Trophäensammler George W. Bush: Bringt mir die Pistole von Saddam Hussein

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Bushs Trophäensammlung: Buttons, Terrier und die Knarre Fotos
AFP

Mission accomplished! George W. Bush hat einst Saddam Hussein zur Strecke gebracht. In einer neu eröffneten Gedenkstätte präsentiert der ehemalige US-Präsident nun die Trophäe dazu: die Waffe des irakischen Diktators. Und erinnert so an den größten Fehler seiner Amtszeit.

In keinem anderen Land der westlichen Welt wird der Frage, welchen historischen Rang einstige Staatsoberhäupter einnehmen, eine derartige Bedeutung beigemessen wie in den USA. Historiker erstellen Rankings der früheren US-Präsidenten. Zudem kümmert sich jeder ehemalige Amtsinhaber selbst um die Pflege seines Andenkens: in einem eigens errichteten Museum. Auch George W. Bush, dem während seiner Amtszeit nachgesagt wurde, "the worst president ever" zu sein, hat nun eine derartige Gedenkstätte: das Bush Presidential Center in Dallas.

Die Ausstellung zum 43. Präsidenten zeigt neben den für derartige Stätten üblichen Wahlkampf-Memorabilien auch ein Skulpturenpaar seiner beiden Scottish Terrier Barney und Miss Beazley - bemerkenswertestes Stück der Sammlung aber ist eine Pistole: erbeutet bei der Gefangennahme Saddam Husseins am 13. Dezember 2003.

Bushs Vorgänger Roosevelt und Truman mögen den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Ronald Reagan schreiben seine Bewunderer zugute, im Wettrüsten des Kalten Krieges die Sowjetunion niedergerungen zu haben. Dass sie aber von Adolf Hitler oder von den Herrschern des Kreml eine ähnliche Trophäe aufbewahrten wie Bush von Saddam Hussein, ist nicht überliefert.

Bush, dem es anders als seinem Nachfolger Barack Obama nicht vergönnt war, nach den Attentaten des 11. September 2001 über Osama Bin Laden zu triumphieren, erinnert mit diesem Schaustück wohl eher unfreiwillig an eine der großen Fehlentscheidungen seiner Präsidentschaft: die Invasion des Irak. Als hätten diejenigen Kritiker recht gehabt, die ihm vorwarfen, das Land nicht nur wegen des vielbeschworenen "War on Terror" angegriffen zu haben, sondern auch weil er eine persönliche Rechnung mit Saddam Hussein offen hatte. Der gab angeblich einst den Auftrag zu einem Attentat auf Bushs Vater.

In seinem archaischen Gestus erinnert das Zurschaustellen von Saddams Pistole an die vormoderne Präsentation von Insignien des geschlagenen Gegners: Wer den Kopf oder zumindest Schwert und Kriegsstandarte des Feindes erbeutet hat, hat auch seine Macht gebannt. Ähnliche Triumphgesten wurden in der Gegenwart eigentlich nur noch bei Warlords wie dem Liberianer Charles Taylor beobachtet, von dem der Schriftsteller Denis Johnson in seinem Reportageband "In der Hölle" berichtet, dass er abgeschlagene Körperteile seiner Feinde zur Schau stellte oder in Mosambik, wo ein Thron aus Kalaschnikows die Macht der Kriegsherren versinnbildlichte.

In der vermeintlich zivilisierten Kultur des Westens wähnte man sich derartigen Ritualen überlegen. Man persiflierte sie höchstens. So Sam Peckinpah in seinem berühmten Film "Bringt mir den Kopf von Alfredo Garcia", einem bizarren Höhepunkt des US-amerikanischen Kinos, in dem das verweste, abgeschlagene Haupt einer Leiche zum Zerrbild der Kopfgeldkultur des amerikanischen Kontinents wird. Leicht abgewandelt, gibt der Filmtitel das ideale Motto ab für die Trophäensammlung des früheren Präsidenten: Bringt mir die Pistole von Saddam Hussein.

Mission accomplished! Nun hängt die Waffe da, gerahmt und hinter Glas. Ein Bild von starker Symbolik. Nicht nur dafür, dass Bush seinen schlimmsten Feind zur Strecke gebracht hat. Sondern auch dafür, dass er offenbar tatsächlich so schlicht denkt, wie seine Kritiker immer behauptet haben.

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George W. Bush: Amerikas umstrittenster Präsident

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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