Fernsehen 2008 Die Maden-Model-Mogadischu-Show

Reich-Ranickis Eklat war der Höhepunkt des Fernsehjahrs - aber wer wie der zornige alte Mann unter TV nur Trash versteht, hat nicht richtig hingesehen. Das Beste und Schlimmste, was Deutschland auf die Glotze kam: Zappen Sie mit uns zurück!

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Auf einmal wurde 2008 allerorten über die Qualität des deutschen Fernsehens debattiert. Was war passiert? Ein Literaturkritiker hatte bei einer Fernsehpreisverleihung das Medium in Bausch und Bogen verdammt und die Auszeichnung verweigert. Alle Welt teilte auf einmal die Empörung des Kritikers, und besonders die Leute vom Fernsehen selbst ereiferten sich recht forsch über jenes Unterhaltungs- und Informationswesen, das sie doch selber zu verantworten haben.

Dem erzürnten Herrn wurde gar ein eigener Programmplatz eingeräumt, wo er mit einem beliebten Spielshow-Moderator über die Unkultur des Fernsehens plauderte und Verbesserungsvorschläge einreichte. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie schnell sämtliche spontanen sperrigen Äußerungen in der gigantischen Erregungsökonomie des deutschen Fernsehens aufgehen.

Schlimmer und schöner

Nach dem vom ZDF arrangierten Treffen zwischen Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk war der Zuschauer aber eben leider kaum schlauer als vorher. Also: Ist denn nun, wie der Büchermensch monierte, tatsächlich alles "Blödsinn", was im deutschen Fernsehen läuft?

Nö. In Wirklichkeit ist natürlich alles viel schlimmer, als sich das Reich-Ranicki, der ja eigentlich sowieso kaum fernsieht, vorzustellen vermag. Und viel schöner. Denn das deutsche Fernsehen ist nun mal eine hochkomplexe Angelegenheit, ein Ineinanderwirken unterschiedlichster Kräfte. Peinliche Eklats werden so ebenso in Reihe produziert wie präzise Gesellschaftsbilder in Form fiktionaler Filme.

Qualitätsgarantien gibt es allerdings für keinen einzelnen Programmplatz. So wie zum Beispiel ganz unerwartet einer der viel gescholtenen Privatsender mit einer der schlechtesten Schauspielerinnen des Landes den besten Mehrteiler des Jahres produziert (siehe "Die Patin" mit Veronica Ferres), kann sich auch schon mal der versierteste Talkmaster der Öffentlich-Rechtlichen an seinen Gästen verheben (siehe Roger Kusch bei Frank Plasberg).

Aber wer hat schon Zeit, 24 Stunden am Tag fernzusehen? Mit unserem ausführlich kommentierten Rückblick (Bitte klicken Sie auf die Fotostrecke oben!) wollen wir Aufschluss geben über das TV-Jahr 2008. Hier offenbart sich der wahre Glanz und das ganze Elend des deutschen Fernsehens, gespiegelt in 25 Momentaufnahmen. Damit er besser gerüstet in die nächste Debatte geht, darf natürlich auch Reich-Ranicki gerne mitklicken.



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