Flaggenpanne bei der ARD "So ein Fehler ist inakzeptabel"

Falsche deutsche Flagge in den "Tagesthemen" - das darf nicht passieren, kann aber mal. Das zeigte sich am Samstag. Jetzt versucht sich die ARD in Erklärungen. Den Vorwurf, man habe den Fehler vertuschen wollen, weist ein Verantwortlicher zurück.


Hamburg - "Oh nein!" Das mögen viele Zuschauer des ARD-Flaggschiffprogramms "Tagesthemen" gedacht haben, als sie Samstagabend in einem Beitrag zum bevorstehenden EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei plötzlich die Farben der deutschen Flagge in einer völlig neuen Kombination sahen: Statt schwarz-rot-gold war sie rot-schwarz-gold. "Oh nein!", schrieb tags darauf der zweite Chefredakteur von ARD aktuell, Thomas Hinrichs, in einem Blogeintrag, der die peinliche Panne erklären soll. Fazit: "So ein Fehler ist inakzeptabel."

"Als ich es sah, dachte ich, das kann nicht wahr sein", leitet Hinrichs ein und stellt zunächst klar: "Wir wissen schon, dass unsere Flagge schwarz-rot-gold ist." In der Redaktion sei man über die ernste Angelegenheit "sehr zerknirscht". SPIEGEL ONLINE sagte Hinrichs: "Es war eine Kombination aus technischem und menschlichem Versagen."

Laut Hinrichs kam der Fehler zustande, weil die ARD-Grafiker eine "neue Maschine" für die Illustrationen benutzten und sich beim Abspeichern der Flagge verdrückten - so sei eine falsche Vorlage in das System geladen worden. Wegen einer weiteren technischen Panne hätten die Chefredakteure die Grafik dann nicht vor der Sendung überprüfen können.

Als sie dann doch unmittelbar vor ihrer öffentlichen Einblendung über die Bildschirme der Verantwortlichen lief, fiel, so Hinrichs, gerade das erste Tor der russischen Mannschaft im Spiel gegen die Niederlande. "Da gingen kurz die Blicke hin. Menschlich verständlich und so ist es dann passiert", beschreibt er den Vorgang. "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow habe den Fehler auch nicht bemerken können, weil er bei der Aufnahme nicht sehen könne, was in seinem Rücken auf der sogenannten Bluebox läuft.

Mit Hinrichs Worten: "Erst ging was in die Grütze, dann hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu. Shit happens und meistens gilt dann Murphy's Law."

Danach gilt dann das Gesetz der Korrektur: Auf tagesschau.de weht in der Anmoderation wieder die richtige Flagge, aus dem "Tagesthemen"-Archiv in der ARD-Mediathek ist die entsprechende Passage verschwunden.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestreitet Hinrichs allerdings den Vorwurf, die ARD wolle so die Panne vertuschen: "Wir haben einen Fehler gemacht und in unserer Redaktion alles getan, um diesen Fehler zu beheben." Der Sender werde nun intern geeignete Maßnahmen ergreifen, nähere Angaben dazu wollte Hinrichs nicht machen.

Die "Tagesthemen"-Sendung von Samstag sahen 1,4 Millionen Menschen. Laut Chefredaktion hat sich ein Zuschauer nach der Sendung bei der ARD beschwert.

pha



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