Frank-Walter Steinmeier Eröffnung von Thomas-Mann-Villa

Adorno und Einstein gingen hier ein und aus. Thomas Mann schrieb in seiner kalifornischen Villa den "Doktor Faustus". Nun ist sie ein Ort des transatlantischen Dialogs - in schwierigen Zeiten.

Das restaurierte Thomas-Mann-Haus in Los Angeles
DPA/ rebuild.ing/ H2S Architekten

Das restaurierte Thomas-Mann-Haus in Los Angeles


Sie war das Weiße Haus der deutschen Intellektuellen im Exil, die Villa von Thomas Mann in Pacific Palisades, dem noblen Vorort von Los Angeles. Einige verübelten den Exilanten das schöne Leben in dem Sonnenstaat und dem Nobelpreisträger die Abkehr von Deutschland. Und doch verbindet die Deutschen nach wie vor viel mit dem großen Autor, seiner Familie und der Villa. Vor zwei Jahren drohte der Abriss. Also entschloss sich die Bundesregierung nach langem Ringen, das Gebäude zu kaufen. Nun hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier es als transatlantische Begegnungsstätte eröffnet.

In seiner Rede hob der Bundespräsident die Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und den USA trotz aller aktuellen Spannungen hervor. "Das Ringen um Demokratie, das Ringen um eine freie und offene Gesellschaft ist das, was uns, die Vereinigten Staaten und Deutschland, auch weiterhin verbinden wird", sagte er. Die Eröffnung sei "in diesen stürmischen Zeiten auch ein wunderbarer Augenblick für die Freundschaft zwischen unseren Ländern."

Thomas Mann, seine Frau Katia und zwei ihrer Enkel im Garten der Villa
AP

Thomas Mann, seine Frau Katia und zwei ihrer Enkel im Garten der Villa

Die ehemalige Villa des Schriftstellers Thomas Mann soll künftig als transatlantische Begegnungsstätte und Domizil für Stipendiaten genutzt werden. Die Bundesregierung hatte das Anwesen 2016 gekauft. Daran war Steinmeier als Außenminister beteiligt. Als erste "Fellows" kommen jetzt unter anderen der Schauspieler Burghart Klaußner und die Soziologin Jutta Allmendinger nach Los Angeles.

Bei der Einweihung führte Frido (77), ein Enkel des Dichters, Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender durch das Haus, in dem der Autor mit seiner Familie zwischen 1942 und 1952 gelebt hatte. 1944 wurde Thomas Mann amerikanischer Staatsbürger. Die Enttäuschung über die US-Politik nach Kriegsende und die Kampagne des Senators Joseph McCarthy gegen vermeintlich kommunistische Umtriebe ließen ihn aber in die Schweiz zurückkehren, wo er 1955 starb.

Bundespräsident Frank-Walter und dessen Frau Elke Büdenbender mit Thomas Mann-Enkel Frido
DPA

Bundespräsident Frank-Walter und dessen Frau Elke Büdenbender mit Thomas Mann-Enkel Frido

Das Haus der Familie Mann war in den 1940er Jahren Treffpunkt Intellektueller wie Theodor W. Adorno, Albert Einstein und Lion Feuchtwanger. Neben Werken wie dem Schlussband der Joseph-Trilogie und "Doktor Faustus" entstanden in Pacific Palisades auch zahlreiche Rundfunkbeiträge für die BBC, in denen Thomas Mann die deutschen Hörer gegen die Nazi-Diktatur und für eine antifaschistische Kultur mobilisieren wollte.

Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, das Thomas-Mann-Haus solle "in Zeiten, in denen uns manches über den Atlantik hinweg trennt", zu einem Ort des kulturellen und gesellschaftlichen Austauschs werden. "Die USA sind unser wichtigster Partner außerhalb Europas. Nur gemeinsam können wir die Lösung globaler Probleme angehen", sagte Maas. "Deshalb ist ein intensiver Dialog zu den uns bewegenden Themen so wichtig, gerade auch jenseits der klassischen Diplomatie."

Es ist die erste Reise Steinmeiers als Bundespräsident in die USA. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump wird es nicht geben. Dennoch dürften bei den politischen Gesprächen auch die aktuellen Erschütterungen der transatlantischen Beziehungen eine wichtige Rolle spielen, hieß es aus dem Bundespräsidialamt.

brs/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.