Erfundene Star-Interviews Fälschungsvorwürfe gegen Frauenzeitschrift "Freizeitwoche"

Alkohol, Sex und Depressionen: In der Frauenzeitschrift "Freizeitwoche" plauderten Hollywoodstars erstaunlich intime Details aus. Jetzt sagen mehrere von ihnen, die "exklusiven" Interviews seien gefälscht.

Sandra Bullock
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Sandra Bullock

Von Mats Schönauer


Brad Pitt, George Clooney, Julia Roberts, Tom Hanks, Johnny Depp, Matt Damon, Jennifer Lawrence, Tom Cruise, Al Pacino, Scarlett Johansson, Mel Gibson - Interviews mit mehr als 120 Hollywoodstars hat die Frauenzeitschrift der Verlage Bauer und Klambt in den vergangenen zwölf Jahren veröffentlicht.

Viele der Stars tauchen sogar mehrfach mit einem angeblich "exklusiven" Interview in der "Freizeitwoche" auf. Bis heute sind dort unglaubliche 300 Interviews mit internationalen Superpromis erschienen.

Bemerkenswert ist nicht nur die gigantische Menge, sondern auch die Offenheit, mit der die Stars über ihr Privat- und Seelenleben plaudern. Scheinbar ungehemmt erzählen sie von Alkoholproblemen, Fehlgeburten und Selbstmordversuchen, sie kommentieren Gerüchte, sprechen über Seitensprünge und beleidigen Kollegen.

Doch wie viele dieser Gespräche echt sind, ist unklar. Auf Anfrage von Übermedien.de erklären die Sprecher mehrerer Hollywoodstars, die Interviews seien gefälscht.

Sandra Bullock wehrt sich nun juristisch gegen die "Freizeitwoche". Gleich sechs vermeintlich exklusive Interviews mit der Schauspielerin hat die Zeitschrift seit 2005 abgedruckt, das jüngste erschien vor knapp vier Monaten. Bullock offenbart darin unter anderem Details über ihre Beziehung, ihre Kinder und ihr "sexuelles Verlangen". Offenbar alles gefaked.

"Diese Interviews haben nie stattgefunden", sagt Bullocks Anwältin Nina Lüssmann von der Hamburger Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall. Gegen fünf Interviews geht Bullock nun vor, ein Fall ist bereits verjährt.

Die Interviews kommen angeblich von erfahrenen Korrespondenten

Auch die Sprecher von Sean Connery, Catherine Deneuve und Roger Moore gehen nach Informationen von Übermedien.de davon aus, dass die Interviews mit ihren Klienten gefälscht sind.

  • Übermedien ist das unabhängige Onlinemagazin für Medienkritik, gegründet Anfang 2016 von Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz, finanziert durch Abonnements.
  • Mehr unter: uebermedien.de

Die Sprecherin von Catherine Deneuve - die Schauspielerin hatte in zwei Interviews unter anderem über ihre Scheidung, ihre Affären und über die Krampfadern von Clint Eastwood gesprochen - sagt: "Catherine Deneuve hat diesem Magazin noch nie ein Interview gegeben." Die abgedruckten Texte basierten zum Teil auf Aussagen, die "vor langer Zeit" in einem anderen Magazin erschienen sind. Vieles sei jedoch "komplett erfunden".

"Freizeitwoche"-Chefredakteur Michael Graf dementiert, dass sein Blatt gefälschte Interviews veröffentlicht habe. Das sei eine "haltlose Unterstellung", sagte er Übermedien.de auf Anfrage. Die Redaktion bekomme die Interviews von "erfahrenen Korrespondenten" im Ausland und "von freien Mitarbeitern, mit denen wir seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten". Zurzeit gebe es lediglich "mit einer interviewten Person, mit der einer unserer freien Mitarbeiter gesprochen hat, juristischen Klärungsbedarf."

Die ganze Geschichte lesen Sie auf Übermedien.de.

Korrektur: In einer früheren Version stand: "Gleich sechs vermeintlich exklusive Interviews mit der Schauspielerin hat die Zeitschrift seit 2005 abgedruckt, das jüngste erschien vor knapp zwei Monaten." Das letzte vermeintlich exklusive Interview erschien jedoch vor knapp vier Monaten.

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insgesamt 14 Beiträge
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petra.stein 10.10.2016
1.
ich glaube eh nichts solcher Billig-Abklatsch 0-8-15 Heftchen nichts...danach wäre Vicotria von Schweden zum zehnten mal Schwanger, Elvis würde heute noch rumrennen und mit James Dean einen Wisky trinken.... Ich lach mich immer über die "Schlagzeilen", die diese Käseblättchen hervorbringen, jedes mal halb krank.... Und ja, sie waren IMMER dabei, wenn einer mal Verstopfung hat, verkleidet als Klorolle oder was... Und wenn ein "Star" schon berühmten Reportern kein Interview gibt, wird er einem unbekannten Männchen aus ner billig-Zeitschriften-Kolumme gerade "sein Intimstes " preisgeben... da muss ich immer an Günther Wallraf denken, als er bei der Bild mal gearbeitet hab (hab sein Buch dann auch gelesen). Und in der Schule haben wir das damals auch schon durchgenommen (über 30 Jahre schon her)... so alt ist dieses Thema schon mindestens..
geirröd 10.10.2016
2. Bei der Anzahl....
...an Yellow Press Zeitschriften wundert es mich nicht - sonst müssten die Promis ja von morgens bis abends Interviews geben....
felisconcolor 10.10.2016
3. und
sie werden gekauft und gekauft und gekauft... merkt ihr was? Da machen renomierte Tageblätter zu wegen sinkender Verkaufszahlen und hier?
helga.buensel 10.10.2016
4. Das soll eine Zeitschrift sein?
Wer liest denn auch so 'ne Zeitung. Nicht mal beim Friseur würd ich sowas in die Hand nehmen, geschweige denn beim Arzt im Wartezimmer. Und doch muß es Personen geben, die sowas konsumieren. Armes Deutschland.
frenchie3 10.10.2016
5. Na, vielleicht glaubt der Verleger
die Interviews wären echt. Ein fauler und phantasievoller Mitarbeiter der so was an einen Tag aufsetzt wo er keine Lust hat aus dem Bett zu steigen? Homeoffice zu 110 Prozent....
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