"Frösi"-Revival Micky Maus der DDR wieder am Kiosk

Ostalgie im Blätterwald: Das Kindermagazin "Fröhlich sein & singen", kurz "Frösi", erschien von 1953 bis 1990 in der DDR und galt als "Micky Maus" des Ostens. Ende April bringt ein kleiner Berliner Verlag das Heft neu heraus.

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Ost-Magazin "Frösi": Fröhlich sein und singen

Ost-Magazin "Frösi": Fröhlich sein und singen

Berlin - "Wie in der alten Frösi" soll nach Aussage von Geschäftsführer des Paperduck Verlags, Bernd Wishöth, alles aussehen. Das Heft, das zunächst "Fröhlich sein & singen" hieß und alsbald unter der Abkürzung "Frösi" firmierte, war in der Mischung aus Comics, Berichten und Reportagen, Spielanleitungen und Bastelbögen einmalig in der DDR. Angepeilt werde mit dem neuen Heft eine Zielgruppe zwischen acht und zwölf Jahren. Gimmicks, wie etwa in der "Micky Maus", werde es keine geben. "Die meisten Magazine heutzutage", so Wishöth, "unterschätzen ihre Leser. Sie trauen der Intelligenz der Kinder nicht." Darum verzichte man bei dem Berliner Verlag auf Plastikspielzeug und setze auf geistige Werte. "Es ist sicher möglich, dass nicht alle Leser alle Rätsel lösen können. Wir wollen aber auch kein Heft machen, das allen gefällt."

Für die Redaktion des Magazins sind zwei ehemalige "Frösi"-Redakteure zuständig. Andreas Strozyk und Egge Freygang verdienten sich in den letzten DDR-Ausgaben des Magzins ihre ersten Sporen. Damals bot das Heft eine kindgerechte Mischung aus Unterhaltung, Information und Propaganda. Von frühen Computerkursen bis zum Bastelbogen "Wir basteln einen Panzer" war alles dabei. Auf dem westdeutschen Medienmarkt konnte sich das Heft nach der Wende nicht halten und wurde 1991 eingestellt.

Bereits 2002 hatte Wishöth eine kleinformatige Null-Nummer der "Frösi" produziert, die der Tageszeitung "Neues Deutschland" ("ND") beilag. "Endlich im Neuen Deutschland angekommen", hieß es doppeldeutig auf dem Cover. Geplant war, das Heft als monatliche Gratis-Beilage im "ND" und weiteren ostdeutschen Tageszeitungen unterzubringen. Das Projekt scheiterte jedoch am fehlenden Geld, es blieb bei der Testausgabe.

Zwar verspricht Wishöth auch eine Modernisierung des alten Heftkonzepts, die Homepage des Heftes aber lässt erahnen, wohin der Kurs geht. Da finden sich die Comicfiguren Otto und Alwin, Atomino, Käpt'n Lütt - für ältere ostdeutsche Leser die Pendants zu Donald Duck, Fix & Foxi oder Lupo. Dazu passend geht das Magazin vorerst nur im Osten an den Kiosk. Westdeutsche Leser werden nur im Abo beliefert.

"Frösi" fügt sich somit nahtlos ein in die derzeitige Retrowelle der Kindermagazine. Für den Sommer angekündigt ist ein Relaunch von "Yps mit Gimmick", im Herbst soll "Fix & Foxi" wieder erscheinen.

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