Zum Tod von Robert Lebeck Der Mann, der uns zu Zeugen machte

Der Fotograf Robert Lebeck ist tot. Seine Porträts berühmter Menschen und großer Momente des 20. Jahrhunderts prägen unsere Wahrnehmungen und Erinnerungen. Manche seiner Bilder wurden zu Ikonen.

AP

Berlin/Hamburg - Der am Samstag in Berlin gestorbene Fotograf Robert Lebeck gilt als einer der bedeutendsten Fotoreporter der deutschen Mediengeschichte, er arbeitete für Zeitungen, Agenturen und Magazine. Besonders verbunden war er schon seit 1966 dem Verlag Gruner + Jahr. Hier arbeitete er nicht nur dem "Stern" zu, sondern leitete für rund zwei Jahre auch als Chefredakteur das Magazin "Geo".

Eigentlich war der 1929 geborene Robert Lebeck Ethnologe: "Völkerkunde" hieß das noch, als er in Zürich und New York studierte - eine Wissenschaft, die sich der Beschreibung und dem Vergleich von Kulturen verschrieben hat. Doch Lebeck sollte ein Zeit-, Kultur- und Menschenbeschreiber anderer Art werden: Seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte er noch im Studium, durch die prallen, opulenten Bildstrecken in US-Magazinen wie "Life".

Er begann zu fotografieren, ohne es im Sinne einer Ausbildung je regulär gelernt zu haben. Auf seiner eigenen Webseite, die auch zahlreiche seiner berühmtesten Bilder zeigt, beschreibt er das Einschlagen der Fotografenlaufbahn als "Entschluss". Was folgte, waren Jahrzehnte erfolgreicher fotografischer Tätigkeit, die ihn zunächst in den Regionaljournalismus führten, bald schon aber zu den Magazinen: Schon Mitte der Fünfziger prägten seine Bilder in Illustrierten auch das Image vieler Prominenter.

Lebeck sollte über Jahrzehnte ein höchst treffsicherer Dokumentar der Zeitläufe und Porträtist der Prominenz bleiben. Viele seiner Bilder wurden zu Ikonen: Sein früher Schnappschuss von Elvis Presley als junger Soldat in Hessen dokumentierte sein Gespür für Timing; seine Foto-Sessions mit Romy Schneider mit und ohne Schiebermütze trugen dazu bei, ihr Image neu zu definieren.

Lebeck ging mit Willy Brandt auf Wahlkampfreise und dokumentierte seinen Rücktritt. Er inszenierte Joseph Beuys mit einer Axt in der Hand und zeigte Konrad Adenauers wahres Alter, als er sein Porträt an seinem 90. Geburtstag auf das faltige Viertel seines Gesichts reduzierte. Herbert von Karajan wird bei ihm zur schattenrissartigen Linie von Frisur, Hand und Dirigentenstab, Alfred Hitchcock zeigt er, wie er heimlich durch einen Türspalt blickt.

Scheinbare Momentaufnahmen in kontrastreichem Schwarz-Weiß sind das, von denen viele natürlich inszeniert sind: Sie porträtieren nicht nur, sie charakterisieren. Viele sind Momente seltener Intensität und mitunter Intimität, die der Fotograf seinen Modellen entlockte.

Am Samstag starb Robert Lebeck 85-jährig im Kreise seiner Familie.

pat

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