu kritischen Standpunkt ein, weist er zu wenig Migrationshintergrund auf, ist er gar am Ende zu wenig weiblich?
2.
alfamo 19.06.2013
Kann mich dem ersten Kommentator nur anschließen, Kai Löffelbeins Bilder finde ich wesentlich interessanter. Wenn es Kunst ist ein Kopftuch zu tragen, ist es auch Kunst wie ich meine Unterhose trage.
3.
alfamo 19.06.2013
Kann mich dem ersten Kommentator nur anschließen, Kai Löffelbeins Bilder finde ich wesentlich interessanter. Wenn es Kunst ist ein Kopftuch zu tragen, ist es auch Kunst wie ich meine Unterhose trage.
4. Wenig Reflexionsvermögen
Hasardeur 20.06.2013
die Herren. Keine Frage: Die Bilder von Herrn Löffelbein sind gut. Aus fotografischer Perspektive. Kontextuell aber eher schwach. Interessant, dass ein Kopftuch gleich soviel negative Reaktionen auslöst, obwohl es doch – was man auch erfährt, wenn man den Artikel AUFMERKSAM liest – eine Art Selbstreflexion und auch eine Art Spiel ist. Ich finde die Symbole, mit denen hier sehr kritisch gespielt wird sehr schön und setzt sich kritisch mit der Religion auseinander. Solche Bilder würden in der islamischen Welt sicher verboten!
5. Reflexion oder Reflexe
parsimony 21.06.2013
Werte Herren? Ich finde die Bilderserie von Bendjama auch kontextuell schwächer. Der Blickwinkel ist doch begrenzt auf kopftuchtragende Frauen, was zudem noch ein Thema ist, dass mehr als beliebig oft strapaziert wurde. Warum sollten diese Bilder, die mir eher stereotyp und artifiziell erscheinen nun mehr Reflexionsvermögen fordern, um sie wertzuschätzen? Mir scheint, hier ist von Spon eher auf Reflexe gesetzt worden. Die Frage von muslimischen Lebenswelten in Deutschland wird zugunsten eines medienwirksamen Aufmachers auf das Thema Kopftuch reduziert, das zudem noch in stereotypen Bildern präsentiert wird. Interessant, dass Sie nur auf das Kopftuch anspringen; damit scheint Spon ja leider doch alles richtig gemacht zu haben. Vielleicht lag mein Fehler auch einfach darin, zu denken, dass es sich um einen Bericht zur aktuellen Preisverleihung handelt. Habe erst jetzt realisiert, dass der Preis schon Anfang 2012 vergeben wurde und das hier nur ein Hinweis auf die Neuauflage ist.
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Zur Person
Feriel Bendjama wurde 1980 in der Nähe von Dresden geboren und ist in Offenbach am Main und in Algerien aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet in Berlin.