"Frontal" ZDF-Journalist Bodo Hauser gestorben

Der ZDF-Journalist Bodo H. Hauser ist im Alter von 58 Jahren gestorben. Bekannt wurde er in den neunziger Jahren durch die geistreich-polemischen Streitgespräche mit seinem Co-Moderator Ulrich Kienzle im Polit-Magazin "Frontal".


TV-Journalist Hauser (1997): "Noch Fragen, Kienzle?"
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TV-Journalist Hauser (1997): "Noch Fragen, Kienzle?"

Hamburg - Der gebürtige Krefelder Bodo Hugo Hauser war in den siebziger Jahren zum ZDF gekommen, wo er beim "Länderspiegel" arbeitete und später die "Bonner Perspektiven" moderierte. Die Nachfolgesendung von Gerhard Löwenthals "ZDF-Magazin" übernahm er 1988, ab 1991 moderierte der "Herr der Magazine" ("Die Welt") die Polit-Sendung "Frontal", zunächst bei 3sat. Ab 1993 wurde das Format vom ZDF übernommen und mit Hauser und dem ehemaligen ZDF-Auslandschef und Nahost-Korrespondenten Ulrich Kienzle besetzt.

Die Sendung wurde im Zuge der neunziger Jahre vor allem wegen der witzig-geistreichen, oft auch polemischen Streitgespräche zwischen den beiden Moderatoren populär. Vor allem Hausers Spruch "Noch Fragen, Kienzle?" erreichte zeitweise Kultstatus.

Der parteilose Hauser vertrat den konservativen Standpunkt, Kienzle vertrat die "linke" Seite. Die Doppelmoderation sollte das einseitige Links-Rechts-Schema der Politmagazine aufbrechen. Nach Hausers Worten war zwischen ihm und Kienzle eine "humorig gepflegte Hassliebe" entstanden. Das erweiterte Themenspektrum der Sendung umfasste Polit-Analysen ebenso wie "bunte Geschichten". Die Mischung aus angeregter Diskussion und zeitgemäßen Themen bescherte der Sendung schnell eine große und treue Fangemeinde.

Mit einer Quote von durchschnittlich vier Millionen Zuschauern hatte sich "Frontal" bis Januar 1996 zur beliebtesten Magazin-Sendung des ZDF entwickelt. Die konfliktträchtige Doppelmoderation galt als Erfolgsrezept. Ein wahrer "Kienzle/Hauser-Fanclub" (DER SPIEGEL) hatte sich gebildet, das Buch "Noch Fragen Kienzle? Ja Hauser! Der offizielle deutsche Meinungsführer" hielt sich 1995 zehn Monate lang auf den Bestsellerlisten.

Der Zuschauererfolg ermutigte die beiden Moderatoren, eine weitere Streitshow zu konzipieren. "Hauser & Kienzle und die Meinungsmacher" hieß die neue Sendung, in der einmal im Monat Kommentatoren und Leitartikler aus den deutschen Medien in einem virtuellen Studio ihr Statement abgeben sollten. Über drei Millionen Zuschauer verfolgten im Februar 1997 die Premiere der neuen Show. Die Kritik fiel allerdings weitgehend negativ aus, so dass die Sendung nach nur elf Folgen eingestellt wurde.

Auch "Frontal" hatte seinen Zenit zu diesem Zeitpunkt bereits überschritten. Eingestellt wurde die Show im Jahre 2000 nach 290 Sendungen, weil Ulrich Kienzle mit 65 Jahren das Rentenalter erreicht hatte und Hauser sich keinen anderen Gegenpart für "Frontal" vorstellen konnte. Nach Meinung vieler Kritiker hatte sich zu diesem Zeitpunkt das Konzept, jedes Thema sowohl aus SPD-, als auch aus CDU-Sicht zu betrachten, ohnehin überholt. Hauser wechselte 2001 als Programmgeschäftsführer zum Dokumentationskanal Phoenix, wo er unter anderem die Sendungen "Unter den Linden", die "Politikgespräche auf dem Petersberg" und das Forum "Pariser Platz" moderierte.

1995 bekam der Fernsehjournalist den Medienpreis "Bambi" verliehen, 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. ZDF-Intendant Markus Schächter würdigte Hauser am Freitag als einen herausragenden Vollblutjournalisten. Seine Arbeit sei von hohem Verantwortungsbewusstsein geprägt gewesen. Neben den unterhaltsamen Dialogen zwischen den streitbaren Partnern habe das investigative Magazin "Frontal" auch inhaltlich neue Maßstäbe in der politischen Berichterstattung gesetzt, sagte Schächter.

Phoenix-Programmgeschäftsführer Klaus Radke sagte, mit Hauser verliere der Sender "einen respektierten Kollegen und herausragenden Journalisten, der das Profil des Senders entscheidend geprägt hat". Die Nachricht von seinem Tod habe alle tief bestürzt.

Bodo Hauser war in der Nacht zum Freitag im Alter von 58 Jahren an einer Lungenembolie gestorben.



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