Fotograf Joachim Baldauf "Schubladendenken lässt mich kalt"

Claudia Schiffer, Veronica Ferres, Nadja Auermann: Er hatte sie alle - vor seiner Kamera. Im Interview mit seen.by spricht der weltbekannte Werbe- und Magazinfotograf Joachim Baldauf über Eklektizismus, Stress mit Models und jugendlichen Leichtsinn.


Frage: Worauf kommt es Ihnen beim Fotografieren an?

Baldauf: Nicht nur auf das Ergebnis. Für mich sind das Happenings, also das Tun, der Mensch und die Vorarbeit gleich wichtig. Bei meiner Fotografie zählt nicht allein das einzelne Bild, sondern es geht mir auch um kulturelle Einflussnahme.

Frage: Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Baldauf: Wohl eine Mischung aus eklektisch - allein schon durch das Medium Fotografie bedingt -, suchend und subtil humorvoll. Die Mode bedient sich in den letzten Jahren aus Trends und Strömungen vergangener Jahrzehnte, dementsprechend wird dann auch die Modefotografie eklektisch - ähnlich wie der Wohnstil übrigens.

Frage: Wie bereiten Sie sich auf ein Fotoshooting vor?

Baldauf: Sehr präzise und konzentriert. Mit viel Kommunikation im Team und möglichst entspannt - allein das Wort Stress ist mir ein Gräuel. Stress entsteht meist durch Angst und die habe ich nicht beim Fotografieren.

Frage: Was macht für Sie den Unterschied aus, für einen Kunden zu fotografieren oder frei zu arbeiten?

Baldauf: Eigentlich nur die Bezahlung ... Wenn ich die Kamera in die Hand nehme, nehme ich alles gleich ernst. Das war früher nicht so, da habe ich meine freien Sachen mit einer gewissen Arroganz und mit jugendlichem Leichtsinn wichtiger genommen. Nun sehe ich das anders, da es bei mir in Bezug auf Menschen auch keine Hierarchien gibt. Das habe ich für meine Fotografie übernommen und fühle ich mich sehr wohl so.

Frage: Wen oder was haben Sie am liebsten vor der Kamera?

Baldauf: Menschen.

Frage: Warum betonen Fotografen oft fast schon auf zwanghafte Weise, dass sie Künstler sind?

Baldauf: Wohl aus Angst, dass die eigene Arbeit oder die eigene Person nicht ernst oder wichtig genug genommen werden. Mich interessieren derartige Definitionsfragen nicht, da mich Schubladendenken an sich kalt lässt.

Frage: Woran arbeiten Sie momentan?

Baldauf: Wie immer an verschiedenen Sachen gleichzeitig. An meinem nächsten Buchprojekt, an unserem Magazin "vorn" und an den nächsten Ausstellungen.

Das Interview führte Anna Wander, seen.by



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