Moskau/ Hamburg - Frankreichs Kinolegende Gérard Depardieu bricht mit seinem Land - allerdings früher und vor allem offenbar anders als gedacht. Der Leinwandstar, der mit Filmen wie "Cyrano de Bergerac" oder "1492" zu Ruhm und Geld gekommen ist, hatte geplant, die belgische Staatsbürgerschaft anzunehmen. So wollte Depardieu der Reichensteuer der sozialistischen Regierung unter François Hollande entkommen. Jetzt wurde der Schauspieler von Präsident Wladimir Putin auch noch kurzerhand zum Russen ernannt.
In einer Kurzmeldung auf seiner Internetseite verkündet der Kreml am Donnerstag, dass Putin Depardieu per Erlass die Staatsbürgerschaft verliehen habe. Bereits am 20. Dezember hatte der Präsident diesen bei einer Pressekonferenz als Freund bezeichnet und ihm einen russischen Pass angeboten.
Die Formulierung des Kreml, wonach Depardieu einen Antrag auf Einbürgerung gestellt hatte, wurde von einem Assistenten des Schauspielers dementiert. Der Neu-Russe selbst meldete sich bisher nicht zu Wort.
Depardieu hatte zuvor über die Steuerpläne von Hollande gewettert. Dieser wollte die Reichensteuer im Jahr 2013 auf 75 Prozent anheben. Zwar wurden die Pläne der sozialistischen Regierung am 29. Dezember vom Verfassungsrat aufgrund falscher Berechnungsgrundlagen gekippt, Premierminister Marc Ayrault kündigte jedoch Nachbesserungen an. Zu diesem Zeitpunkt war Depardieu bereits ins belgische Néchin gezogen, nur zwei Kilometer von der französischen Grenze entfernt.
In Russland könnte sich Depardieu jedenfalls auf geringere Abgaben freuen: Die Einkommensteuer liegt bei gerade einmal 13 Prozent.
sbr/dpa/dapd/Reuters
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