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Guerilla-Aktion in Freital: "Nazis essen heimlich Falafel"

Von Hannah Knuth

Künstlergruppe "Dies Irae": Werbeplakate gegen Rechtsextremismus Fotos
Dies Irae

Seit Wochen kommt es im sächsischen Freital zu Protesten gegen Asylbewerber. Die Künstlergruppe "Dies Irae" hat jetzt reagiert - und über Nacht entlarvende Anti-Rassismus-Plakate aufgehängt.

"Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm - der Nazi macht es andersrum": Wer am Donnerstagmorgen im sächsischen Freital noch recht verschlafen gen Bushaltestation schlurfte, dürfte schnell wach gerüttelt worden sein: An zehn Bushaltestationen prangten keine üblichen Werbeplakate, sondern schwarz-weiße Poster mit provokanten Sprüchen gegen Rechtsextremismus: "Alle Menschen sind Ausländer. Fast überall. Alle Rassisten sind Arschlöcher. Überall" zierte die eine Werbefläche, "Nazis essen heimlich Falafel" eine andere.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde der Stadt von Mittwoch auf Donnerstag eine Anti-Rassismus-Kampagne verhangen. Hinter der Aktion steckt die Künstlergruppe "Dies Irae", übersetzt: Tag des Zorns.

Die Gruppe gehört zur AdBusting-Bewegung, bei der Künstler Werbeplakate überkleben oder umgestalten. "Wir definieren uns als politische und selbst-denkende Menschen, die den öffentlichen Raum von der visuellen Umweltverschmutzung, auch Außenwerbung genannt, befreien. Wir meinen, dass es legitim ist, den öffentlichen Raum anzueignen - statt ihn der Werbeindustrie zu überlassen", sagte die Künstlergruppe zu SPIEGEL ONLINE.

Mit der Plakataktion will "Dies Irae" Solidarität mit den Flüchtlingen und engagierten Bürgern Freitals zeigen. Zur Großansicht
Dies Irae

Mit der Plakataktion will "Dies Irae" Solidarität mit den Flüchtlingen und engagierten Bürgern Freitals zeigen.

Innerhalb von 90 Minuten soll die Gruppe die Glaskästen der Werbeflächen aufgemacht und die Werbeposter gegen ihre eigenen zehn Plakate ausgetauscht haben. Mittlerweile soll die zuständige Firma der Werbeflächen die Poster wieder abgenommen haben.

In der knapp 40.000 Einwohner großen Stadt kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu rassistischen Protesten gegen Asylbewerber. Erst kürzlich führte eine Bürgerversammlung zu heftigen Tumulten: Asylgegner brüllten Andersdenkende nieder, wurden handgreiflich.

Mit der Plakataktion will die Gruppe "Solidarität mit den Geflüchteten ausdrücken". Deshalb hängten die Künstler das Plakat "Refugees Welcome" in unmittelbarer Nähe des Asylheims auf. Auch wollten sie denjenigen Solidarität zeigen, "die sich vor Ort in Freital für die Geflüchteten engagieren. Sie sollen sich ermutigt fühlen, laut auszusprechen, was sie von dem rechten Gedankengut halten."

In unmittelbarer Nähe des Asylheims platzierte die Künstlergruppe das Plakat "Refugees Welcome". Zur Großansicht
Dies Irae

In unmittelbarer Nähe des Asylheims platzierte die Künstlergruppe das Plakat "Refugees Welcome".

Die AdBusting-Gruppe ist bereits in anderen deutschen Städten aufgefallen. Auf ihrer Facebook-Seite erklärt sie, die Aktion sei ihre "größte Intervention in einer verhältnismäßig kleinen Stadt, in der ein kleiner brauner pöbelnder Mob so viel unangenehme Aufmerksamkeit herbeiführte".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 126 Beiträge
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1. 626
otto_iii 24.07.2015
Warum mieten die die Plakatboxen nicht einfach legal an? Dann könnten Plakate weit länger dort hängen bleiben. Es gibt genügend öffentlich geförderte "Gegen Rechts"-Initiativen, da müsste doch Geld für die Anmietung vorhanden sein.
2. Refugees welcome...
Christoph333 24.07.2015
Ich finde das Plakat irgendwie immer rassistisch, weil dort das Kind immer so hinterhergezerrt wird...fast schwebt es in der Luft. Sehr unschön, das wollte ich hiermit einmal sagen.
3. Tolle Aktion!
voiceecho 24.07.2015
Hoffentlich hilft es einigen aufzuwachen und festzustellen, dass Rassismus keine Meinung oder Einstellung ist,sondern ein Verbrechen! Diese ewiggestrigen Kleingeister sind eine Schande für Deutschland und bringen unser Land in Verruf.
4. Vorschlag:
irgendwer_bln 24.07.2015
Jeder Asylgegner möge 1 Woche in der Region leben, aus denen er keine Flüchtlinge einwandern lassen möchte. Wenn: - er/sie das überlebt - die Jahre vergangen sind können sie wiederkommen. Und hoffen, dass andere nicht ihren Platz eingenommen haben... Mit welchem Recht ... "brüllen" sie und "werden handgreiflich", wenn sie Andersdenkenden begegnen? Überlegen Sie wie die Situation wäre, wenn das alle täten!!!
5. Na bitte
golems-bruder 24.07.2015
Starke Aktion! Manchmal kann Kunst viel mehr Bewegen und Umstände illustrieren als manch mahnender Politiker oder kritische Medien.
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