Gefährliche Liste Zeitung in Uganda outet Schwule

Schon zum zweiten Mal macht eine Zeitung in Uganda mit einer Liste Stimmung gegen schwule Bürger - um ihnen zu "helfen". Tatsächlich wird die Situation im Land für Homosexuelle immer gefährlicher. Ein Gesetzesentwurf fordert sogar die Todesstrafe für sie.


Hamburg/Kampala - Ihre Gesichter, Namen, Adressen, sogar intime Details - auf einmal war alles öffentlich zugänglich. Für die 14 Schwulen, deren Fotos an diesem Montag in der ugandischen Zeitung "Rolling Stone" (keine Beziehung zu dem bekannten Musikmagazin) veröffentlicht wurden, ist es mehr als ein unfreiwilliges Coming-out. Der Bericht gefährdet ihr Leben.

Als die Zeitung kürzlich schon einmal homosexuelle Männer auf der Titelseite an den Pranger stellte und ihre Bilder mit "Hängt sie" überschrieb, gab es nach Angaben von Interessengruppen mindestens vier gefährliche Attacken. Dieses Mal forderte Chefredakteur Giles Muhame seine Leser in dem Artikel zwar zum Gewaltverzicht auf. Seine Positionen sind dennoch klar: Homosexualität sei ein Virus, und Schwule versuchten Schüler mit Gehirnwäschen von ihrer sexuellen Neigung zu überzeugen. Das gelte es zu verhindern.

Wie der Fernsehsender CNN auf seiner Website berichtet, gibt der 22-Jährige selbst zu, was er mit der ersten Veröffentlichung angestrebt hatte: "Wir dachten, die Polizei würde Nachforschungen anstellen und sie hängen." Hängen ist die Strafe, die ugandische Politiker für bestimmte homosexuelle Akte verhängen wollen. Ein entsprechendes Gesetz ist in Arbeit, aber international höchst umstritten. Zahlreiche Politiker haben gegen das Vorhaben protestiert, US-Präsident Barack Obama nannte es "abscheulich".

Laut CNN gibt sich der Urheber des Entwurfes zuversichtlich, dass es bald durchgebracht wird. Homosexualität kann in Uganda unter bestimmten Umständen jetzt schon mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden. Das neue Gesetz würde diese Strafe auf lebenslänglich verlängern und zudem etwa für homosexuellen Sex mit HIV-positiven Menschen oder Behinderten die Todesstrafe vorsehen.

Eine Interessengruppe hat jetzt vor Gericht eine Verfügung gegen den "Rolling Stone" beantragt, die der Zeitung derartige Outings verbieten soll. Dem Antrag wurde laut der BBC am Montag stattgegeben, der Richter befand die Veröffentlichungen als unrechtmäßigen Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen. Eine Anhörung soll es Ende des Monats geben.

Zeitungsmacher Muhame jedoch plant, weitere Listen zu veröffentlichen, um den Betroffenen zu "helfen, verantwortungsvoller zu leben". Der Nachrichtenagentur AFP sagte er, man werde einen Weg finden, die Anordnung zu umgehen und auf "diplomatische Weise" weiter Fotos homosexueller Bürger zu veröffentlichen.

can/AP



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Indigo76 01.11.2010
1. Titelverweigerer
Schade, dass es in Uganda kein Öl gibt. Dann könnten die Amis da einmarschieren und für Ordnung sorgen :-) Da stellt sich doch die Frage, ob das Ende der Kolonialzeit für dieses Land nicht ein wenig verfrüht war.
Sleeper_in_Metropolis 01.11.2010
2. Titel
Zitat von Indigo76Schade, dass es in Uganda kein Öl gibt. Dann könnten die Amis da einmarschieren und für Ordnung sorgen :-) Da stellt sich doch die Frage, ob das Ende der Kolonialzeit für dieses Land nicht ein wenig verfrüht war.
Nicht nur für dieses Land, wenn man sieht, was in manchen Ländern Schwarzafrikas tlw. seit Jahrzehnten so vor sich geht.
snickerman 01.11.2010
3. Hier könnte mein Klarname stehen
In Jamaika ist die Situation ähnlich schlimm. Glaubt man zwar kaum, weil man an entspannte Rastafaris in blauen Rauchwolken denkt, aber erkannte Schwule werden dort gern mal vom Mob durch die Straßen gehetzt...
black wolf, 02.11.2010
4. .
Uganda befindet sich noch immer in der Kolonialzeit - geistig. Die Kampagnen gegen Homosexuelle wurden maßgeblich von US-Predigern angestachelt, die in typisch selbstherrlicher Manier den Afrikanern erklärt haben was Gott meint, wenn er vom Steinigen Schwuler spricht, und warum er seine Meinung gar nicht so sehr geändert hat. Diese Prediger distanzierten sich erst von den drakonischen Gesetzentwürfen, als ihre Beteiligung am schriftlichen Verfassen dieser Texte von den Medien entdeckt wurden. Danach waren die Ugandischen Prediger, die Verbündeten, ausgesprochen erzürnt, denn sie empfanden den verbalen Rückzug der Amerikaner als unehrlich und Verleugnung von bestehenden Kontakten. Näheres erfährt man, indem man "Lively" oder "Warren" im Zusammenhang mit "Uganda" googelt.
felidae177 02.11.2010
5. Es ist schon unglaublich...
... wo amerikanische Hass-Prediger in dieser Welt den Nährboden für ihre unfassbaren Doktrin suchen und auch finden. Sehr traurig, dass in Uganda Wirtschaft und Tourismus vor allem im Süden des Landes in den vergangenne Jahren an Fahrt aufgenommen haben, die soziale und gesellschaftliche Entwicklung der Menschen aber Lichtjahre hinterherhinkt. Der wirtschaftliche Aufschwung allein macht eben nicht zwangsläufig offen und tolerant. Schon gar nicht, wenn ein Teil der ugandischen Bevölkerung nicht davon in gleichem Maße profitiert. Und das macht ja bekanntlich empfänglich für allerlei Vorurteile und krude Theorien. Nicht nur in Afrika.
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