"Gaskammer"-Streit Giordano und Pro Köln gehen vor Gericht

Der Streit um Ralph Giordanos Gaskammer-Äußerungen gegen die Partei Pro Köln wird jetzt vor Gericht ausgefochten. Die rechtsextreme Organisation hatte dem jüdischen Publizisten ein Ultimatum gesetzt, doch Giordano will nichts zurücknehmen.


Köln - Giordano, 84, hatte Pro Köln als "lokale Variante des zeitgenössischen Nationalsozialismus" bezeichnet, deren Mitglieder, "wenn sie könnten, wie sie wollten, mich in eine Gaskammer stecken würden." Aufgrund dieser Äußerung erstattete die rechtsextreme Partei Strafanzeige gegen Giordano und hatte ihm bis heute Mittag eine Frist zum Widerruf gegeben.

Publizist Giordano: "Ich werde nicht widerrufen"
DDP

Publizist Giordano: "Ich werde nicht widerrufen"

"Ich nehme nichts zurück", stellte der renommierte Autor und Holocaust-Überlebende ("Die Bertinis") heute gegenüber der dpa klar: "Ich werde nicht widerrufen. Ich habe mich mit meinem Anwalt besprochen und wir werden die Sache in Angriff nehmen."

Nach seiner Kritik am Bau einer Kölner Großmoschee war Ralph Giordano ungewollt mit Pro Köln in eine Ecke gestellt worden. Durch die Gaskammer-Äußerungen hatte er sich klar von der rechtsextremen Partei distanziert.

Bei einer Bürgeranhörung im Kölner Stadtteil Ehrenfeld hatten nicht nur Mitglieder von Pro Köln gegen den Moscheebau Stimmung gemacht, sondern auch Giordano. Während die Rechtsextremisten mit anti-muslimischer Hetze die Atmosphäre aufheizten, erhielt der Schriftsteller Gegenwehr dafür, dass er muslimische Burka-Trägerinnen als "Pinguine" bezeichnete. Im Interview mit der 3sat-Sendung "Kulturzeit" differenzierte er diese Aussage gestern Abend und präzisierte, dass Frauen durch den Zwang, das umstrittene Kleidungsstück zu tragen, zu Pinguinen gemacht würden.

bos/dpa



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