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Ausstellung über Superreiche: Pelze, Perlen, Pools

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Sie heißen Lawrence Carleton Peabody II oder Seine Durchlaucht Heinrich von und zu Fürstenberg: Die Fotoschau "Fette Beute" zeigt das Leben der Superreichen weltweit. Man pflegt einen feudalen Lebensstil - und zeigt auch gerne, was man hat.

Lamia Maria Abillama hatte das Leben im Libanon satt. Kriege, Elend, Armut. Sie wollte einfach weg. Also flog sie Anfang des Jahrtausends nach Rio de Janeiro, wo ihre brasilianische Großmutter Evelina lebte. Als Abillama die alte Frau sah, war sie schockiert. Sie führte ein Leben in Wohlstand: antike Möbel, feines Porzellan, teure Teppiche, edler Schmuck. Was Abillama aber am meisten irritierte, das war die schwarze Haushälterin, die sich um Evelina kümmerte.

Abillama, Jahrgang 1962, hatte Jura studiert, aber bereits damals in der Fotografie ihre wahre Berufung gefunden. Und als sie auf ihre Großmutter traf, ist ihr klar geworden, diese Welt muss sie festhalten. Sie begab sich zu anderen reichen Frauen in Rio und bat darum, sie fotografieren zu dürfen. Viele von ihnen musste sie anbetteln, sie umschmeicheln, um Zutritt zu ihrem elitären Kreis zu bekommen. Und nur weil sie selbst Enkelin einer Frau aus dieser Gesellschaft war, wurde ihr Einlass gewährt.

Carmen ließ sich fotografieren, genauso wie Maria Alice, Yara und Arilda. Sie alle schienen aus der Zeit gefallen, wollten ihre Jugend durch Schönheitsoperationen festhalten und hatten Haushälterinnen, die sie wie Bodyguards zu bewachen schienen. Abillamas Serie "Ladies of Rio" ist in der Ausstellung "Fette Beute. Reichtum zeigen" zu sehen, die an diesem Donnerstagabend im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) eröffnet wird.

"'Fette Beute' ist kein Zitat, irgendwann war der Name einfach da", sagt die Kuratorin der Ausstellung, Esther Ruelfs. Vor mehr als zwei Jahren kam ihr die Idee zu der Ausstellung. Im Sommer 2012 wurde viel über die Fotos der "Rich Kids of Instagram" berichtet. Dort zeigen sich die reichen Kinder reicher Leute, wie sie in privaten Pools schwimmen oder mit Champagnerflaschen Partys feiern. Auf einem Foto hält ein Junge seine Smartphonehülle in die Kamera, auf der "You can't sit with us" steht. Bald gab es die Nachahmer "Rich kids of Beverly Hills" oder "Rich kids of Teheran".

"Ich warte auf jemanden, der mir Geld gibt"

Weiter bekräftigt in ihrer Idee wurde Ruelfs, als sie auf ein Zitat von Dorothea Lange stieß. Die Fotografin, die mit Serien über Arbeitslose, Obdachlose und Landarbeiter während der Großen Depression bekannt geworden war, sagte 1964: "Niemand hat, soweit ich weiß, das soziale Phänomen des Reichtums fotografiert." Das MKG sah dies als Aufforderung, sich eben damit zu beschäftigen - mit einem Reichtum, der immer exzessiver ausgelebt zu werden scheint.

"Reichtum definiert sich damit, was Armut bedeutet", sagt Ruelfs. Daher stehen der Ausstellung Porträts von Jim Goldberg aus den Achtzigerjahren voran: Menschen, die in kargen Räumen wohnen und ihr Leben mit Sätzen kommentieren wie: "Ich warte auf jemanden, der zu meiner Tür herein kommt und mir Geld gibt." Oder: "Ich habe Angst, ein Versager zu sein." Oder auch: "Was ich wirklich will, ist ein richtiges Zuhause mit netten Möbeln."

Die Fotografen, die sich bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts mit Reichtum auseinandergesetzt haben, fuhren noch nach Nizza, Davos oder St. Moritz. Sie besuchten Pferderennen oder Bälle in Hotels, die Namen wie Dolder oder Palace trugen. Die Frauen dort, dekoriert mit Pelzen, mit Perlenketten, stehen alle ziemlich gelangweilt am Büfett oder sitzen an Tischen, ganz so, als hätten sie genug vom guten Essen, von guten Weinen, vom guten Leben.

Später verlagern sich die Orte des Reichtums auf Luxus- und Millionärsmessen. Der Brite Martin Parr jagt den Reichen auf Modenschauen nach, der US-Amerikaner Slim Aarons fotografiert deren Anwesen, samt Pools, Hubschraubern und fantastischen Aussichten auf Großstädte. Die Menschen, die dort residieren, heißen Lawrence Carleton Peabody II oder seine Durchlaucht Heinrich von und zu Fürstenberg oder Henry Bromfield Cabot III.

Reichtum im Kleinbürgerlichen

Und dann gibt es da ja auch noch Bubenreuth. Das Örtchen liegt zwischen dem weiten Tal der Regnitz und dem bewaldeten Höhenrücken des Burgbergs mit dem Bischofsmeilwald - unweit von Nürnberg, Fürth und Erlangen. In Bubenreuth werden Streich- und Zupfinstrumente hergestellt, von hier stammt der Fotograf Juergen Teller. Im Jahr 2005 beauftragt ihn der Starauktionator Simon de Pury damit, einige Schmuckstücke für die Auktion "Magnificent Jewels" zu fotografieren. De Pury wollte die Klunker nicht mehr perfekt ausgeleuchtet an schönen Frauenhälsen, -ohren oder -fingern sehen, er wollte etwas Ungewöhnliches.

Die Aufnahmen Tellers sind ungewöhnlich, und sie sind in dieser großartigen Ausstellung das Bindeglied zwischen den Bonzen und den Normalverdienern. Sie hängen zwischen den Arbeiten der anderen Künstler, weil sie wohl wie kaum andere Fotografien den Reichtum mit imaginierter kleinbürgerlicher Gier und Geschmacklosigkeit verbinden.

Teller hat die Schmuckstücke einfach seinen engsten Familienmitgliedern aus Bubenreuth umgehängt, auf oder neben sie geschüttet. Seinen neugeborenen Sohn Ed etwa hat Juergen Teller in einer Windel und weißen Söckchen auf ein beigefarbenes Sofa gelegt. Auf seinem kleinen Körper liegen schwere goldene Ketten und Perlen, Ringe, Juwelen und Armreifen. Das Baby schreit.

Vielleicht hängen Tellers Bilder auch überall in der Ausstellung, weil sie sagen sollen: Reichtum macht nicht glücklich. Armut aber auch nicht. Draußen vor dem Hamburger Hauptbahnhof, ganz in der Nähe des Museums, steht eine Frau mit seltsam krummen Beinen. Sie hat einen Pappbecher in der Hand und bettelt.


"Fette Beute. Reichtum zeigen". Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. 17. Oktober bis 11. Januar 2015

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insgesamt 38 Beiträge
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1.
Dr. Elmo 16.10.2014
"Reichtum macht nicht glücklich" - stimmt! Aber es erleichtert Phasen des Unglücklichseins doch erheblich.
2. Wundere mich..
blackwatcher 16.10.2014
..ob z.B. UNICEF bei solchen Menschen ein Begriff ist.
3. Die Polizei ist für die Armen da.
Reinhold Schramm 16.10.2014
Merke: Der Knast in Deutschland ist vor allem für die Armen da, so wie in den USA und China. Mit persönlicher Arbeitsleistung, Wert- und Mehrschöpfung, kann kein Mensch Vermögensmillionär oder Erbschaftsmilliardär werden! Wäre die bürgerliche Justiz und Staatsgewalt nicht für die Reichen und ihre gutgeschmierten 'Sozialpartner' da, die vormaligen Ausbeutungs-Millionäre, Erbschafts-Multimillionäre und Raub-Milliardäre, sie wären heute in den Haftanstalten die Mehrzahl, die letzteren gar auf Lebenszeit und/oder alternativ im heutigen Hartz-IV-Strafvollzug. "Zellengefängnisse! im Interesse der arbeitenden Klasse: das ist das letzte, das einzige ernst gemeinte Wort des Bourgeoissozialismus." (Marx/Engels, im "Manifest")
4. Geld kauft keine Lebenszeit
remmbremmerdeng 16.10.2014
könnte man unter das Bild von dem dahindämmernden Opi schreiben. Die Dame zählt bestimmt schon die Tage, bis sie ihn nicht mehr ertragen muß.
5. keine Reichen
killing joke 16.10.2014
Ich sehe auf den Fotos keine Reichen, nur zusammengewürfelte Privataufahmen von irgendwelchen dahergelaufenen Nobodys. Wahrer Reichtum fängt da an, wo ein Vermögenszuwachs sich nicht mehr in den privaten Lebensumständen oder Konsumgewohnheiten repräsentieren lässt, sondern in politischen oder gesellschaftlichen Machtzuwachs fliesst. Wenn wir die Grenze bei den Euro-Miliardären ziehen, für Deutschland immerhin 150 Familien.
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