Frank Gehrys Fondation Louis Vuitton Die Wolke ist gelandet

Die Fondation Louis Vuitton ist eröffnet: Das pharaonische Monument wurde vom Star-Architekten Frank Gehry entworfen. In dem neuen Museum will der Milliardär und Mäzen Bernard Arnault seine Kunstsammlung zeigen.

AP

Von den Pariser Medien wird es vorweg als "schönstes Monument der Gegenwart" gepriesen, als "Wolke aus Glas" oder "Kirchenschiff aus Stahl": Präsident François Hollande eröffnet am Montag die Fondation Louis Vuitton - ein imposantes und imponierendes Gebäude. Der Bau aus Beton, Glas und Holz, charakterisiert durch ineinander verschränkte Elemente, provoziert den Vergleich mit einem Großsegler, der seine Takelage über dem Bois de Boulogne in die Höhe reckt.

Für Paris, das sich selbst gern als "Stadt des Lichts" apostrophiert, bedeutet das futuristische Museum am Westrand der Stadt einen extravaganten Akzent; Frankreich, wirtschaftlich gebeutelt und politisch in der Dauerkrise, unterstreicht damit seinen Ruf als Kulturkapitale der Welt. "Paris ist nicht nur eine alte Dame, hingestreckt an den Ufern der Seine", kommentiert die Zeitung "Le Parisien" das kreative Großereignis, "Paris ist auch sprühend, frech und wagemutig."

Der "Tempel der Modernität" umfasst elf Galerien mit einer Ausstellungsfläche von 11.000 Quadratmetern: Platz für Prestige-Ausstellungen, verteilt auf vier Etagen, eingebettet in die Natur. Ein Auditorium schafft Raum für Konzerte und Vorträge. Die überdachten Terrassen erlauben zudem einen spektakulären Blick auf die Silhouette von Paris.

Das Gebilde ist die Kopfgeburt eines Milliardärs und eines Stararchitekten: Zum einen Bernard Arnault, 65, Industriekapitän, Kunstsammler und Vorsitzender des Luxuskonzerns Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH), der das Projekt aus eigenen Mitteln finanzierte; zum anderen Frank Gehry, 85, in Europa vor allem bekannt durch das Guggenheim-Museum im spanischen Bilbao. Der Kalifornier platzierte seine dekonstruktivistische "Glaswolke" in dem grünen Areal des "Jardin d'Acclimatation".

Ein Gebäude, das sich bewegt wie ein Schiff

Der Zoologische Garten wurde 1860 von Kaiser Napoleon III. eingeweiht, im Jahr 1984 erwarb eines der Vorgängerunternehmen des später aus einer Fusion entstandenen Luxuskonzerns LVMH das Gelände. Bernard Arnault hatte sich damals schon einen Namen als Förderer der Künste gemacht - mit der Unterstützung von großen Ausstellungen oder der Restaurierung des Schlosses von Versailles. Der Sammler Arnault suchte einen geeigneten Standort für eine Sammlung seiner Schätze. Der Bois de Boulogne tauchte erstmals Anfang der Neunzigerjahre in seinen Überlegungen auf.

Der Besuch Bernard Arnaults in Bilbao 2001, sagt Jean-Paul Claverie, bei LVMH zuständig für das Mäzenatentum, gab den Ausschlag und den entscheidenden Anschub für das Projekt. "Von dem Gebäude war er wie gebannt, wie geblendet." Schon einen Monat später treffen sie Frank Gehry in New York, ein Jahr später besichtigt der Architekt das Terrain.

Auf dem elfstündigen Rückflug nach Los Angeles, so schildert Claverie in "Le Monde", füllte Gehry ein Notizheft mit Zeichnungen. "Die Idee war es, ein Gebäude zu schaffen, das sich bewegt wie ein Schiff unter vollen Segeln", erklärt Gehry sein Konzept.

Es schien zunächst unmöglich, den wolkigen Entwurf zu realisieren. Arnault beschäftigte bis zu 200 Ingenieure, die rund dreißig technische Innovationen erdachten und dafür genauso viele Patente erwarben. Vier Jahre dauerte es, bis der Entwurf gereift war, 2006 wurde das Modell in Paris vorgestellt und die Fondation offiziell aus der Taufe gehoben.

Arnault setzt sich ein Denkmal

Der "Eisberg", gefördert vom damaligen Bürgermeister Bertrand Delanoë, stieß zunächst auf Kritik: Die ausladende Glasstruktur würde den Frieden des benachbarten Kinderparks stören, so die Befürchtungen von Anwohnern und engagierten Städteplanern; 2001 wurden die Arbeiten vorübergehend gestoppt, bis Frankreichs Senat per Votum ihre Fortsetzung erlaubte.

Das Ergebnis ist überwältigend und monumental. Noch haben die Stücke der Sammlung ihren Platz nicht gefunden, aufgebaut sind vornehmlich die Werke, die eigens für den Bau entstanden sind wie etwa das gigantische Kaleidoskop des Dänen Ólafur Elíasson.

Mit dem Bau hat Bernard Arnault sich und seinem Unternehmen ein Denkmal gesetzt: Unübersehbar das kitschige Glitzerlogo über dem Eingang, das sich von der formalen Kühle des Ensembles absetzt. Das Museum sei nicht nur Kunstraum, sondern zugleich eine Geste der Imagepflege, sagt Denis Lafay, Chefredakteur des Magazins "Acteurs de l'économie - La Tribune". "Wenn man heute Chef eines Luxusimperiums wie LVMH ist, dann will man sich als Sammler der Gegenwartskunst darstellen", sagte er dem Sender France-Info. "Das erlaubt, den Konzern mit einem Anstrich von Kreativität, Altruismus, Philanthropie, Mäzenatentum und Emotion zu überziehen."

Über die Kosten schweigen sich Fondation und der Konzern aus. Die Zahl von 100 Millionen, die in den Medien zirkuliert, bezeichnet die Fondation Louis Vuitton als falsch. "Das wirtschaftliche Leben von LVMH ist täglich von Zahlen begleitet, lassen wir Platz für Emotionen", sagt Jean-Paul Claverie. LVMH-Chef Bernard Arnault ergänzt: "Einen Traum kann man nicht in Zahlen fassen."



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
big t 20.10.2014
1.
Ähm, ja, toll oder so ? Wie jede moderne Architektur im Endeffekt doch nichts weiter als ein rechteckiges Haus in der Mitte mit viel Designelementen drumherum, die aber mit dem Gebäude an sich wenig zutun haben. 3/10 Sternen. Diese Glas-Segel-Idee gibt es doch auch beim Münchner Olympiastadion? Also ist nichtmal das neu. Epic -Fail würde ich sagen.
von_scheifer 20.10.2014
2. Arche Noah
Den Spitznamen hat das Ding schon weg.
ladozs 20.10.2014
3. Manchmal
ist der Mensch neben all den fürchterlichen Gräueltaten auch zu etwas außerordentlich Schönem und Beeindruckenden fähig.
raber 20.10.2014
4. Eine neue Wolke in Paris
Gut, dass kapitalkräftige Bürger, und in diseme Fall nur mit eigenen Geldern, ihr Geld in solche Gebäude investieren. Es ist für sie selber sehr befriedigend aber auch für die Stadt und Besucher ein Plus. Paris ist immer wieder einen Besuch wert.
hans-georg-pabst 20.10.2014
5. Nichts Neues
Schauen Sie sich einmal das Guggenheim Museum in Bilbao an. Es ist das Vorbild und auch noch schöner
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