Foto-Ausstellung Lebensmüde Kommissarinnen

Eine Ausstellung in Frankfurt widmet sich erfolgreichen TV-Kommissarinnen im Wandel der Zeit. Unorthodox porträtiert wurden die kriminalen Damen von der Fotografin Herlinde Koelbl, allerdings fanden sich nicht alle Protagonistinnen gut getroffen.


Frankfurt/Main - Nachdem sie bereits Anfang des Jahres im Berliner Filmmuseum gezeigt wurde, ist die Ausstellung "Die Kommissarinnen" nun in Frankfurt angelangt, wo die Schau mit zahlreichen Bildern und Objekten heute Abend eröffnet wird. Als Ehrengast ist die TV-Ermittlerin Hannelore Elsner geladen, die sich bereits im Vorwege über das Konzept mokierte: "Hier werden alle Schauspielerinnen gleich gemacht", bemängelte die Darstellerin der Fernseh-Polizistin Lea Sommer ("Die Kommissarin").

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TV-Kommissarinnen: Die Waffe im Anschlag
Gezeigt werden neben Videos und Requisiten vor allem Porträts der Starfotografin Herlinde Koelbl ("Starke Frauen"). Sie hat 15 Schauspielerinnen abgelichtet, die Kommissarinnen darstellen. Neben den großformatigen Porträts sind Kostüme, Ausstattungsgegenstände und Installationen zu sehen, die an insgesamt 121 Schauspielerinnen erinnern, die im Kino und Fernsehen als Kommissarinnen ermittelt haben. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf Hannelore Hoger ("Bella Block"), Iris Berben ("Rosa Roth"), Ulrike Folkerts ("Tatort"), Imogen Kogge ("Polizeiruf 110"), Despina Pajanou ("Doppelter Einsatz") und eben Hannelore Elsner gelegt.

Die 63-jährige Charakter-Mimin zeigte sich vor allem über die Präsentation der Fotos verärgert. Es sei lediglich "ein netter Gag, ganz lustig", alle Schauspielerinnen auf eine ähnliche Weise zu fotografieren. Aber dadurch würde jede einzelne ihre Kolleginnen in ihrer Persönlichkeit und Arbeit heruntergestuft. Koelbl hatte die Ermittlerinnen in ihrer Serie nicht als toughe Polizistinnen porträtiert, sondern - in Schwarzweiß, ausgestattet mit ihrer Dienstwaffe - als Geworfene in einer gewalttätigen Welt. So hält sich Andrea Sawatzki, auch im Frankfurter "Tatort" eine eher labile Persönlichkeit, ihre Pistole unter das Kinn, als wollte sie Selbstmord begehen.

Auch Elsners Porträt gab Anlass zur Kontroverse. Die Schauspielerin hält sich ihre Waffe in ebenso suizidaler Pose an die Schläfe. In Berlin, wo die Ausstellung zuvor leicht verändert gezeigt worden war, war das Elsner-Porträt daher überhaupt nicht präsentiert worden, weil die Kuratorin Gerlinde Waz nach eigenen Worten wegen der gewaltträchtigen Darstellung Bedenken hatte. Das aber passte der TV-Diva auch wieder nicht: "Darüber war ich richtig sauer", sagte Elsner heute in Frankfurt. Die Schau ist noch bis zum 22. Januar im Frankfurter Filmmuseum zu sehen.

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