Film- und Theaterstar Marianne Hoppe ist tot

Die Schauspielerin Marianne Hoppe ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Sie war in den dreißiger Jahren ein beliebter Ufa-Filmstar und galt bis heute als eine der bedeutendsten Theaterschauspielerinnen des 20. Jahrhunderts.


Sie war eine Ikone der deutschen Schauspielkunst: Marianne Hoppe
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Sie war eine Ikone der deutschen Schauspielkunst: Marianne Hoppe

Ihr heftiges Lampenfieber ist sie während ihrer gesamten Karriere als Film- und Theaterstar nicht losgeworden, erzählten Freunde der Schauspielerin Marianne Hoppe, die am vergangenen Mittwoch gestorben ist. 1909 als Tochter eines konservativen Gutsbesitzers in Rostock geboren, stand Marianne Hoppe anfangs in Berlin, Frankfurt am Main und München auf der Bühne. Fast über Nacht wurde sie berühmt für ihre Rolle in einer Verfilmung des "Schimmelreiter" nach der Novelle von Theodor Storm. Sie galt fortan als Inbegriff des norddeutsch-herben Landmädchens und gehörte zur Kultur-Elite des dritten Reichs. Die "schwarzen Seiten meines Poesiealbums" nannte Marianne Hoppe selbst diese Zeit in einem Interview von 1991, obgleich sie sich immer bemüht hatte, zum Regime eine Distanz zu wahren.

Ein Traumpaar des deutschen Theaters: Gustav Gründgens und Marianne Hoppe
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Ein Traumpaar des deutschen Theaters: Gustav Gründgens und Marianne Hoppe

1935 holte Gustav Gründgens den Schauspielstar nach Berlin, wo beide ein Jahr später heirateten. Besonders in diesen Jahren am Berliner Staatstheater und am Schauspielhaus entfaltete Marianne Hoppe mit ihrer Arbeitsmethode, "jeden Satz auseinander zu nehmen", ihre sprachliche Brillanz. Die von der Kritik so gerühmte klare Bühnenpräsenz zeigte sie beispielsweise als Lessings "Emilia Galotti" (1937). Es habe sie gereizt, dass die Figur an ihrer Konsequenz zugrunde gehe, wie der Theaterstar später im Interview sagte. Neben Auftritten als "Minna von Barnhelm" oder "Die Jungfrau von Orleans" feierte Hoppe als Filmschauspielerin in Produktionen wie "Romanze in Moll" und der "Effi Briest"-Adaption "Ein Schritt vom Wege" Erfolge.

Auch nach dem Krieg und der Trennung von Gründgens 1946 setzte sich Marianne Hoppes Karriere fort. Sie spielte 1950 die Blanche Dubois in Tennessee Williams' "Endstation Sehnsucht" und weitere Charaktere mit Hang zur Selbstzerstörung. Sie selbst nannte diese Figuren später "meine Knacksdamen". Dank ihrer Bereitschaft für Neues wendete sie sich der Moderne zu, spielte bei Claus Peymann, Frank Castorf und in der "Jagdgesellschaft" von Thomas Bernhard, der auch ihr Lebenspartner wurde. Unter der Regie von Heiner Müller war sie 1994 in dessen Stück "Quartett" zu sehen.

Ihre Direktheit und ihren trockenen Humor stellte Hoppe in vielen Interviews unter Beweis, wie zum Beispiel mit ihrer eigenen Charakterisierung: "Ich bin Mitglied der Akademie der Künste und des Südbayerischen Milchschafezuchtverbands. Das sind meine Pole."

Marianne Hoppe starb am 23. Oktober im Alter von 93 Jahren in einem Pflegeheim bei Siegsdorf.



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