"Fucking Brilliant" Fluchen im US-Fernsehen wieder erlaubt

Wenn Bush flucht, darf Bono das auch. Mit einem spektakulären Urteil hat ein US-Gericht jetzt entschieden, dass Fernsehsender für Kraftausdrücke auf ihren Kanälen nicht mehr mit Geldstrafen belegt werden dürfen.


Washington - Ein amerikanisches Berufungsgericht hat eine umstrittene Auflage der Fernmeldeaufsicht FCC (Federal Communications Commission) für nichtig erklärt. Das berichtet die "New York Times". Demnach mussten Fernsehanstalten mit Bußgeldern rechnen, wenn in ihren Sendungen Vulgärsprache gebraucht wurde.

U2-Sänger Bono und Gitarrist The Edge: Ist der Ausruf "fucking brilliant" für Kinderohren schädlich?
DPA

U2-Sänger Bono und Gitarrist The Edge: Ist der Ausruf "fucking brilliant" für Kinderohren schädlich?

Alles begann mit einem Freudenausbruch von U2-Leadsänger Bono. Während der Golden-Globe-Verleihung im Jahr 2003 rief er aus: "This is really, really fucking brilliant!" Die FCC belangte daraufhin den US-Sender NBC. Die FCC-Abgesandten von Präsident Bush ordneten eine striktere Sprachregelung für die Ausstrahlung von Sendungen an. Das amerikanische Gesetz verbannt sogenannte "fleeting expletives" vom Bildschirm, also "flüchtige", sprich: im Affekt gebrauchte, Kraftausdrücke. Die US-Gerichtsbarkeit äußerte sich nun skeptisch, ob die Fernmeldeaufsicht eine verfassungskonforme Erklärung für diese Regelung liefern könne.

Hauptargument der Richter ist ein Einwand der Anwälte des Fernsehsenders NBC, dass führende Politiker ungestraft davonkommen, wenn sie sich vulgärsprachlicher Ausdrücke bedienen. Prekärer Präzedenzfall: Präsident Bush selbst wurde beispielsweise auf dem G-8-Gipfel in St. Petersburg im Juli 2006 von einer Kamera dabei ertappt, wie er im Gespräch mit Englands Premierminister Tony Blair das Wort "Shit" gebrauchte. Mit diesem Schimpfwort bezeichnete er die Gewaltakte der radikal-islamischen Hisbollah, gegen die Syrien vorgehen solle. Die Szene ist im Video-Portal YouTube abrufbar.

Für die vier Kläger, die US-Sendeanstalten Fox, CBS, NBC und ABC, ist der neue Gerichtsentscheid ein großer Sieg in dem Kampf, den sie gegen die Medienaufsicht FCC und ihre Unterstützer führen. Der Sprecher der FCC, Kevin J. Martin, äußerte sich enttäuscht: "Ich stimme dem Gerichtsentscheid in keiner Weise zu und bin enttäuscht für die amerikanischen Familien." In der Auseinandersetzung um Flüche und vulgäre Ausdrücke im US-Fernsehen fordert die FCC stets den Zuschauerschutz - besonders von Kindern. Im Gegensatz dazu unterstreichen die Sendeanstalten ihr Grundrecht auf künstlerische Freiheit, wie es in der amerikanischen Verfassung verankert ist. In diesem Sinne begrüßte jetzt der Vizepräsident des Senders Fox, Scott Grogin, das Umschwenken der Gerichtsbarkeit auf die Linie der Fernsehanstalten. Die Zuschauer sollten selbst für sich und ihre Familien entscheiden können, welche Sendungen und Informationen in ihren Haushalten gesehen werden dürfen. Dafür könnten die verfügbaren Kontroll-Technologien ("Kindersicherung") genutzt werden, sagte Grogin.

bos



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