"First Steps"-Filmpreis Leidenschaftlich, mutig, aktuell

Sie stehen für die Entdeckung talentierter Nachwuchsregisseure: die "First Steps Awards". Gestern wurden die begehrten Preise für Abschlussarbeiten deutschsprachiger Filmschulen zum sechsten Mal in Berlin verliehen.


Der ausgezeichnete Nachwuchs: Christine Wiederkehr, Benjamin Heisenberg und Jasmin Hermann (v.l.)
DDP

Der ausgezeichnete Nachwuchs: Christine Wiederkehr, Benjamin Heisenberg und Jasmin Hermann (v.l.)

Die Jury hatte es nicht leicht. 209 Filme buhlten um die Gunst von Barbara Rudnik, Lutz Hachmeister und Co., darunter 118 fiktionale Stücke, 36 Dokumentar- und 55 Werbefilme. Schließlich wurden 26 Beiträge in den Kategorien Abendfüllender Spielfilm, Spielfilm bis 60 Minuten, Kurzfilm bis 25 Minuten, Dokumentarfilm und Werbespot für einen "First Steps Award" nominiert. Um den Regie-Nachwuchs in Deutschland scheint es - quantitativ und qualitativ - also gut bestellt.

Gestern Abend fand im Berliner Theater am Potsdamer Platz die Verleihung der Preise statt. Durch den Abend führte die 26-jährige Viva-Moderatorin Sarah Kuttner, im Publikum saßen unter anderem Meret Becker, Anna Thalbach, Benno Fürmann, Hannes Jaenicke und Frank Elstner. Doch die Stars des Abends waren – zumindest bisher – weniger bekannte Namen.

Den mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis als bester abendfüllender Spielfilm gewann "Schläfer" von Benjamin Heisenberg. Der Abschlussfilm des Absolventen der Hochschule für Film und Fernsehen München widmet sich einem heiklen Thema – der staatlichen Überwachung von Ausländern, die verdächtigt werden, an terroristischen Aktivitäten beteiligt zu sein. Heisenberg erzählt die Geschichte der Kollegen Farid und Johannes, die in einem Münchener Forschungslabor am selben Thema arbeiten. Auch wenn Johannes es zunächst entschieden ablehnt, seinen algerischen Freund zu beschatten, ändert sich die Situation, als sich die Konkurrenz zwischen beiden Männern verschärft. Die Jury um die Schauspielerinnen Suzanne von Borsody und Barbara Rudnik hob in ihrer Begründung besonders die "beunruhigende Aktualität und Zeitlosigkeit" des Films hervor.

Jasmin L. Hermann von der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg wurde in der Kategorie Spielfilme bis 60 Minuten für "Tage aus Nacht" ausgezeichnet. Die Jury lobte den Film, der einen Preis in Höhe von 15.000 Euro erhält, als "Idealfall eines 'First Steps Films', weil er nicht vorgibt, alles zu wissen, aber sich mit Leidenschaft und Mut auf den Weg macht."

Schauspielerinnen Barbara Rudnik und Jasmin Tabatabai: Die Prominenz feiert den Nachwuchs
DPA

Schauspielerinnen Barbara Rudnik und Jasmin Tabatabai: Die Prominenz feiert den Nachwuchs

In der Kategorie Kurzfilme bis 25 Minuten gewann "Floh" von Christine Wiederkehr den mit 10.000 Euro dotierten Preis. Die Abschlussarbeit der Absolventin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich handelt von einer Verfolgungsjagd: Die Mutter des Retortenbabys Floh flieht vor den amerikanischen Auftragseltern aus dem Kreißsaal.

Der Preis für den besten Dokumentarfilm geht mit Tamara Milosevic an eine Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. "Zur falschen Zeit am falschen Ort" beleuchtet die Geschichte eines grausamen Mordes – und erschrickt selbst über das Geschehen. In der Begründung der Jury für die mit 12.000 Euro prämierte Auszeichnung heißt es, der Film zeige "ein Gehege voll klirrender Kälte und drogenseliger Gemütlichkeit, einen Überfall auf den Zuschauer ohne pädagogischen Rat oder kurzschlüssige Folgerungen".

Der Xbox-Spot "Racing Beats" von Steffen Hacker und Alexander Kiesl, ebenfalls Absolventen der Filmakademie Ludwigsburg, erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Commercial Award. Die Jury betonte die "perfekte Umsetzung" des Werbespots.

Die "First Steps Awards" haben sich in den vergangenen sechs Jahren zum Früherkennungssystem für junge Filmtalente entwickelt. Der Nachwuchswettbewerb basiert auf der privaten Initiative des SPIEGEL-Chefredakteurs Stefan Aust, der Filmproduzenten und Regisseure Bernd Eichinger (Constantin Film) und Nico Hoffmann (teamWorx), des Sat.1-Geschäftsführers Roger Schawinski und dem Leiter der Marketing-Kommunikation von Mercedes Benz, Justus Schneider.

Die mit insgesamt 72.000 Euro dotierten Preise müssen von den Nachwuchsfilmern zweckgebunden verwendet werden. In den vergangenen Jahren hat sich die Starthilfe durchaus gelohnt: Die Mehrzahl der Namen tauchten auch nach den "First Steps" wieder auf. Unter anderem hatten Hans Weingartner ("Die fetten Jahre sind vorbei") und Hannes Stöhr ("One Day in Europe") den Award gewonnen.



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