Gedenkstätte Checkpoint Charlie Zwei Panzer. Wenn das Geld reicht.

Vor 22 Jahren fiel die Mauer, der Kalte Krieg ging zu Ende. Auf eine angemessene Gedenkstätte warten die Berliner noch heute. In frühestens drei Jahren soll nun am Checkpoint Charlie ein Museum eröffnen. Solange gibt es eine schwarze Holzhütte und einen ausgebauten Bilderzaun.

DPA

Von Christian Pfaffinger


Die Wände sind dünn, aus Holz zusammengeschraubt und verleimt, die Fenster sind aus Plastik. Es riecht nach Baumarkt. Keile aus Holz, die bis zur Decke ragen, unterteilen den Raum. Hier werden noch Monitore eingebaut. In diesem 15 mal 15 Meter großen Bau entsteht eine Ausstellung, die Berlins zentrale Erinnerung an den Kalten Krieg sein soll. Erst mal.

Schon lange plant Berlin ein Museum am Checkpoint Charlie - und ist damit bisher gescheitert. In drei Jahren könnte nun das "Museum des Kalten Krieges" im Gebäude eines privaten Investors eröffnen. Für die Wartezeit gibt es die "Black-Box". Ein schwarzes Info-Häuschen, in dem Besucher ab Mitte 2012 eine Ausstellung mit Plakaten, Tonaufnahmen und Filmen sehen können. Es ist nur das Vorspiel zum Gedenken. Aber es ist ein Fortschritt in der langsamen Suche Berlins nach einer Gedenkstätte an den Kalten Krieg.

Der Checkpoint Charlie war zentraler Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen Ost- und Westmächten. Hier standen sich im Oktober 1961 alliierte und sowjetische Panzer gegenüber. Kaum ein anderer Ort in Berlin steht so sehr für den Kalten Krieg - den Konflikt, der die Welt jahrzehntelang spaltete.

Alles Attrappe

Heute ist der Checkpoint eine Touristenmeile, auf der Händler mit Fellmützen Mitbringsel im Sowjet-Look verkaufen und verkleidete Schauspieler Einreisestempel in Pässe drücken. Ein kleines weißes Kontrollhäuschen steht in der Mitte der Straße. Es ist eine Attrappe. Die echte Kontrollbaracke wurde schon ein Jahr nach dem Mauerfall abgebaut, sie steht heute im Alliierten-Museum.

Auch das private Museum "Haus am Checkpoint Charlie" ist eher eine touristische Sammlung als eine historische Dokumentation. Deshalb beklagen Politiker, dass es bisher keinen Ort in Berlin gibt, der den Kalten Krieg historisch angemessen aufarbeitet. In den Augen vieler Berliner verkommt der Platz zur traurigen Kulisse.

"Es ist ein Ort, der sehr stark dem Kommerz anheim gefallen ist", beschwert sich der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz. Ein "Museum des Kalten Krieges" soll das nun ändern und die Auseinandersetzung mit dem historischen Konflikt ermöglichen. Es soll 3000 Quadratmeter groß werden und auf einem der umliegenden Gelände stehen, die seit fast 20 Jahren brach liegen. Sie gehören der "Checkpoint Charlie KG", die 2003 Insolvenz anmelden musste.

Der irische Investor Cannon Kirk verhandelt momentan noch mit dem Konkursverwalter der KG. Er will das Grundstück kaufen und darauf bauen. In einem neuen Hotel- oder Bürogebäude wäre dann eine gesamte Etage für das Museum reserviert. Das Land Berlin würde die Ausstellungsfläche von dem Investor mieten.

"Die Erstausstattung wird etwa sechs Millionen Euro kosten", rechnet Kulturstaatssekretär André Schmitz vor. Danach finanziere sich das Museum selbst. Mit dem "Museum des Kalten Krieges" will Schmitz das Gedenkstättenkonzept in Berlin vollenden. "Es ist ein dezentrales Konzept", erklärt er. "An der Bernauer Straße sieht man die Bedeutung der Mauer für die Berliner, am Brandenburger Tor ihre nationale Dimension. Und am Checkpoint Charlie erfährt man künftig die internationale Bedeutung der Spaltung."

"Ein Anker-Ort mit Ausstrahlung"

Allerdings eröffnet das Museum frühestens 2015. Die Immobilienkrise mache auch dem Investor zu schaffen, meint Schmitz. "Wir sind trotzdem gelassen", sagt er. "Dann bleibt die 'Black Box' eben länger stehen." Es wirkt, als stelle er sich schon darauf ein. Die Info-Box ist ein Provisorium auf längere Zeit, weshalb es auch im Außenbereich noch erweitert wird.

Hinter der schwarzen Hütte ist ein Freiluftkino geplant, dazu werden Mauerteile aufgestellt. Und: zwei Panzer. Falls das Geld reicht. Bisher wurde der Info-Pavillon mit 120.000 Euro aus dem Vermögen finanziert, das aus den Parteien und Massenorganisationen der DDR stammt.

Künftig sollen die Besucher zwei bis drei Euro Eintritt zahlen, um so die Kosten für den Betrieb zu decken. Damit genügend Besucher kommen, wird der Zaun um die "Black Box" ausgebaut. Seit 2006 ist auf der Straßenseite des Zauns eine Fotogalerie mit Informationen angebracht, jetzt wird auch die Innenseite bebildert.

"Das soll Besucher in das Gelände hineinziehen", sagt Kurator Jürgen Reiche, schiebt aber gleich hinterher: "Die 'Black Box' wird aber keiner anderen Sehenswürdigkeit Besucher wegnehmen." Sie solle ein "Anker-Ort mit Ausstrahlung" werden, ein "Kultur-Cluster mit Verteilerfunktion", von dem aus Touristen und Berliner zu den anderen Sehenswürdigkeiten gelenkt werden.

Die "Black Box" selbst ist noch kein Denkmal, sie ist austauschbar. Das zeigt auch die pragmatische Einstellung der Verantwortlichen. "Wenn das richtige Museum gebaut wird, werden wir die 'Black Box' als mobilen Pavillon für andere Themen nutzen", sagt Reiche. "Es ist ja egal, welche Videos auf den Monitoren laufen."



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Flari 12.01.2012
1. Wenn man zwei Panzer haben möchte...
kann man die doch schnell billig an einen privaten Investor verkaufen und von diesem mieten. Wo ist das Problem?
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