Frauenmagazin "Alley Cat" Hauptsache barbusig

Ein Erotikmagazin sollte es werden, aber Burda hat mit "Alley Cat" nur eine schnelle Nummer hingelegt. Nackte Brüste und Sexklischees kreieren noch kein Begehren. Welcher Frauentypus schwebte den Machern eigentlich vor? Kein moderner jedenfalls.

Hubert Burda Media / Anja Frers

Von Silke Burmester


Männer wurden bislang von Burda zuverlässig mit dem "Playboy" bedient, Frauen mit ähnlich gelagerten Interessen mussten hingegen zusehen, wo sie bleiben. Mehr Sinnlichkeit als ein wenig Whirlpoolplätschern in "Freundin Wellfit" hatte der Verlag ihnen nicht zu bieten. Diese Lücke im Angebot soll nun "Alley Cat" füllen, ein Magazin, das Frauen im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30 lockt, "Frauen, die mehr wollen". Mehr Freizeitspaß? Mehr Lust auf Genuss? Könnte man so sagen, denn mit der Straßenkatze bietet Hubert Burda Erotik an.

Hinter dem Unternehmen steckt die 26-jährige Ina Küper. Die Absolventin der Modeschule AMD hatte im Rahmen ihrer Ausbildung ein Magazin entwickelt. Das erschien von 2008 an insgesamt sechs Mal, zuletzt mit einer Druckauflage von 10.000 Stück. Burda übernimmt "Alley Cat" vorerst einmalig, mit einer Auflage von 150.000 Exemplaren und einem Verkaufspreis von drei Euro. Läuft es gut, will man in Serie gehen.

Als wäre der Dildo gerade erst erfunden

Drei Monate hat Küper mit einem kleinen Team an der Burda-Variante gearbeitet. Geplant war ein Heft für "Frauen, die mehr wollen", heraus kam ein Heft für Frauen, die eines wollen: einen Mann. "Es ist viel, viel einfacher ein Heft zu machen, wenn man ein bestimmtes Bild einer Frau im Kopf" hat, sagt Ina Küper. "Sonst wird das Heft schwammig."

Die Frau, die Ina Küper vorschwebt, hat das Zeug zur statistischen Quersumme aus Marketing- und Reklameklischees. Eine Fotostrecke mit Six-Pack-Athleten, ein Sex-Report, eine Unterwäschestrecke, ein Schlafzimmer-Einrichtungs-Check, ein paar Promis, Mode und das unvermeidliche Öko-Thema: Das sollen die Interessen der XX-Chrosomenträger sein.

Weibliche Erotik ist dabei grundsätzlich heterosexuell, andere Lustkonstellationen müssen weitgehend draußen bleiben. Anstatt das sexuelle Empfinden der Frau als geheimnisvollen Ort darzustellen, den zu ergründen eine aufregende und potentiell unendliche Angelegenheit ist, wird eine Welt serviert, in der weibliches Begehren kaum mehr ist als ein Stereotyp zwischen Ökobewusstsein und Popo-Klatschen.

Geheimnisse, ob mental oder körperlich, sind aus der "Alley Cat"-Erzählung weitgehend getilgt; alles ist jederzeit verfügbar, darstellbar und im Zweifel im Geschäft zu haben. So einfach sind mitunter auch die Artikel gestrickt. Ob Schmuck oder Mode: Hauptsache, es wird an barbusigen Frauen präsentiert - schon ist der erotische Anspruch eingelöst.

Soll die Frau mit der ewigen Romantiksehnsucht eingefangen werden, richtet man ein Schlafzimmer ein, wie es die amerikanische Übermami Martha Stewart spießiger nicht hätte gestalten können. Will man Promis verwerten, die man nicht persönlich akquirieren konnte, schreibt man einen offen Brief an sie.

Mit der in den neunziger Jahren im Zuge der Girlie-Bewegung aufgekommenen lockeren Sprache, in der das redaktionelle "wir" zum Stellvertreter für das Leser-Ich gemacht wird, wird die Vermessung der Weiblichkeit vorangetrieben, als wäre der Dildo gerade erst erfunden worden.

Ramsch und Rammeln

"Alley Cat" beweist journalistisch dabei schon jetzt die Routine alter Hasen im Hochglanzbusiness. Die Bildqualität ist amtlich, die Rhetorik souverän.

Das konzeptuelle Dilemma des Blatts ist jedoch nicht zu übersehen, es ist das Paradox des schlechten Liebhabers: Er will einfach zu viel. "Alley Cat" soll buchstäblich alles verkörpern, Kaufanreiz ebenso wie attraktive Anzeigenfläche sein. Entsprechend wurde das Grundkonzept um Mode-, Beauty- Reise- und Krimskramsseiten erweitert.

Am Ende geht es einem mit "Alley Cat" wie mit einem unsensiblen Mann: Man fühlt sich durchgerammelt.



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