Gerangel um Bruce Darnell "Drama, Drama, Drama"

Als Laufsteg-Coach betreute Bruce Darnell Casting-Kandidaten für Heidi Klum. Jetzt wurde er selbst gecastet - behauptet die "FAZ". Offenbar bot die ARD Darnell eine eigene Show im Ersten - und einen ungewöhnlich hohen Geldbetrag.

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München - Seine Gefühlsausbrüche, Heulkrämpfe und Sprüche wie "Die Handtasche muss lebendig sein" oder "Drama, Drama, Drama" haben ihn berühmt gemacht. Bruce Darnell, Laufstegtrainer und Juror in Heidi Klums Casting-Show "Germany's Next Topmodel", ist längst zum Publikumsliebling und heimlichen Star der Sendung geworden.

Laufsteg-Coach Darnell: Vom Fleck weg gecastet?
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Laufsteg-Coach Darnell: Vom Fleck weg gecastet?

Jetzt hat der 50-jährige gebürtige US-Amerikaner beste Chancen, bald seine eigene TV-Show zu moderieren, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Und das nicht beim Münchner Privatsender ProSieben, sondern bei der ARD. Die Verhandlungen zwischen Programmdirektor Günter Struve und Darnell laufen derzeit, schreibt die Zeitung. Ein Abschluss sei "absehbar", wird ein ARD-Sprecher zitiert.

Darnells Managerin Angelika Mester-Witt reagierte auf den Artikel mit Verwunderung. "Ich weiß nicht, woher die 'FAZ' diese Informationen hat", sagte sie SPIEGEL ONLINE. "Herr Darnell hat eine Vielzahl von Angeboten, wir verhandeln derzeit mit mehreren potentiellen Partnern." Wer genau das sein soll, sagte sie nicht. Nur dass es möglich sei, dass Herr Darnell zur ARD geht - aber eben noch lange nicht sicher.

ARD soll exorbitant viel Geld geboten haben

Bei ProSieben ist die Begeisterung über die derzeitigen Gerüchte trotzdem nicht sonderlich groß. Unternehmenssprecherin Petra Fink sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir würden Herrn Darnell gern weiterhin bei der Show dabei haben, aber wir können ihn nicht um jeden Preis halten. Wir haben versucht, weitestgehend finanziell mitzugehen." SPIEGEL ONLINE ist aus Branchenkreisen bekannt, dass die ARD Bruce Darnell eine ungewöhnlich hohe Summe Geld geboten hat. Darnells Management will sich dazu nicht äußern. "Das entzieht sich vollständig meiner Kenntnis", sagte Mester-Witt. Auch die ARD will sich nicht äußern. "Von konkreten Geldbeträgen weiß ich überhaupt nichts", sagte ARD-Sprecher Bernhard Möllmann.

Die Bieterschlacht - sofern an dem Gerücht was dran ist - könnte der ARD noch Magengrimmen verpassen: Sollte sich bestätigen, dass die ARD eine exorbitant hohe Summe zahlte, um Bruce Darnell von ProSieben abzuwerben, würde die Kritik, die Öffentlich-Rechtlichen missbrauchten ihre Gebühren dazu, Privatsender auszustechen, sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Coaching-Show geplant

Nach Informationen der "FAZ" gibt es bei der ARD schon erste Pläne, was für einen Typ Sendung Darnell moderieren soll. Verhandelt werde über ein vielteiliges Coaching-Format, das im Vorabendprogramm ab 18.50 Uhr laufen soll. Darnells Managerin stellte klar, die Show solle nicht im Modelbereich angesiedelt sein. ARD-Sprecher Möllmann bestätigte diese Angaben.

Bleibt die Frage, warum Darnell nie eine eigene Show bei ProSieben bekommen hat. Bereits im März 2006 sagte Darnell in einem SPIEGEL-Interview: "ProSieben überlegt, etwas mit mir zu machen. Aber im Moment gibt es noch kein Konzept." Darnells Management dementiert: "Das war mal eine Zeit lang ein Gerücht, das durch die Medien geisterte", sagte Mester-Witt SPIEGEL ONLINE. Konkrete Verhandlungen habe es aber nie gegeben.

"Eine Sendung mit Bruce Darnell war nie ausgeschlossen", sagt hingegen ProSieben-Sprecherin Fink. "Perspektivisch gab es durchaus Überlegungen, wie man Herrn Darnell über 'Germany's Next Top Model' hinaus einsetzen kann."

Sollte Darnell tatsächlich eine eigene Show bei der ARD bekommen, müsste er seinen Platz in der "Topmodel"-Jury wohl aufgeben. Ein gleichzeitiges Engagement bei der ARD und als festes Jurymitglied mit Auftritten in jeder Folge kann sich ProSieben nicht vorstellen. "Wir würden ihn dann aber auf jeden Fall für Gastauftritte gewinnen wollen", sagte Fink.

Auch die ARD pocht bei einem Vertragsabschluss mit Darnell offenbar nicht auf Exklusivität. Sofern die jeweiligen Produktionstermine nicht miteinander kollidierten, spreche nichts dagegen, dass der Laufsteg-Choreograph auch weiterhin bei Klums Casting-Show mitwirke, sagte ein ARD-Sprecher.

Von der Armee auf den Catwalk

Bruce Darnell war selbst ein erfolgreiches Model. In Paris, Mailand, Tokio und New York lief er unter anderem für namhafte Designer wie Kenzo, Issey Miyake, Hermès oder Calvin Klein über den Laufsteg. Seit etwa 15 Jahren arbeitet er als Choreograph und trainiert Models.

Am 19. Juli 1957 in New York geboren, wuchs er im US-Bundesstaat Colorado auf und erlebte - als uneheliches Kind nach einem Seitensprung seiner Mutter - nach eigenen Worten eine harte Kindheit. Darnell studierte zunächst Soziologie und war dann Fallschirmspringer bei der US-Armee, bis er nach Deutschland kam. Als Model wurde er in einer Diskothek entdeckt.

Als Werbegesicht ist Darnell nun deutlich häufiger zu sehen als jede der Finalistinnen von "Germany's Next Topmodel". Von seinen besten Aussprüchen vertreibt er längst T-Shirts.

Mit Material von ddp



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