Architektur Pompöses aus der Postsowjetunion

Der Mensch wirkt vor diesen Gebäuderiesen wie eine unwichtige kleine Existenz: Frank Herfort reiste vier Jahre lang durch die ehemaligen Sowjetunion und fotografierte die stummen Zeugen architektonischen Größenwahns - postsowjetische Wolkenkratzer.

Frank Herfort/ Kerber

Sie ragen wie Monster aus dem Boden, schrauben sich wie Fontänen in den Himmel, beherrschen die Plätze, die Straßen und die Städte, in die sie gesetzt wurden. Riesige Wolkenkratzer, die entstanden sind als die mächtige Sowjetunion schon längst zusammengebrochen war. Der deutsche Fotograf Frank Herfort streifte vier Jahre lang durch Moskau, Minsk, Astana und andere Städte der ehemaligen UdSSR und hielt den Größenwahn von Städtebauern fest.

"Ich fand die Wolkenkratzer spektakulär", sagt Frank Herfort, der 1979 in Leipzig geboren wurde. "Sie sahen so ganz anders aus als die Hochhäuser in Europa oder sogar China." Herfort blieb vor den Türmen stehen, fragte sich, wann sie erbaut worden waren. Er konnte nicht glauben, dass es Zeugen neuester Baukunst sind, weil sie so altmodisch wirkten. Der Fotograf wunderte sich über die gläsernen bunten Fassaden, die Goldtöne, das orientalische Design.

Vor allem aber faszinierte ihn die Macht, die die Wolkenkratzer ausstrahlten. Sie lassen die Menschen wie Nichtigkeiten in der Weite der Welt erscheinen. "Viele Hochhäuser stehen allein da. So etwas wie Geschäftsviertel voller Wolkenkratzer gibt es nur in Moskau", sagt Herfort.

Zunächst sammelte er die Gebäude einfach nur so für sich. Nach zwei Jahren wusste er: Aus der Sammlung könnte ein Bildband entstehen. Nun ist "Imperial Pomp. Post-Soviet High-Rise" herausgekommen und im Kerber Verlag erschienen. Russland wolle sich mit seiner Architektur absetzen, hervorheben, glaubt Herfort. Damit vielleicht sogar etwas kompensieren?

Zu verschiedenen Uhrzeiten fuhr er zu den Gebäuden, um herauszufinden, wann sie am besten zu fotografieren sind. Herfort nahm sie schließlich bei Sonnenauf- und -untergang auf, als die Sonne noch tief stand und die Stadt in Schatten tauchte. Als sie die Wolkenkratzer in ein helles Licht hob und dadurch noch mal besonders den imperialistischen Pomp untermalte.

kha



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insgesamt 55 Beiträge
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peddersen 01.06.2013
1.
...ach ja.... Alles, was da in Richtung "Macht", "Unscheinbarkeit des Menschen" und anderes erzählt wird, gilt für ALLE Hochhäuser. Zumindest, wenn man sie von weitem betrachtet - oder betrachten kann. Der menschliche Maßstab ist da immer weg - außer man steht in der Häuserschlucht und guckt auf das Erdgeschoß. Das ist auch in Frankfurt nicht anders. Mit dem Unterschied, daß die hier gezeigten Häuser zum Teil gar nicht so schlecht aussehen.
juerler@saxonia.net 01.06.2013
2. Größenwahn
Zitat von sysopFrank HerfortDer Mensch wirkt vor diesen Gebäuderiesen als unwichtige kleine Existenz: Frank Herfort reiste vier Jahre lang durch die ehemaligen Sowjetunion und fotografierte die stummen Zeugen architektonischen Größenwahns - postsowjetische Wolkenkratzer. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/frank-herfort-und-sein-bildband-imperial-pomp-a-903040.html
Größenwahnsinnig sind doch nur die Amerikaner. Von angezettelten Kriegen, Waffenbesitz...... bis zu den Wolkenkratzern.
blueyes1 01.06.2013
3. Was werfen Sie denn den Russen und Kasachen vor?
Das es dort genauso größenwahnsinnige Despoten gibt wie im Westen? Im Westen stehen die Türme doch nur dichter beieinander. Und das die Architektur Lokalkolorit hat, ist doch wohl nicht verwunderlich oder?
iwbas 01.06.2013
4. 4 jahre durch asien gereist?
ich sehe hier nur fotos aus moskau und astana. sehr aufwendige reisen waren das. und die definition wolkenkratzer sollte man auch näher bestimmen, sonst gibt es bereits in den neuen Bundesländern ziemlich viele. 17 oder 13-Geschosser gab es da auch....pfff
quark@mailinator.com 01.06.2013
5. ?
Komisch, diese garstigen Kommentare. Habe noch nie über New York, Hong Kong, Dubai oder Tokio gelesen, daß die Erbauer mit ihren Hochhäusern "vielleicht etwas kompensieren" wollten. Das Astana "ziemlich abgefahren" aussieht (2/3 der Bilder sind ja von da), ist unbestritten. Aber laßt denen doch die paar Gebäude. Was mich viel mehr bekümmert ist, daß wir in DE fast nichts Neues und Schönes mehr gebaut bekommen. Daß hier die Straßen in den Ortschaften verfallen, die Schulen und Unis veralten. Da muß man nicht so niederträchtig den Aufbau der anderen kommentieren.
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