Geheimpapiere Charlie Chaplin zu frivol für den Ritterschlag

Aus nun veröffentlichten Geheimpapieren der britischen Regierung geht hervor, dass die US-Regierung intervenierte, als die Briten den Stummfilmstar Charlie Chaplin in den fünfziger Jahren zum Ritter schlagen wollten.


Chaplin in "Der große Diktator": Der US-Regierung moralisch nicht integer genug
ARTE

Chaplin in "Der große Diktator": Der US-Regierung moralisch nicht integer genug

Hamburg - 1956 war den Papieren zufolge erstmals geplant gewesen, den1889 in London geborenen Regisseur und weltberühmten Star zum Ritterzu schlagen. Doch die USA, wo Charlie Chaplin mehr als 40 Jahre lang bis 1952 lebte, erhobdemnach moralische Einwände gegen eine Ehrung des Stars, weil er zwei Mal -1918 und 1924 - Mädchen im Alter von 16 Jahren geheiratet hatte. Esfolgten weitere Ehen und eine Vaterschaftsklage aus einer anderenBeziehung. 1953 warfen die Steuerbehörden Chaplin zudem Steuerhinterziehungvor und verboten ihm den Aufenthalt in den USA. Er war in der McCarthy-Ära auf die schwarze Liste geraten, auf der missgünstige Menschen mit "kommunistischen Neigungen" geführt wurden. Chaplin sei wegen diesen Neigungen "unbeliebt" gewesen, heißt es in den Papieren. Erst 20 Jahre später nach dem diplomatischen Streit um Chaplins "romantischen und politischen Lebensstil" wurde 1972, als Chaplin in der Schweiz lebte, derRitterschlag ernsthaft erwogen. Der damalige britische Botschafter inWashington, Lord Cromer, schrieb: "Seit 1956 ist viel geschehen.Chaplins Privatleben und seine politischen Einstellungen gehören derVergangenheit an." Chaplins "hervorragende Schauspielkünste und seineaußergewöhnlicher künstlerischer Beitrag zum Film der frühen Jahre" machten eine verspätete Ehrung wünschenswert, empfahl der Diplomat. Chaplin wurde schließlich 1975 zum "Sir" ernannt, zwei Jahre vor seinem Tod.



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