Erstmals konkretes Angebot: Türkischer Verleger bietet für "FR"

Burak Akbay in Istanbul: Kauft Estetik Yayincilik die "Frankfurter Rundschau"? Zur Großansicht
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Burak Akbay in Istanbul: Kauft Estetik Yayincilik die "Frankfurter Rundschau"?

Bisher war es nur eine Absichtserklärung, nun hat der türkische Verleger Burak Akbay sein Angebot zum Kauf der "Frankfurter Rundschau" konkretisiert. Gleichzeitig prüft das Bundeskartellamt eine mögliche Übernahme durch die "FAZ".

Frankfurt am Main/Hamburg - Die Suche nach einem Interessenten ist für die schwer angeschlagene "Frankfurter Rundschau" ein Rennen gegen die Zeit. Noch in diesem Monat müsse eine Entscheidung fallen, so ein Sprecher von Insolvenzverwalter Frank Schmitt. Nun hat der türkische Verleger Burak Akbay den Gläubigern der Zeitung ein Angebot vorgelegt. Es sei das erste konkrete Angebot aus Istanbul, "das andere Schreiben per E-Mail war eine Absichtserklärung", stellte der Sprecher der Insolvenzverwaltung, Ingo Schorlemmer, am Dienstag klar.

Zu den genauen Inhalten äußerte Schorlemmer sich vorerst nicht. Als Akbay im Januar erstmals Interesse an der "Frankfurter Rundschau" bekundet hatte, wurde kritisiert, sein Kaufpreisangebot sei "zu niedrig" und "nicht akzeptabel". Auch sein Konzept galt als "in keiner Weise tragbar". Akbay müsse bei dem angebotenen Kaufpreis ebenso deutlich ausbauen wie bei der Zahlungsweise, hieß es.

Die Zeit wird knapp. Nur noch bis Ende des Monats könne ein Interessent sein Angebot nachbessern, so Schorlemmer. Er bezweifelte, dass sich die Gläubiger auf eine Verlängerung der bis Ende Februar vereinbarten Finanzierung einlassen würden.

Am Mittag protestierten Mitarbeiter des Verlags erneut vor dem Redaktionsgebäude in Frankfurt am Main. Betriebsrat Marcel Bathis zeigte sich angesichts des neuen Angebots skeptisch: "Das war bislang ein Strohhalm. Und es wird sich weiter als ein Strohhalm erweisen." Die Chancen auf Erfolg sieht Bathis bei maximal zwei bis drei Prozent. "Herr Akbay müsste sein Angebot noch erheblich nachbessern und die Summe in einem Betrag zahlen." Details des Angebots nannte auch der Betriebsrat nicht.

Bathis zeigte sich sehr enttäuscht vom Verhalten der bisherigen Eigentümer, der Kölner Mediengruppe M. DuMont Schauberg MDS und der SPD-Medienholding ddvg. Ein offener Appell, rund vier Millionen Euro zur Vorfinanzierung des Insolvenzsozialplans zur Verfügung zu stellen, sei abgelehnt worden. "Wir sind mit einem Tritt auf die Straße befördert worden und bekommen noch nicht einmal ein Almosen", sagte Bathis. "Die 'FR'-Mitarbeiter fühlen sich gedemütigt, wir sind verbittert."

Die "Frankfurter Rundschau" hatte im November angesichts massiver Verluste Insolvenz angemeldet und gilt als Opfer des Strukturwandels in der Medienbranche. Insgesamt stehen rund 450 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon etwa die Hälfte im Druckzentrum.

Nach bisherigen Angaben will Akbay die "FR" als überregionale Zeitung mit einem eigenen Druckhaus fortführen. Er besitzt das türkische Verlags- und Druckereihaus Estetik Yayincilik, das die regierungskritische "Sözcü" herausgibt. Außer Akbay hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") Interesse an der angeschlagenen Traditionszeitung gezeigt. Derzeit prüft das Bundeskartellamt diese mögliche Übernahme. Die "FAZ" wolle den Verlag zum 1. März übernehmen, sofern das Bundeskartellamt der Übernahme zustimme. In diesem Fall verlören allerdings mehr als 400 der insgesamt rund 450 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Estetik Yayincilik wolle hingegen "etwa 80 Mitarbeiter im Verlag und 30 in der Druckerei" weiterbeschäftigen, wie ein Verlagssprecher der "taz" sagte.

feb/dpa

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1. Menschliches Wunder und politische Feigheit
Dr. S. Krahn 19.02.2013
Als FR-Leser muss ich sagen, es grenzt an ein menschliches Wunder, dass eine dermaßen geschundene Belegschaft nach wie vor eine so gute Zeitung macht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man auf dem freien Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit nochmal so motivierte, und ja, auch talentierte Journalisten bekommt. Insofern war es wohl ein unternehmerischer Fehlgriff der Gesellschafter, die Insolvenz herbeizuführen und Verhandlungen unter Druck zu führen. Und vergessen wir einen Akteur in der Sache nicht, die SPD. Wie wollen die Genossen es denn bitte dem Wähler verkaufen, dass sie im eigenen Betrieb die Belegschaft so auf die Straße setzen? Das findet nach meinem Dafürhalten noch viel zu wenig Aufmerksamkeit. Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, Herrn Steinbrück auf dem Rücken "meiner" FR und Ihrer Mitarbeiter ins Kanzleramt zu wählen.
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