Fuchsberger-Special Charakterkopf im Höhenflug

Für Joachim Fuchsbergers Geburtstags-Sause wollte die ARD hoch hinaus - also steckte sie den Jubilar in einen Flieger. Abgehoben wirkte der Fernseh-Veteran dennoch nicht. Er ist eben ein Routinier. Auch wenn die Luft dünn wird.

Von Reinhard Mohr


Runde Geburtstage, erst recht im hohen Alter, haben es in sich. Besonders bei prominenten Persönlichkeiten aus Funk, Film und Fernsehen. Es drohen "Gala"-, "Spezial"- und Superextrasondersendungen mit einem eher älteren Publikum, das gern an kleinen Tischchen platziert wird, auf denen rote Lampenschirme und halbvolle Sektgläser fürs angemessen feierliche Ambiente sorgen. Alte Freunde treten auf und gratulieren, man lacht und weint ein bisschen und ist schwer gerührt. As time goes by.

TV-Veteran Fuchsberger: Mit 80 noch am Medien-Steuer
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TV-Veteran Fuchsberger: Mit 80 noch am Medien-Steuer

Im kommenden Sommer, zu seinem Fünfzigsten, ist Harald Schmidt an der Reihe. Er sollte sich warm anziehen: Die ARD plant da was.

Gestern Abend, zum Achtzigsten von Joachim "Blacky" Fuchsberger, entschied sich das Erste fürs Cockpit als Partybühne. In einer echten "Ju 52" saß der Jubilar und Hobbyflieger am Edelholzsteuer und flog, so weit zu erkennen, kreuz und quer über den Alpenraum.

Neben ihm der Schauspieler und Kabarettist Jochen Busse als Co-Pilot, zugleich "Navigator", Fragensteller und Moderator. Die große Promi-Gratulantenschar hatte man "virtuell" in die Kulisse des Passagierraums verbannt. Nur Mario Adorf und Ehefrau "Gundel" durften vorübergehend im real existierenden Cockpit vorbeischauen.

Eine rot gewandete "Stewardess" musste für Zwischenschnitte herhalten, die dann doch das übliche Peinlichkeitsniveau derartiger Feierstunden erfüllten. Dass auch Sabine Christiansen "mitflog" und ihren Rosengruß als Unicef-Botschafterin in geübt steifleinener Humorlosigkeit entbot, passte allerdings schon wieder ins Bild.

Aber auch Boris Becker, der seinen Geburtstagsspruch beinah fehlerfrei vom Teleprompter ablas – anders als Showprofis wie Franz Beckenbauer, Max Greger, Christopher Lee und Harry Belafonte, denen immerhin selbst ein paar nette Sätze einfielen.

Der Fernsehmann als Grandseigneur

Der Rest war ein hier und da durchaus bewegender, vom rüstigen Jubilar immer wieder lächelnd kommentierter Bilderbogen aus mehr als fünfzig Jahren, eine Zeitreise von den Fünfzigern bis heute: Film- und Fernsehunterhaltung als vorüber fliegende Zeitgeschichte.

Wer alt genug ist und deshalb mit "Lassie", "Flipper" und Luis Trenker ("Burrrschen, hob I gsogt, fallt’s mir net in die Gletscherspalte, gell?!") aufwuchs, erinnert sich noch an den Fernsehmoderator, Showmaster und Entertainer Joachim Fuchsberger. Graumeliert und souverän, jovial und humorvoll, ein attraktiver Charakterkopf vor allem der siebziger Jahre – ob in der Samstagabendshow "Auf los geht’s los" oder in der Talkshow "Heut’ Abend". Ein weltgewandter Herr, ein Grandseigneur, auch wenn ihm manchmal flapsige, gar anzügliche Sprüche herausrutschten, für die ihn anschließend die Presse rügte.

Dass er gut zehn Jahre zuvor in Streifen wie "Der Frosch mit der Maske" (1959), "Die toten Augen von London" (1961), "Der Hexer", "Der schwarze Abt" (1963) und anderen jener berüchtigten Edgar-Wallace-Verfilmungen tragende Rollen gespielt hatte, nahm ihm jedoch niemand übel. Im Gegenteil.

"Brauchbarer Darsteller"

Als großer Schauspieler galt der Autodidakt in allen Lebenslagen sowieso nicht, und der deutsche Nachkriegsfilm verlangte auch nicht wirklich nach Humphrey Bogarts und Marcello Mastroiannis, nach Cary Grants und Jean Paul Belmondos. Dafür hatten wir Liselotte Pulver und Theo Lingen. Joachim Fuchsberger aber war immer eines gewesen: Joachim Fuchsberger. Ein "brauchbarer Darsteller", wie er selber sagte, dafür ein hervorragender, markanter Moderator.

Auf seine unverwechselbare Weise war er immer er selbst: sympathisch, aufgeklärt konservativ, geradlinig. Und ziemlich charmant.

So war es kein Zufall, dass "Blacky" Fuchsberger zum Chefsprecher der Olympischen Spiele in München 1972 ernannt wurde. Seine sonore Stimme repräsentierte, politisch-ideologisch ein wenig paradox, tatsächlich das neue, moderne Deutschland von Bundeskanzler Willy Brandt – auch der übrigens ein Autodidakt.

Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1945, gerade achtzehn Jahre alt, arbeitete Fuchsberger als Bergmann in der Recklinghauser Zeche Ludwig II, als Monteur und Verlagsangestellter. 1949 war er Werbeleiter der "Deutschen Bauausstellung" in Nürnberg, danach Sprecher des damaligen Münchner Rundfunks, Conférencier, Texter, Wochenschausprecher. Später schrieb er ein paar Lieder für Udo Jürgens und Harry Belafonte.

Dass er ein halbes Jahrhundert später einen freundschaftlichen Geburtstagsgruß von Alice Schwarzer empfangen würde, war ihm damals noch nicht in die Pascha-Wiege der Nachkriegszeit gelegt worden, als die deutsche Hausfrau noch Hausfrau war: Man nehme Dr. Oetker... Aber der Mann hat sich entwickelt – wie wir.

Als er kurz vor Weihnachten 1985, entnervt, verärgert und mit öffentlichem Tamtam, seine Samstagabendshow "Auf los geht’s los" aufgab, da hatte er sie alle schon, meist auch privat, erlebt: Kirk Douglas und Lee van Cleef, Gert Fröbe, Hans Albers und Romy Schneider, Joan Baez und Alain Delon. Sein Rückzug nach Australien, das für ihn längst die zweite Heimat geworden ist, hat ihm wieder den nötigen Abstand zu all dem merkwürdigen Treiben verschafft.

Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass er nun, nach einer ersten Absage, für die Mitwirkung an dem aktuellen Film "Neues vom Wixxer" bereit war. Die Fortsetzung der Parodie auf den "Hexer" von 1963 zeigt ihn nicht mehr nur als "brauchbaren" Darsteller und versierten Showmaster, sondern als Charakterkopf inmitten zappelnder junger Männer, die seine Fans sind.

Manchmal geht die Geschichte eben doch gut aus.



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