Hamburg - Er gehörte einst zu den Initiatoren der "Financial Times Deutschland". Nun hat Bernd Kundrun, ehemaliger Vorstandschef von Gruner + Jahr, enttäuscht auf das Ende der Wirtschaftszeitung reagiert. Zugleich äußerte er gegenüber SPIEGEL ONLINE jedoch Verständnis für die Entscheidung des Verlags.
"Die Gesellschafter haben die 'FTD' über so viele Jahre mitgetragen, weil sie bereit waren, für eines der mutigsten journalistischen Projekte der letzten Jahrzehnte zu kämpfen, zu hoffen und Verluste zu akzeptieren - so lange es eben ging", sagte Kundrun am Freitag.
"Mit ihrem leidenschaftlichen, mutigen und innovativen Journalismus hat die 'FTD' ihre Leser, die Branche und ihre Verleger fasziniert", erklärte der ehemalige Verlagsmanager. "Das lag daran, dass das Blatt immer eine ganz besondere Redaktions- und Verlagsmannschaft hatte. Jeder, der dazugehörte, kann stolz darauf sein, auch wenn er oder sie jetzt sehr traurig ist."
"Die 'FTD' hat ihr journalistisches Ziel erreicht"
Auch Andrew Gowers, Gründungschefredakteur der 'FTD' bedauerte das Aus: "Das ist eine sehr traurige Nachricht. Es war eine sehr gute Zeitung mit exzellenten Journalisten", sagte der Brite. "Die Welt hat sich geändert." Zugleich äußerte er Kritik am Management von Gruner + Jahr. Der Verlag hätte sich früher Gedanken über eine Online-Ausgabe der "FTD" machen müssen: "Man kann das nicht von einem auf den anderen Tag machen", sagte Gowers.
Sein damaliger Nachfolger Christoph Keese, inzwischen Sprecher des Axel-Springer-Verlags, schrieb in der "Welt", die "FTD" habe trotz ihres Scheiterns den Wirtschaftsjournalismus in Deutschland verändert: "Auch wenn sie wirtschaftlich kein Erfolg geworden ist, hat sie ihr journalistisches Ziel dennoch erreicht."
hül/syd/Reuters
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