Berühmter Berlin-Fotograf Will McBride ist tot

Einschusslöcher in Ruinen, Kinder auf Schuttbergen - der Fotograf Will McBride hielt in seinen Berlin-Porträts die Brüchigkeit der Nachkriegszeit fest. Jetzt ist der gebürtige Amerikaner und Wahl-Berliner gestorben.

DPA

Berlin - Als Will McBride 1955 nach Berlin kam, versetzte ihn die Stadt in eine "fiebernde Spannung", wie er später sagte. Das vom Krieg geschundene und gezeichnete Berlin zog den damals 24-jährigen Studenten aus Missouri in seinen Bann. In seinen Fotos fror er das flüchtige Vakuum zwischen Weltkrieg und Neuanfang ein; erzählte vom Jungsein zwischen Krüppeln und Kriegerwitwen, hielt aber auch das wehende Haar von John F. Kennedy bei dessen berühmten Berlin-Besuch 1963 mit seinen Bildern fest.

Im Alter von 84 Jahren ist McBride nun am Donnerstag in einem Krankenhaus in Berlin gestorben, wie seine Familie am Freitag bestätigte.

Bevor Berlin seine Wahlheimat wurde, lernte McBride als Privatschüler des legendären US-Künstlers Norman Rockwell und studierte Malerei, Kunstgeschichte und Illustration in New York. Ein Stipendium brachte den Amerikaner nach Berlin, wo er an der Universität der Freien Künste Literatur studierte.

Später arbeitete McBride als Reportagefotograf für zahlreiche Magazine, etwa "Life", "Paris Match", "Quick" und für die "Twen", die Zeitschrift der Achtundsechziger-Generation. Viele seiner Fotos lassen sich als Zeugnisse eines neuen Boheme-Lebensstils lesen; etwa, wenn McBride sich selbst zusammen mit seiner Frau beim intimen Frühstück im Bett inszeniert. 1974 veröffentlichte er das heute umstrittene Aufklärungsbuch "Zeig mal!", in dem Sexualität auch bei Kindern explizit dargestellt wird. Später arbeitete er überwiegend als Maler und Bildhauer.

Die deutsche Hauptstadt begleitete McBride bis an sein Lebensende. "Berlin sensibilisierte und änderte meine Sehweisen", sagte er einmal. Erst im Herbst 2014 hatte die Berliner C/O-Galerie zum Neustart im Amerika Haus eine Ausstellung mit McBrides Bildernaus der Nachkriegszeit gezeigt. Damit schloss sich für den Künstler ein Kreis: Er war 1957 der erste Fotograf gewesen, dessen Werke im Amerika Haus präsentiert wurden.

eth/dpa



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