Fotografie Trauer um Henri Cartier-Bresson

Im Alter von 95 Jahren ist der legendäre französische Fotograf Henri Cartier-Bresson gestorben. Der Mitbegründer der Fotoagentur Magnum arbeitete für "Life", "Vogue" und "Harper's Bazaar", seine Arbeit inspirierte Generationen von Fotografen.


Henri Cartier-Bresson: Der Meisterfotograf starb kurz vor seinem Geburtstag
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Henri Cartier-Bresson: Der Meisterfotograf starb kurz vor seinem Geburtstag

Paris - Cartier-Bresson starb bereits am Montag in l'Ile-sur-Sorgue im Südosten Frankreichs, wie das Kulturministerium in Paris mitteilte. Der Künstler, der als einer der größten Fotografen des 20. Jahrhunderts gilt, wäre am 22. August 96 Jahre alt geworden.

Cartier-Bresson bereiste Jahrzehnte lang mit seiner Leica die Welt und jagte den "entscheidenden Augenblick", so der Titel eines seiner Bücher - jene mythische "125tel Sekunde, in der die ganze Wahrheit aufscheint", wie das Kulturmagazin "Telerama" einmal schrieb. Mit seinen Aufnahmen, von der Beerdigung Mahatma Gandhis bis zu Porträts von Henri Matisse oder Jean-Paul Sartre, versuchte er immer die Stimmung eines Augenblicks einzufangen.

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Fotografie-Legende Cartier-Bresson: Die Beziehung zwischen Auge und Herz

Cartier-Bresson war Mitbegründer der legendären Fotoagentur Magnum und arbeitete für Magazine wie "Life", "Vogue" und "Harper's Bazaar". Er hielt seine Kamera instinktiv zur rechten Zeit am rechten Ort bereit: Auf einen Mann, der am Pariser Bahnhof Saint-Lazare im Gegenlicht über eine Pfütze springt, die seine Silhouette widerspiegelt oder schwarz gekleidete Frauen, die vor der Kirche eines Abruzzendorfes genau die Position einnehmen, um mit dem Treppengeländer, den verwinkelten Gassen und dem Hügel in der Ferne eine perfekte, an alte italienische Meister erinnernde Bildkomposition zu formen.

"Bei allem was man tut, muss es eine Beziehung zwischen Auge und Herz geben", sagte er einmal in einem seiner seltenen Interviews. Während einer Aufnahme sehe ein Auge das Motiv, das andere sehe nach innen. Cartier-Bresson arbeitete ausschließlich mit Schwarzweiß-Filmen und verzichtete auf Blitz. Gestellte Bilder lehnte er ab.

Nach der Ehe mit einer Japanerin heiratete Cartier-Bresson 1970 die Fotografin Martine Franck, mit ihr hat er eine Tochter. "Er wollte kein Mythos werden", sagte Martine einmal über ihren Mann. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac würdigte Cartier-Bresson als genialen Fotografen und einen der begabtesten Künstler seiner Generation.



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