Flutwellen-Desaster Katastrophale Berichterstattung deutscher Sender

Das Beben in Südostasien begann um 1.59 Uhr mitteleuropäischer Zeit - die deutschen Nachrichtensender schalteten sich jedoch erst ab 11.30 Uhr ein. ARD und ZDF waren noch später im Bild. Wer aktuell informiert sein wollte, musste auf CNN und BBC ausweichen.


Bilder des Entsetzens: Eine alte Frau aus dem südlich von Madras gelegenen Karamvadi trauert um ihren Sohn
DPA

Bilder des Entsetzens: Eine alte Frau aus dem südlich von Madras gelegenen Karamvadi trauert um ihren Sohn

Auch die Deutschen waren am zweiten Weihnachtstag erschüttert, als das Seebeben vor der Küste Sumatras eine Flutkatastrophe von historischem Ausmaß lostrat. Nachrichten und Sondersendungen zum Thema lockten teilweise mehr Zuschauer vor die Bildschirme als die populären Unterhaltungsprogramme.

So erreichte die 20-Uhr-"Tagesschau" der ARD 7,81 Millionen Zuschauer (27,4 Prozent Marktanteil). Das ZDF-"heute-journal" schalteten um 21.45 Uhr 7,02 Millionen (21,3 Prozent) ein, ein "Tagesschau extra" um 22.02 Uhr kam auf 6,32 Millionen (20,0 Prozent), ein "heute spezial" um 19.15 Uhr auf 6,21 Millionen (25,2 Prozent). "RTL aktuell" um 18.45 Uhr konnte 4,95 Millionen (20,5 Prozent) Zuschauer verbuchen.

Doch unmittelbar nach Losbrechen der Katastrophe herrschte bei Deutschlands Sendern zunächst Funkstille. Wie die "Süddeutsche Zeitung" heute kritisierte, hatten BBC World und CNN schon früh das Chaos an den Küsten Sri Lankas, Indiens, Thailands und Indonesiens bebildert, während sich die deutschen Nachrichten-Sender n-tv und N24 erst gegen 11:30 Uhr mit einer Bauchbinde am unteren Bildschirmrand in die Berichterstattung einschalteten. ARD und ZDF seien erst gegen 13 Uhr hinzu gekommen. Zwar hätten die Öffentlich-Rechtlichen abendliche Sondersendungen geplant, seien ihrem Programmablauf ansonsten aber treu geblieben, so die Zeitung.

Heute haben sich die TV-Sender gegen die Kritik verteidigt. N 24 habe die Zuschauer informiert, sobald die Nachricht von dem Seebeben über die Nachrichtenagenturen eingetroffen sei, sagte Sendersprecher Thorsten Pütsch heute auf Anfrage der ddp. Im Tagesverlauf habe es auf dem Nachrichtenkanal dann vier Sondersendungen gegeben. Der "eigentliche Nachrichtentag" über die Katastrophe sei aber der Montag.

Pütsch räumte allerdings ein, es sei schwierig gewesen, Sondersendungen zu bestücken, da es nur wenig Bildmaterial und wenige Aktualisierungen gegeben habe. Auch die Feiertagssituation habe eine Rolle gespielt. An einem normalem Tag, an dem zum Beispiel auch Experten leichter zu erreichen sind, wäre es sicher wesentlich schneller gelungen, umfangreich zu berichten.

Auch der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Klaus-Peter Siegloch verteidigte seinen Sender gegen die Schelte des Blatts. "Wir haben sehr früh reagiert", sagte Siegloch heute in Berlin. Bereits um 11.29 Uhr habe das ZDF über die Katastrophe berichtet. Schwierig sei aber gewesen, dass es keinen Korrespondenten direkt vor Ort gab und dass man Zeit brauche, um jemanden in die Katastrophenregion zu entsenden.

Bernhard Möllmann von der ARD-Programmdirektion betonte, das Erste habe ab 12.45 Uhr die Nachrichtensendungen verlängert und ab dem Nachmittag auch "Extras" der "Tagesschau" angesetzt. Über das Korsett der Nachrichtensendungen habe man das Thema aufgefangen und regelmäßig eingestreut. Vor 12.45 Uhr seien entsprechende Bilder und Informationen noch nicht aufbereitet gewesen.



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