Babymaschinen Rage against the Gebärmutter

Konservative wünschen sich, dass mehr Kinder geboren werden. Aber bitte nur solche, die sich durch deutsche Geburtskanäle auf die Welt gekämpft haben. Echt, brauchen wir wirklich noch mehr Menschen?

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Seit der Steinzeit siegt, wenn man Wissenschaftlern glaubt, was ja viele Menschen nicht mehr tun, weil sie sich auf Facebook informiert haben, im Krieg mit anderen, wer über die Frauen herrscht.

So weit, so Steinzeit. Das Problem, dass unsere Erde eher unter zu vielen Menschen als zu wenigen leidet, ist die Logik vieler, sagen wir eher konservativer Menschen, und seit siebentausend Jahren unverändert simpel: Wer über die fleißigeren Gebärmütter verfügt, dominiert die Welt. Deutsche Parteien, die eher traditionellen Werten verpflichtet sind, kämpfen um die Besiedelung von Frauenbäuchen. Auf einem Wahlplakat heißt es zum Beispiel: "Neue Deutsche machen wir selbst!" Keine Ahnung, welcher Smartkopf sich solche tollen Parolen ausdenkt.

Auf Twitter postet der Politiker Herr Wild: "Für Einwanderung durch den Geburtskanal deutscher Frauen." Süß. Tausend kleine Wildlinge, die durch deutsche Auen hoppeln, wenn sich denn eine Frau im gebärfähigen Alter finden mag, die sich mit Herrn Wild leidenschaftlich auf Lümmelwiesen tummeln möchte.

Auch konservative Damen haben einen ausgeprägten fremduteralen Fetisch entwickelt. Bei der Trauerminute im Europaparlament für die Holocaustüberlebende und Politikerin Simone Veil wandte sich die geborene Herzogin von Oldenburg Frau von Storch ab und schreibt dazu: "Gern widme ich Simone Veil eine Schweigeminute. Möge sie in Frieden ruhen. Aber den Standing Ovations der Kollegen für die frz. Abtreibungs-Vorreiterin kann ich mich nicht anschließen."

Die gebärfähige Frau wird also genderneutral als Besitz betrachtet, über den erträumte Volksvertreter verfügen können. Das ist gut gedacht, aber nicht ganz zu Ende, wie das Scheitern des Lebensborns zeigt. Selbst wenn jetzt alle Biodeutschen nach einer Stammbaumkontrolle verschmelzen wollten, wird es schwierig, Deutschland auf Spitzenreiterniveau zu pimpern. Im letzten Jahr ist die Geburtenrate in Deutschland um 6,08 Prozent auf 760.652 gestiegen (die Geburtenzahl der Migranten spielte dabei eine kleine Rolle, behauptet die "Süddeutsche"), damit gebärt sich Deutschland auf einen veritablen neunten Weltranglistenplatz. Von unten gerechnet.

Alles soll so bleiben, wie es war

Selbst wenn alle Damen in der westlichen Welt in den nächsten fünf Jahren fünf Kinder gebären, schafft man es in den nächsten zwanzig Jahren nicht, ein der Restwelt überlegenes Heer von westlichen jungen Menschen auf die Beine zu stellen. Neben dem kleinen, eingangs erwähnten Umstand, dass die Ressourcen der Welt begrenzt sind, und dass pessimistischen Propheten zufolge jetzt bereits die Hälfte der Erdbewohner in wenigen Jahren nicht mehr versorgt werden können. Weder mit Wasser, noch mit Nahrung oder - ganz absurd - mit Arbeit und Einkommen.

Warum also machen Konservative die Geburtenrate zu ihrem erklärten Kampfziel? Geht es um den Wunsch, Frauen wieder ins Private zu komplimentieren, um sie als Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt auszuschalten? Oder um die Verdrängung des Fremden durch das Eigene? Werden die Kinder, die morgen geboren werden, wirklich in der Lage sein, den Fachkräftemangel von heute auszufüllen? Und wenn wir doch eine europäische Gemeinschaft sind, Brüder und Schwestern sozusagen, warum beschäftigen wir dann nicht die Nichten und Neffen, um den Mangel an Arbeitskräften in diversen Branchen zu füllen?

Vermutlich liegt dem Bestehen auf Geburtenwachstum das tiefe Wissen um die Überlegenheit des Deutschen Erbguts zugrunde. Alles soll so bleiben, wie es war. Das westliche Kind, das von allen Weltproblemen verschont glücklich durch die Ausbeutung fern entlegener Länder lebt. Ein Land abgekoppelt von einer globalen Zukunft zu betrachten, klingt nach einem schlauen und zukunftsversprechenden Plan. Fast so clever wie das Verbot der Geburtenkontrolle durch ein paar Rentner im Vatikan.

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insgesamt 206 Beiträge
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Seite 1
freier_europäer 22.07.2017
1. Verstehe ich Sie da richtig?
Also wenn es Deutsche gibt die die demografische Katastrophe mit mehr Kindern und Familien lösen wollen, ist das konservativ und sowieso rechts. Sagen Sie es doch deutlich, eigentlich sind deutsche Kinder eh nicht so wichtig... Brauchen wir die überhaupt noch? Ist das nicht auch schon rechts? Überhaupt ist Familienförderung ein Unterdrückungswerkzeug gegen die Frau. Natürlich freut sich Vater (darf ich das noch schreiben?) Staat über doppelte Steuereinnahmen. Nur blöd dass das Schneeballprinzip "Rente" genau das braucht, nämlich kein allzu gravierendes demografisches Defizit. Aber die linken Träumer werden uns schon eine Lösung präsentieren. Diese haben allsamt die letzten Jahre wunderbar funktioniert. Und wenn nicht, dann war es nur die Unfähigkeit Konservativer diese zu begreifen. Dieses linke Geschwafel, mehr ist das nämlich nicht mehr, ist einfach nur noch pathetisch, weltfremd und peinlich.
wahrscheinlichwahr3 22.07.2017
2. Eigene Kinder
Am besten keine deutschen Kinder mehr. Die Einwanderer aus diversen Ländern arbeiten dann für unsere bequeme Gesellschaft. Die Weltbevölkerung ist groß genug. Wir importieren also einfach Menschen. Warum nicht? Die Frage ist aber, wenn nichts mehr Eigenes geschaffen wird, was passiert dann mit dieser Gesellschaft? Sie wird versinken und mit ihr ganz Europa. Viel Spaß in der Zukunft bei solchen Ideen von dem Nichtsnutz der eigenen Nachkommen.
freier_europäer 22.07.2017
3. Verstehe ich Sie da richtig?
Also wenn es Deutsche gibt die die demografische Katastrophe mit mehr Kindern und Familien lösen wollen, ist das konservativ und sowieso rechts. Sagen Sie es doch deutlich, eigentlich sind deutsche Kinder eh nicht so wichtig... Brauchen wir die überhaupt noch? Ist das nicht auch schon rechts? Überhaupt ist Familienförderung ein Unterdrückungswerkzeug gegen die Frau. Natürlich freut sich Vater (darf ich das noch schreiben?) Staat über doppelte Steuereinnahmen. Nur blöd dass das Schneeballprinzip "Rente" genau das braucht, nämlich kein allzu gravierendes demografisches Defizit. Aber die linken Träumer werden uns schon eine Lösung präsentieren. Diese haben allsamt die letzten Jahre wunderbar funktioniert. Und wenn nicht, dann war es nur die Unfähigkeit Konservativer diese zu begreifen. Dieses linke Geschwafel, mehr ist das nämlich nicht mehr, ist einfach nur noch pathetisch, weltfremd und peinlich.
Nobody X 22.07.2017
4. Au weia!
Liebe Frau Berg, Ihre verquere Denkweise in allen Ehren - aber fällt Ihnen nichts besseres mehr ein, als mit einem solchen Unsinn mal wieder Aufmerksamkeit zu erhaschen? Ja, die Welt hat vermutlich mehr als genug Menschen - aber das liegt sicher nicht an der Geburtenrate in Europa oder in D. Die höchsten Geburtenraten gibt es bekanntlich nach wie vor in Afrika, und daran wird die westliche Welt auf absehbare Zeit vermutlich nichts ändern (können oder wollen). Ja, die Geburtenzahl von Migranten spielt möglicherweise eine kleine Rolle - noch, aber daran wird sich ganz sicher etwas ändern. So gesehen mag der Gedanke ja durchaus wünschenswert sein, aber wer um alle Welt soll denn die Absicht haben, in den nächsten zwanzig Jahren ein der Restwelt überlegenes Heer von westlichen jungen Menschen auf die Beine zu stellen? Mit diesem Beitrag haben Sie sich mal wieder selbst übertroffen.
bbrot99 22.07.2017
5. vor vielen Jahren hatte ich einmal eine Vorlesung zum Thema
Es ging dort um Naturwissenschaft und deren Verantwortung. Neben ganz vielen interessanten Theman kam auch die Sprache auf die Überbevölkerung auf Deutschem Boden. Schlaue Wissenschaftler haben festgestellt, dass bei dem Resourcenverbrauch der Einwohner Deutschlands gerade einmal 16 Mio Menschen hier leben dürften - danach geht es an's eingemachte und zwar irreparabel...Es wurden auch Rechenmodelle diskutiert, welche einen Übergang zu dieser Zahl finanzierbar gestalten würden. Vielleicht haben sich die Wissenschaftler um ein paar Millionen Bürger hin oder her geirrt, die Botschaft ist allerdings eindeutig. Wer also auch noch fordert, dass die Bevölerung wachsen sol, sollte mal wieder die Schulbank drücken. 6, setzen
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