Spanische Hollywoodstars Bardem und Cruz werfen Israel "Völkermord" vor

Über hundert spanische Künstler um Javier Bardem, Penélope Cruz und Pedro Almodóvar haben in einer Facebook-Petition Israel scharf kritisiert. In dem "Kommuniqué der Kultur gegen den Völkermord an Palästinensern" fordern sie den sofortigen Waffenstillstand.

Schauspielerpaar Javier Bardem und Pénelope Cruz: Heftige Kritik an Israel
Corbis

Schauspielerpaar Javier Bardem und Pénelope Cruz: Heftige Kritik an Israel


Madrid - Die Wortwahl ist drastisch, der Vorwurf äußerst heftig: Mehr als hundert spanische Künstler haben Israel vorgeworfen, im Gaza-Konflikt einen "Völkermord" zu begehen - darunter Starregisseur Pedro Almodóvar sowie die miteinander verheirateten Hollywood-Stars Penélope Cruz und Javier Bardem. In einer Petition auf Facebook verlangen Schauspieler, Musiker, Schriftsteller und Kinoregisseure einen sofortigen Waffenstillstand. Die spanische Regierung und die Europäische Union werden aufgefordert, "die Bombardements gegen die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen von der Luft sowie von Land und See aus zu verurteilen."

Der Veröffentlichung des "Kommuniqué der Kultur gegen den Völkermord an Palästinensern" war ein polemischer offener Brief von Bardem vorausgegangen, den spanischsprachige Zeitungen und Webseiten veröffentlichten. "Angesichts des "Horrors" sei eine neutrale Haltung im Gaza-Konflikt nicht angemessen, schreibt Bardem darin. "Es ist ein Besatzungs- und Auslöschungskrieg gegen ein Volk ohne Mittel", so der Oscar-Preisträger, "schwer zu verstehen und unmöglich zu rechtfertigen." Die Haltung des Westens, "diesen Völkermord zuzulassen", sei "beschämend".

"Viele Menschen, die ich sehr mag, sind Juden"

Das von Dutzenden Künstlern unterzeichnete "Kommuniqué" ist im Gegensatz zu Bardems offenen Brief sprachlich und inhaltlich etwas gemäßigter. Die Künstler fordern darin den Rückzug Israels auf die Grenzen von 1967 und eine sofortige Aufhebung der Gaza-Blockade. Israelis und Palästinenser sollten verhandeln, um einen "gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen", heißt es weiter. Die Grenzübergänge müssten sofort geöffnet werden, um die Mobilität der Bevölkerung, den Einsatz von Ärzteteams und die Verteilung von Medikamenten und Lebensmitteln zu ermöglichen, so die Unterzeichner.

Dem Verdacht, antisemitische Ressentiments anzustacheln, wollte Bardem in seiner Stellungnahme offenbar entgegentreten: "Ja, mein Sohn ist in einem jüdischen Krankenhaus geboren, weil viele Menschen, die ich sehr mag und dir mir nah sind, Juden sind, und weil jüdisch zu sein nicht synonym mit der Unterstützung dieses Massakers ist, genauso wie Hebräer zu sein nicht das gleiche ist, wie Zionist zu sein, und Palästinenser zu sein nicht bedeutet, Hamas-Terrorist zu sein", schreibt Bardem. "Das wäre so absurd wie zu behaupten, als Deutscher wäre man immer mit Nazitum verbündet."

mxw/dpa



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