Medienkritik vom Bundespräsidenten "Tabubrüche dürfen sich nicht auszahlen"

Die deutschen Medien haben Protestparteien und deren Provokationen im Wahlkampf zu viel Raum gegeben, meint Frank-Walter Steinmeier. Ein Vorwurf, gegen den sich die Intendanten von ARD und ZDF wehren.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier


Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Medien am Mittwoch vorgeworfen, Protestparteien - Namen nannte er keine - zu sehr eine Bühne zu bieten. In der Wochenzeitung "Die Zeit" und auf "Zeit Online" sagte er: "Tabubrüche dürfen sich nicht auszahlen: Wer für jede neue Provokation eine neue Einladung in eine Talkshow erhält, fühlt sich zum Provozieren ermuntert."

Steinmeier äußerte allerdings auch Verständnis für Wut und Unzufriedenheit - vor allem auf Seiten ostdeutscher Bundesbürger. "Manche Menschen haben den Eindruck, dass ihr Teil der Geschichte nie als gleichberechtigt respektiert wurde - und damit haben sie nicht mal Unrecht", sagte der Bundespräsident.

Es gehe dabei nicht allein um die biografischen Brüche von 1989/90, es gehe auch um die fehlende Wertschätzung von Biografien in den 25 Jahren danach. In den ostdeutschen Bundesländern hatte die AfD bei der Wahl besonders zugelegt.

ARD und ZDF weisen Quoten-Vorwurf zurück

Am Montagabend hatte die CSU-Abgeordnete Dorothee Bär bei Frank Plasbergs Polittalk "Hart aber fair" gesagt, sie habe von jemandem aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehört, AfD-Politiker würden gerne eingeladen, um damit gute Quoten zu bekommen.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey bezog am Mittwoch im Morgenmagazin Stellung und wies ebenfalls die Kritik zurück: "Wir haben die AfD genauso berücksichtigt wie die andere Partei, die bis dahin nicht im Deutschen Bundestag vertreten war: die FDP", sagte er.

Für Talkshows lieferte Frey konkrete Zahlen. So habe es in der Sendung "Maybrit Illner" seit Anfang 2016 bei knapp 400 Gästen "genau elf Mal Vertreter der AfD gegeben." Das seien weniger als drei Prozent. "Das zeigt deutlich, dass wir hier niemanden benutzen, um unsere Quoten nach oben zu treiben."

Auch ARD-Chefredakteur Rainald Becker hatte sich am Dienstagabend in den "Tagesthemen" zu den Politiker-Vorwürfen geäußert. "Es ist nicht an uns, eine Partei groß oder klein zu machen, sondern es geht darum, über einen Wahlkampf zu berichten", sagte Becker. Im Wahlkampf seien die Themen der AfD immer wieder Thema gewesen, deshalb sei auch darüber berichtet worden. Zudem informierten sich die AfD-Anhänger eher in den Sozialen Medien und anderswo, da spiele "das öffentlich-rechtliche Programm eher eine untergeordnete Rolle".

bsc/dpa/AFP

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